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Avatar von Marion Wilting

Das war jetzt wirklich interessant zu lesen, denn ich komme nicht ins Kino und muß gestehen, daß ich bei der Vorschau, die ich im Fernsehen gesehen hatte, das gleiche dachte wie damals, als "Troja" ins Kino kam: "Och nö." Ich bin ursprünglich Altphilologin und habe die Ilias für die Zwischenprüfung (vor gefühlt 100 Jahren) von vorn bis hinten samt allen Schiffskatalogen durchgeackert, und die einzige Szene, die mir gefallen und die mich extrem berührt hat, war die Abschiedszene zwischen Hektor und Andromache, die mir noch immer kalte Schauer über den Rücken jagt, wenn ich daran denke. Aber eine Verfilmung dieser öden Schiffskataloge - och nö 😂 Und auch wenn ich die Odyssee interessanter fand, dachte ich trotzdem wieder "och nö". Vielleicht, weil ich Verfilmungen von antiken Themen nie wirklich mochte, weil sie mir immer falsch vorkamen, ich weiß es auch nicht. Aber Dein Gedanke, daß es sich ja natürlich um eine "dynamische" Erzählung handelt, die selbstverständlich in all den Jahrhunderten, in denen sie weitergegeben wurde, Anpassungen an die Gegenwart erfahren hat, war so ein Aha-Moment für mich. Für die antiken Erzähler wäre es völlig selbstverständlich, daß die Geschichte sich auch in der Zukunft weiter mit der Zeit wandelt und anpaßt. Vielleicht hätten sie nicht darüber nachgedacht, aber es wäre eben einfach passiert. Insofern sehe ich das jetzt mit völlig anderen Augen, danke!

Avatar von Simon M. Jahr

Ich fühle das genauso wie du. Nach meinem Erinnerungsprotokoll war Oppenheimer gerade vollkommen zu Recht mit Oscars ausgezeichnet und ENDLICH einer der besten Regisseure unserer Zeit prämiert worden, wurde schon spekuliert, was das neue Projekt sein könnte. Von einem Vampirfilm war die Rede. Noch bevor das bekannt wurde, stand fest, dass Tom Holland eine größere Rolle kriegen soll. Und alle: Tom Holland als Vampir? Chris Nolan ist ein Meister darin, diese Spekulationen einfach auszuhalten. Er macht sein Ding und geht auch mal ungewöhnliche Wege. Nach Sci-Fi-Brettern (Batman, Inception, Tenet), einem Kriegsfilm (Dunkirk) ein Biopic? Und jetzt eine Griechische Sage? Ich hab mich schon auf den Film gefreut, als er noch ein Vampirfilm war, nicht des Genres wegen (das mag ich nämlich nicht), sondern einzig und allein wegen Nolan und dem Wissen, dass alles was er anfasst, zu Gold wird. Er macht Filme, die er machen will und er macht sie für das Kino, so wie es aus seiner Sicht sein sollte. Er hasst CGI und setzt es nur ein, wenn es nicht anders geht. Er bevorzugt natürliche Specialeffects, kaum etwas entsteht am Computer. Und er arbeitet gerne mit Schauspielern, die er schon kennt (und die du zum Teil schon genannt hast): Rob Pattinson (Tenet), Matt Damon (Oppenheimer), Eliott Page (Inception).

Matt Damon spielt oscarverdächtig! Und ansonsten erkennt man Nolans Handschrift und das ist alles, was man mir sagen müsste, wenn ich den Film nicht bereits gesehen hätte. Am Mittwoch gucke ich ihn mit einem Freund das zweite Mal ❤

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