Nun sind wir schon bei der dritten Ausgabe dieses Medienletters. Beim Schreiben habe ich festgestellt, dass Wut das übergreifende Thema in diesen zwei Wochen war.
Meine Wut über meine Erkältung, die mich letzte Woche ausgeschaltet hat und heute immer noch ein bisschen dabei ist, aber auch Wut bei anderen Menschen. Besonders interessant fand ich dabei neben dem WM‑Finale der Fußball‑Herren den Episodenfilm Wild Tales.
Noch immer frage ich mich: Wie gefällt euch das Format? Habt ihr mitbekommen, dass ihr die Einzelkritiken auch noch über die Kategorie besprochen abonnieren könnt? Dafür braucht ihr nur in die Einstellungen zu gehen.
Alle Kritiken des Jahres, ob Note oder Post, findet ihr übrigens hier besprochen Notizen 2026. Ich werde das Dokument laufend aktualisieren.
Immerhin, zwei Bücher habe ich geschafft. Ins Fahle Herz des Sommers ist der erste Roman von Andreas Eschbach, der dieses Jahr die Folgen des Klimawandels zum Thema hat. Er liest sich wie ein Endzeitroman, der die Frage stellt: Was bleibt von uns Menschen, wenn wir alles verlieren? Wenn wir uns erstmalig an die Umgebung anpassen müssen und wir nicht mehr die Chance haben, die Umgebung an uns anzupassen.
Für Ferdinand von Schirachs Sammlung Miniaturen über Menschlichkeit habe ich das erste Mal eine Note als Kritiken-Format gewählt. Hier könnt ihr sie lesen. Generell bleiben für mich, auch wenn sie vom Inbegriff des alten weißen Mannes kommen, die Erzählungen von von Schirach einfach nur wunderbare, liebevolle Bilder, in die ich mich jedes Mal neu verlieben kann.
Es ist schon ein wenig verrückt. Glennkill - Ein Schafskrimi läuft bei mir noch im Multiplex, zugegeben in der 09. Woche, und ist jetzt schon im Rahmen von AmazonPrime zu sehen. Möglich wird es dadurch, dass Amazon seit einiger Zeit das Studio MGM besitzt. So frühe Auswertungen aus Streamern fühlen sich für mich immer merkwürdig an. Im Fall von Glennkill ist es für euch jedoch ein Glück. Denn der lustige Krimi, in dem die Schafe die Hauptrolle spielen, ist jede Minute wert. Kommt mit interessanten Konzepten (Schafe können sich bewusst entscheiden Dinge zu vergessen! Fluch oder Segen?) und stellenweise überraschender Tiefgründigkeit um die Ecke. Die Frage, was das frühe Release mit den Kinos macht, lassen wir an der Stelle unbeantwortet.
Der Astronaut hat es immerhin aus dem Kino heraus geschafft. Das war hier meine erste Kritik auf Substack! Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, hier noch der Link zur Kritik. Ich würde euch sehr ans Herz legen, die Geschichte mit Ryan Gosling als einsamen Astronauten wider Willen anzusehen.
Ach ja, Kino! Ich war mal wieder im Abaton, einem von Hamburgs Programmkinos. Dieses Mal habe ich den ungewöhnlichen Heist-Movie The Piano Tuner gesehen. Ein ungewöhnlicher Film über Menschen mit Hyperakusis (Geräuschallergie), der in eine Situation kommt und Safeknacker wird. Auch wenn hier das Thema Behinderung als Superkraft zumindest angespielt wird, ist der Film eine der Überraschungen des Jahres.
Ganz sicher keine Überraschung ist The Odyssey. Das Meisterwerk von Christopher Nolan ist im Vorfeld von vielen gleichermaßen zerrissen wie hochgejubelt worden. Aus meiner Sicht war alle Kritik im Vorfeld unberechtigt und der Streifen wird in jedem Fall ein Erfolg. Lasst euch nicht von der Bildformat-Debatte ablenken. Ja, es ist immer unterschiedlich, aber hier könnt ihr Unterschiede sehen. Nur wenn ihr wirklich glücklich oder verrückt seid, könnt ihr den Film in Europa in 70 mm IMAX sehen, denn das schaffen nur 6 Kinos in Europa, nicht eines in Deutschland. (Hier klicken für Bildvergleich)
Aufgrund meiner Krankheit konnte ich noch einige Filme im Heimkino sehen. Avatar: The Way of the Water hat mich dabei nachhaltig an der Menschheit zweifeln lassen. Können alle, die ihn gut bewertet haben, einfach von der zum ersten Teil noch besseren Animation geblendet sein? Die Story wirkt wie ein warmer Aufguss des ersten Teils, nur dass ganze Handlungsstränge so abstrus oder unerklärt sind, dass ich nach dem Sehen fragte, warum man dafür 3 Stunden braucht. Wenn man die Wahl hat, in der gleichen Zeit The Odyssey zu sehen… sollte man The Odyssey sehen.
Streaming-Hits sind für mich Wild Tales und Die Rosenschlacht. Letzterer läuft bei Disney+. Ich hatte ihn im Kino verpasst und fragte mich vorab, wie sie mir Olivia Colman und Benedict Cumberbatch als glaubwürdiges Paar verkaufen wollen, damit der Rosenkrieg überhaupt irgendwie funktioniert. Und was soll ich sagen, der Film verwendet so viel Zeit, um das liebende Paar aufzubauen, und diese beiden grandiosen Schauspieler bekommen eine so unfassbare Chemie hin, dass ich einfach diese Liebe glauben will. Und weil ich das will, tut der Rosenkrieg noch mehr weh. Der scharfe Witz und das großartige Spiel lassen fast vergessen, dass alle anderen Figuren in der Handlung nur liebenswerte Abziehbilder sind. Und das trotz der hohen Sternchendichte. Saturday Night Live Veteranen Kate McKinnon und Andy Samberg als schräges Ami-Freundes-Ehepaar sind trotzdem zum Schießen. Wenn aus Liebe Wut und Hass wird, dann wird es ein Rosenkrieg. Kennt eigentlich von euch jemand das Original noch?
Wild Tales ist jetzt der Höhepunkt der Wut-Reihe. Im argentinischen Film von 2014 sehen wir 6 Geschichten und beobachten Menschen in Situationen, in denen das Fass überläuft und die Wut die Oberhand gewinnt. Ich habe mich köstlich amüsiert und mich gefragt: Wie sähe wohl so ein Film 12 Jahre später, vielleicht sogar in Deutschland, aus? Aktuell ist der Film leider nicht zum freien Streamen verfügbar, sein Geld zum Kauf in irgendeiner Variante jedoch auf jeden Fall wert.
Superbands gab es ja schon immer. Aus den 1970er Jahren haben es mir zum Beispiel die Eagles angetan. Eine meiner liebsten Bands, obwohl ihre große Zeit lang vor meiner Geburt lag. Solche Superbands bestehen zumindest Gefühlt häufig aus Männern. Ein Gegenentwurf ist da die Kombo Puss N Boots. Die Band um Norah Jones hat sich gebildet, um einen anderen Sound auszuprobieren, und ist dann für zwei Alben geblieben. Der intime, handgemachte Sound fängt mich sofort ein. Hier haben sich drei Frauen getroffen, die einen Vibe haben, der es direkt auf die Platte geschafft hat.
Bei so viel Wut in Film und Fernsehen möchte ich euch mit etwas StreetArt ablenken. Eine meiner ersten Begegnungen hier auf Substack war mit The Popcorner, was auch zu meiner ersten Empfehlung hier führte.
Mit The Popcorner habe ich seitdem eine lange Verbundenheit, zum einen, weil der örtliche Schwerpunkt der dargestellten Kunst in Hamburg liegt, zum anderen, weil wir immer in einem ewigen Chat-Gespräch leben. Vor kurzem hat das liebevolle Magazin einjähriges Jubiläum gefeiert. Ein Jahr, das euch neben der StreetArt als Bildern selbst auch immer wieder Interviews mit den Kunstschaffenden dahinter gegeben hat.
Eines meiner liebsten Interviews habe ich erst vor Kurzem im Archiv gefunden. Wer mich kennt, weiß: Ich habe ein Herz für Strichfiguren (wie zum Beispiel die von KriegundFreitag). Die Künstlerin maens hat ihren ganz eigenen positiven Vibe auf die Figuren. Zum Interview gibt es viele tolle Bilder.
Am Ende hat sich doch wieder einiges angesammelt in diesen zwei Wochen. Ein bisschen habe ich sogar noch weggelassen. Wie findet ihr das immer noch junge Format? Was würdet ihr euch wünschen?
Und weil es hier irgendwie immer noch um Medien geht. Könntet ihr euch vorstellen, am Ende des Jahres so einen Essay-Band von mir als Magazin auf dem Kaffeetisch liegen zu haben? Ich finde den Gedanken super verführerisch. Das wird, glaube ich, mein Traum für den Rest des Jahres sein.
Kommt gut durch die Tage.
Bis bald.














Lieber Kay, was für ein toller Text! Die Rosenschlacht fand ich auch grandios. Und mit der Erwähnung hast du mich erwischt - DANKE! 🥹😍 Ich hab deinen Text heute früh in der U-Bahn gelesen und mich so sehr gefreut. Du bist gerade auf der Überholspur und das freut mich ungemein für dich. Liebe Grüße!
Den Rosenkrieg fand ich auch herrlich! Da war irgendwie alles dabei, was man braucht um einen schönen Abend vor dem TV zu haben.
Ich mag dein Format, weil von allem etwas dabei ist. Außerdem mag ich es total Empfehlungen von etwas zu lesen.
Mach gern weiter Kay :)