Als ich den Trailer zu The End of Oak Street sah, fühlte ich mich an diese abenteuerlichen Filme aus den 70er und 80er Jahren erinnert. Und dann direkt an Super 8, der den Vibe eben dieser Filme, insbesondere der von Steven Spielberg, wunderbar einfing.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: J. J. Abrahams produziert jetzt die gleiche Nostalgie, wie Steven Spielberg es damals mit ihm und Super 8 getan hat. Aber funktioniert Nostalgie ohne eine Marke, auf die man sich bezieht, heute immer noch? In einer Zeit, in der eigentlich nahezu alle großen Kassenschlager auf der Nostalgiewelle surfen? (Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel, auch ich habe The Odyssey gesehen.)
Eine gewöhnliche Straße in einer typischen amerikanischen Vorstadt. Straßenfeste, scheinbar perfekte Familienidylle. Bis in einer Nacht ein grelles Licht aufblitzt und ein dröhnender Knall allen die Ohren schmerzen lässt. Als sich der Staub legt, ist Oak Street nicht mehr dort, wo sie war, sondern in einer fremden, urzeitlich wirkenden Umgebung gestrandet.
Die scheinbar perfekte Familie muss sich in der neuen Umgebung behaupten und einen Weg finden, wieder nach Hause zu kommen.
Die Geschichte ist so simpel wie der Ablauf des Films. Zunächst wird uns die heile Welt gezeigt, bevor sie dann in das andere Szenario verpflanzt wird. Neu ist das Konzept nicht wirklich und der Film letztlich auch nicht herausragend, weil er die Dinge, die er anspielt, letztlich nicht konsequent genug groß macht. So ist es schön, mal zu sehen, wie nicht nur eine oder eine Gruppe von Personen in ein anderes Setting gesetzt werden, sondern ein ganzes Viertel. Allerdings wird das fast nie angespielt, weil der Fokus nur auf unserer Familie liegt. Das ist eine Entscheidung, doch genauso gut hätten sie auf mysteriöse Weise allein sein können und nur die Strukturen mitgereist. Es hätte nahezu keinen Unterschied gemacht.
Gefallen hat mir der Spagat zwischen Eltern-Beziehung und Abenteuer in der „Kindergruppe“. Hier schafft der Film eine Ausgewogenheit und findet in den richtigen Momenten zueinander. Ich war zwar überrascht, dass es im Kino nicht mehr wirkte, doch man merkte, dass der Film sich nur bedingt ernst nehmen wolle, sondern in erster Linie Spaß machen. So waren teilweise Szenen lustig obskur, beispielsweise wenn sich kleine Dinosaurier wie ein Waschbär verhalten oder ein Dino eine Eiskremschnauze hat, weil er den Eiscreme-Wagen für sich entdeckt hat. Aufgrund des langsamen Erzähltempos des Films auf seinen 99 Minuten, war die Taktung jedoch so langsam, dass das Publikum scheinbar nicht mitbekam, wie der Film sich selbst sieht.
Was mich überrascht hat, war, wie blutig dieser Film letztlich für FSK ab 12 Jahren ist. Das ganze Ambiente versprach ein Familienspaß à la Spielberg zu werden. Filmplakate und Trailer ließen sich nur so interpretieren. Am Ende kommt beim Regisseur und Drehbuchautoren von It Follows nun eine Mischung aus angedeutetem Horror und Familienspaß heraus, die manchmal ihr Gewaltpacing überschreitet. Ich würde wohl nicht mit einem Kind hingehen.
Nostalgie funktioniert in diesem Mix überraschend gut, auch wenn sich kein konkretes Produkt anspielen lässt, wie zum Beispiel Marvel oder andere Franchises es tun. Ich für meinen Teil hatte einen guten, wohligen 80er-Vibe, und das, obwohl ich einen Großteil meiner aufnahmefähigen Kindheit in den 90ern verbrachte. Aber was lief dort im Fernsehen? Na klar, die Wiederholung oder Premieren der 80er. Einen Stranger-Things-artigen Hype werden wir jedoch hier nicht erwarten können.




Die Frage, ob Nostalgie auch ohne eine konkrete Marke funktioniert, ist hier besonders treffend gestellt. Mir gefällt, dass du den warmen 80er-Vibe anerkennst, aber zugleich zeigst, wie wenig der Film aus der Idee eines ganzen versetzten Viertels macht. Gerade dieser Widerspruch zwischen Familienspaß, Horror und ungenutztem erzählerischem Potenzial bleibt nach der Lektüre hängen.
Der Vibe passt, der Rest ist Murks.
SPOILER ALARM: Der nachfolgende Text enthält Schilderungen des Films, unter anderem auch des Endes. Wer noch versuchen will sich selbst zu überzeugen, sollte diesen Kommentar jetzt aufhören zu lesen!
Der Vibe des Films hat mich sofort abgeholt. Die Kritiken haben recht, wenn sie Vergleiche mit E.T. ziehen. Es wird ja auch viel Fahrrad gefahren. Die Musik mochte ich gerne. Sie erinnerte an den früheren, besseren John Williams. Und ich dachte "Wow. Vielleicht ist es ja wirklich der 4,5 von 5 Sterne Film, den Filmstarts gesehen hat". Zur Info: Die Odyssee hat dieselbe Wertung bekommen (das merken wir uns für das Ende).
Schonmal vorweg: das was mich genervt hat, wäre in einer besseren Herangegensweise kein großes Problem gewesen. ABER: Dinge, die Dinosaurier genannt werden, also offensichtlich auch welche darstellen sollen, haben in meiner cineastischen Wahrnehmung auch wie welche auszusehen und sich so zu verhalten. Es gibt eine Szene in der der hyper nervige Junge ein Lexikon durchblättert - warum genau werden wir nie erfahren, die Infos nutzen tut er jedenfalls nicht - und unter anderem auf den Begriff "Kaltblüter" stößt. Das weiß ich nicht, weil ich richtig gut Englisch kann, sondern weil der eingeblendete Untertitel es mir verraten hat. Selbst bei flüchtiger Betrachtung der angeblichen Dinos fällt auf, dass sie Fell haben. Es hat vielleicht nicht jeder Bio-Leistungskurs gehabt, deswegen hier die Einordnung, dass das absoluter Quatsch ist. Kaltblüter brauchen kein Fell. Sie regulieren ihre Körpertemperatur von außen. Durch Sonnenlicht oder auch zum Beispiel warme Steine. Hätten die Macher des Films sich dieses Lexikon aus ihrem Film mal angeguckt, hätten die das wissen können. Gegen Ende des Dino-Zeitalters kamen Federn und dann viel später Tiere mit Fell (Warmblüter). Ab da hatte mich der Film verloren und er hätte lediglich Schadensbegrenzung betreiben können.
Doch dann kam eines der am schlechtesten abgebissenen CGI-Beine, das ich je gesehen habe. Aber der Besitzer des Beins wurde gefressen und da kam ich wieder etwas zurück. Das war überraschend. Dummer Weise hat sich der Film eine Art Zeitreise-Notausgang gelassen, was alles wieder ruiniert hat. Bevor man endlich zum schlechten Ende kommt, ist da noch ein gebrochener Fuß des nervigen Jungen, ein Freund von dem Mädchen mit Namen, aber leider ohne Funktion (einfach damit noch eine POC auftritt), der plötzlich spontan heilt. Und dann wie gesagt das Ende. Die Mutter entdeckt ein Münztelefon und hat Gott sei Dank, ohne dass wir es wussten, den ganzen Film über Kleingeld dabei gehabt. Gut mitgedacht. Die Tochter sagt sowas wie "Wir müssen die andern alle warnen!" und die Mutter (wirklich gut gespielt von Anne Hathaway) erwidert "Nein, dafür ist keine Zeit". Sie geht zum Telefon und kommt wieder, aber sie will nicht erzählen, wen sie angerufen hat. Vielleicht, weil sie nicht weiß, ob es funktioniert. Aber so richtig klar wird es nicht. Dann kommt der Vater im Auto angefahren und lebt wieder. Aha. Mut verloren einen Familienvater sterben zu lassen. Ganz am Ende stellt sich heraus, dass alle Nachbarn gewarnt wurden und überleben konnten. Obwohl für die Warnung keine Zeit war.
Am meisten enttäuscht mich, dass ich durch ein Mal gucken, viel mehr Potenzial erkenne, also welches, das nicht ausgeschöpft wurde: Mach doch richtige Dinos, Väter sterben manchmal, gib Jeanette eine Aufgabe, die in mehr besteht, als einfach nur schwarz zu sein. Lass den Fuß gebrochen, auch schlechte Schauspieler können humpeln. Denn die Idee, die Ereignisse nicht zu erklären und irgendeine Pseudowissenschaft einzuführen, die dann nach der Veröffentlichungen von echten Wissenschaftlern zerrissenen wird, schaft eine unsichere, mysteriöse Atmosphäre, von der ein solcher Film nur profitieren kann. Das hatte der Film eigentlich verstanden.
Meine Wertung war drei Sterne schlechter. Ein Vergleich, bzw. sogar eine Gleichsetzung mit "Der Odyssee", in meinen Augen ein Meisterwerk, eines der begnadetsten Regisseure unserer Zeit, ist eindach nur eine Frechheit und absolut absurd.
Wer aber denkt "Mensch, aber das ist doch eine Mischung aus E.T. und Jurassic Park", dem sage ich, mag sein, dann dann aber eine schlechte Mischung. Guck lieber erst E.T. und dann Jurassic Park. Davon hast du viel mehr.