Andreas Eschbach ist für mich einer der großen deutschen Autoren. Und dann auch einer der Sympathischen, die ich noch nie getroffen habe. Das geht schon bei seiner Webseite los, auf der ein „Über meinen Bruder“-Abschnitt existiert. Das fühlt sich an wie ein Blog, als wäre er einer von uns.
Ein Grund, warum er mir noch sympathisch ist, ist, dass seine Bibliografie sich so liest, als würde er gerne nachdenken. Und dann packt ihn ein Thema und es muss ein Buch daraus werden. Auch wieder etwas, das wirkt wie bei uns hier, manchmal muss das Thema dann einfach über die Tastatur raus aus dem Kopf. In diesem Jahr gibt es sogar zwei Bücher von Eschbach und beide im Groben zum gleichen Thema. Bevor im Herbst Novembersommer erscheint, der „den Klimawandel und die Grenzen des Geo-Engineerings“ behandelt, ist vor einiger Zeit Ins fahle Herz des Sommers erschienen. Eine für Eschbachs Verhältnisse eher kurze 240-Seiten-Geschichte.
In naher Zukunft brennt die Sonne seit Jahren erbarmungslos vom Himmel, sodass der Süden längst unbewohnbar geworden ist. Wer es sich leisten konnte, ist rechtzeitig in kühlere Gefilde wie den Norden Schottlands, nach Grönland, Kanada oder Sibirien gezogen. Fausto hat diesen Absprung nicht geschafft und lebt stattdessen mit einer Handvoll Nachbarn in einem fast verlassenen Dorf, wo der Alltag zu einem täglichen Kampf ums Überleben geworden ist.
Eines Tages taucht in seiner Nachbarschaft eine junge Frau auf, die von der extremen Hitze auffällig wenig beeindruckt zu sein scheint. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Nähe, die von Anfang an von einem diffusen Gefühl begleitet wird, dass sie irgendwie anders ist.
In diesem Buch haben wir den Kampf gegen die Klimakrise verloren. Und wie jede gute Science-Fiction ist das, was Eschbach hier schreibt, nah. Ich las das Buch am letzten Juniwochenende 2026. Wieder fielen Hitzerekorde und hunderte Menschen starben. Hier und jetzt fühlt sich Eschbachs Dystopie real an. Fausto streift durch eine Welt, die verbrennt. Das fühlt sich an wie Endzeit, das fühlt sich an wie Mad Max ohne Fetisch und ohne Donnerkuppel. Eindrücklich schildert uns Eschbach in Ins fahle Herz des Sommers die Welt, in der wir uns aufhalten, sowohl tags als auch nachts, mit einer sehr visuellen Sprache. Ich spüre die Hitze förmlich mit, wenn Fausto sich am Tag zwischen den Häusern seiner Nachbarschaft bewegt, um sich mit den wenigen Menschen zu treffen, die es noch gibt, die nicht in den Norden geflohen sind. Aber ich spüre auch die Einsamkeit und die Leere, wenn er sich nachts beleuchtet durch den hellen Vollmond auf seinen Streifzügen durch die Gassen bewegt.
Er erinnerte sich an Fernsehsendungen, in denen noch gestritten wurde, ob die globale Erwärmung von Menschen verursacht sei oder nicht (als ob das einen Unterschied gemacht hätte), während draußen schon Stürme zur Zeit wüteten und das Wetter anfing, verrückt zu spielen.
Wir haben die Zeichen gesehen, wir haben sie als Menschheit ignoriert. Eschbachs Roman stellt uns die Frage, was von unserer Menschlichkeit übrig bleibt. Dabei geht er in den Kern, den hervorragende Science-Fiction für mich ausmacht. Er sieht ein aktuelles Problem, richtet seinen Blick in die Zukunft und wirft den Zeitraffer an, um sie schnell ablaufen zu lassen, und setzt uns an einem der möglichen Punkte aus, die wir erreichen könnten. Werden wir solidarisch werden? Werden wir uns unterstützen? Werden wir uns als Menschen verändern? Bisher hat der Mensch seine Umgebung geformt und sich diese zunutze gemacht. Werden wir uns jetzt an unsere Umgebung anpassen?
Eschbach liefert uns dabei keine Antworten, er hält uns mit seiner Geschichte in der Schwebe des Mysteriösen und aktiviert dabei unsere eigenen Gedanken. Vielleicht um uns auf unsere Zukunft vorzubereiten, möge sie fernliegen oder in seinem Roman im September.



