4 Kommentare
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Avatar von Ozgur

Die Frage, ob Nostalgie auch ohne eine konkrete Marke funktioniert, ist hier besonders treffend gestellt. Mir gefällt, dass du den warmen 80er-Vibe anerkennst, aber zugleich zeigst, wie wenig der Film aus der Idee eines ganzen versetzten Viertels macht. Gerade dieser Widerspruch zwischen Familienspaß, Horror und ungenutztem erzählerischem Potenzial bleibt nach der Lektüre hängen.

Avatar von Simon M. Jahr

Der Vibe passt, der Rest ist Murks.

SPOILER ALARM: Der nachfolgende Text enthält Schilderungen des Films, unter anderem auch des Endes. Wer noch versuchen will sich selbst zu überzeugen, sollte diesen Kommentar jetzt aufhören zu lesen!

Der Vibe des Films hat mich sofort abgeholt. Die Kritiken haben recht, wenn sie Vergleiche mit E.T. ziehen. Es wird ja auch viel Fahrrad gefahren. Die Musik mochte ich gerne. Sie erinnerte an den früheren, besseren John Williams. Und ich dachte "Wow. Vielleicht ist es ja wirklich der 4,5 von 5 Sterne Film, den Filmstarts gesehen hat". Zur Info: Die Odyssee hat dieselbe Wertung bekommen (das merken wir uns für das Ende).

Schonmal vorweg: das was mich genervt hat, wäre in einer besseren Herangegensweise kein großes Problem gewesen. ABER: Dinge, die Dinosaurier genannt werden, also offensichtlich auch welche darstellen sollen, haben in meiner cineastischen Wahrnehmung auch wie welche auszusehen und sich so zu verhalten. Es gibt eine Szene in der der hyper nervige Junge ein Lexikon durchblättert - warum genau werden wir nie erfahren, die Infos nutzen tut er jedenfalls nicht - und unter anderem auf den Begriff "Kaltblüter" stößt. Das weiß ich nicht, weil ich richtig gut Englisch kann, sondern weil der eingeblendete Untertitel es mir verraten hat. Selbst bei flüchtiger Betrachtung der angeblichen Dinos fällt auf, dass sie Fell haben. Es hat vielleicht nicht jeder Bio-Leistungskurs gehabt, deswegen hier die Einordnung, dass das absoluter Quatsch ist. Kaltblüter brauchen kein Fell. Sie regulieren ihre Körpertemperatur von außen. Durch Sonnenlicht oder auch zum Beispiel warme Steine. Hätten die Macher des Films sich dieses Lexikon aus ihrem Film mal angeguckt, hätten die das wissen können. Gegen Ende des Dino-Zeitalters kamen Federn und dann viel später Tiere mit Fell (Warmblüter). Ab da hatte mich der Film verloren und er hätte lediglich Schadensbegrenzung betreiben können.

Doch dann kam eines der am schlechtesten abgebissenen CGI-Beine, das ich je gesehen habe. Aber der Besitzer des Beins wurde gefressen und da kam ich wieder etwas zurück. Das war überraschend. Dummer Weise hat sich der Film eine Art Zeitreise-Notausgang gelassen, was alles wieder ruiniert hat. Bevor man endlich zum schlechten Ende kommt, ist da noch ein gebrochener Fuß des nervigen Jungen, ein Freund von dem Mädchen mit Namen, aber leider ohne Funktion (einfach damit noch eine POC auftritt), der plötzlich spontan heilt. Und dann wie gesagt das Ende. Die Mutter entdeckt ein Münztelefon und hat Gott sei Dank, ohne dass wir es wussten, den ganzen Film über Kleingeld dabei gehabt. Gut mitgedacht. Die Tochter sagt sowas wie "Wir müssen die andern alle warnen!" und die Mutter (wirklich gut gespielt von Anne Hathaway) erwidert "Nein, dafür ist keine Zeit". Sie geht zum Telefon und kommt wieder, aber sie will nicht erzählen, wen sie angerufen hat. Vielleicht, weil sie nicht weiß, ob es funktioniert. Aber so richtig klar wird es nicht. Dann kommt der Vater im Auto angefahren und lebt wieder. Aha. Mut verloren einen Familienvater sterben zu lassen. Ganz am Ende stellt sich heraus, dass alle Nachbarn gewarnt wurden und überleben konnten. Obwohl für die Warnung keine Zeit war.

Am meisten enttäuscht mich, dass ich durch ein Mal gucken, viel mehr Potenzial erkenne, also welches, das nicht ausgeschöpft wurde: Mach doch richtige Dinos, Väter sterben manchmal, gib Jeanette eine Aufgabe, die in mehr besteht, als einfach nur schwarz zu sein. Lass den Fuß gebrochen, auch schlechte Schauspieler können humpeln. Denn die Idee, die Ereignisse nicht zu erklären und irgendeine Pseudowissenschaft einzuführen, die dann nach der Veröffentlichungen von echten Wissenschaftlern zerrissenen wird, schaft eine unsichere, mysteriöse Atmosphäre, von der ein solcher Film nur profitieren kann. Das hatte der Film eigentlich verstanden.

Meine Wertung war drei Sterne schlechter. Ein Vergleich, bzw. sogar eine Gleichsetzung mit "Der Odyssee", in meinen Augen ein Meisterwerk, eines der begnadetsten Regisseure unserer Zeit, ist eindach nur eine Frechheit und absolut absurd.

Wer aber denkt "Mensch, aber das ist doch eine Mischung aus E.T. und Jurassic Park", dem sage ich, mag sein, dann dann aber eine schlechte Mischung. Guck lieber erst E.T. und dann Jurassic Park. Davon hast du viel mehr.

Avatar von Claudia

Toll deine Antwort zu lesen. Ein Großteil der Ungereimtheiten ist mir beim Sehen des Films auch gleich aufgefallen, jedoch tatsächlich nicht die sehr offensichtliche Spontanheilung des Fuß-/Bein-/Knöchelbruchs. Damit löst du in mir aus, dass ich den Film gerne gleich nochmal anschauen und zum Ende vorspulen möchte. Wird da tatsächlich gar nicht mehr gehumpelt?

In solchen Momenten stelle ich fest, dass ich wohl eine sehr gefällige Filmanschauerin bin und mich von dem Grundgefühl eines Films gut tragen lassen kann.

Danke für diese Erkenntnis. :)

Avatar von Simon M. Jahr

Vielleicht bin ich auch zu undankbar. Wer weiß das schon? 😅