Vor zwei Wochen habt ihr hier Viktoria gelesen, jetzt müsst ihr wieder mit mir auskommen. Nach meinem Dänemark-Urlaub sind die Akkus aufgeladen. Das Meer tut etwas mit mir, das ich nicht ganz fassen kann. Ich weiß nicht, ob es der permanente Wind ist, den ich an meinem Körper spüre, die Art, wie die Luft riecht, oder die Geräusche der Wellen. Doch das ist es, was ich wahrnehme, während sich bei mir die Akkus aufladen. Da muss es nicht einmal das warme Südmeer sein. Da gehen Schleswig-Holsteins Küsten genauso gut wie das Gefühl von Einsamkeit auf Rømø.
Im Urlaub habe ich die vielen Regenepisoden genutzt, um mich mal wieder durch ein paar Bücher zu fressen.
Das hat Spaß gemacht. Die nächsten Wochen werdet ihr immer wieder etwas dazu bekommen, da ich auch mal wieder längere Texte geschrieben habe.
Den Anfang macht ein Thriller-Großmeister. John Grisham kennt man, unter anderem natürlich von den Verfilmungen. Ich habe jetzt zuletzt Die Legende gelesen, welche die Taschenbuchvariante des dritten Buchs aus der Camino Island-Reihe ist. Günstigerweise hat er alle Bände so geschrieben, dass sie gelesen werden können, auch wenn dir ein anderer Band unbekannt ist. Ich empfehle dir jedoch, die vorherigen Teile auch zu lesen, da es sich hierbei um angenehm leichte Thriller mit einer charmanten Hauptfigur handelt. Zentraler Angelpunkt ist der Buchhändler Bruce Cable mit seinem Buchladen auf Camino Island.
Auf Camino Island sitzt Buchhändler Bruce Cable sonst wie eine Spinne im Netz, doch diesmal tritt er einen Schritt zurück. Im Zentrum steht stattdessen Lovely Jackson, eine über achtzigjährige Frau, deren Präsenz den ganzen dritten Band trägt. Erstmals in der Reihe macht Grisham einen Rechtsstreit zur Haupthandlung und kehrt damit zu seinen alten Anwaltsthriller-Wurzeln zurück: klein gegen groß, es geht um das Erbe einer Insel. Dazwischen erzählt er, wie Menschen einst nach Dark Isle verschleppt wurden, schonungslos und in einem ganz anderen Ton als die beiden Bände zuvor. Dass ein weißer Autor hier eine schwarze Hauptfigur und ihre Geschichte schreibt, wirft Fragen auf, die das Buch selbst nicht beantwortet. Wie viel davon am Ende durch welche Brille erzählt wird, ist ein Gedanke, der seit der letzten Seite bei mir hängengeblieben ist.
Ich sage euch, Urlaub ohne Fernsehen ist eine verrückt tolle Sache. Wir haben das MacBook zweimal aufgeklappt, um auf Sky Go die beiden FC St Pauli Spiele zu sehen (Niederlage gegen Kaiserslautern, Unentschieden gegen Bielefeld).
Den dänischen Fernseher haben wir nur etwa 15 Minuten jeweils angeschaltet, um Videos von Gabi Fastner laufen zu haben. Ich sage euch, ihre Nacken-Videos sind der Hit (auch wenn man mitmacht). Zusätzlich hat sie nicht diese überbordende Energie von anderen Fitnessmenschen auf YouTube, die mich sonst abschreckt.
Ansonsten freue ich mich, meine Serien wieder- und weiterzusehen. Die aktuelle (und Abschieds‑)Staffel Strange New Worlds läuft. Zusätzlich liegt der neue Reacher bereit und von der Feelgood-Serie Ted Lasso schauen wir gerade noch die dritte Staffel zum bestimmt dritten Mal, bevor es bei uns mit der vierten Staffel losgeht. Zu allem werdet ihr sicher noch etwas lesen später.
Nach dem Urlaub ist vor dem Reeperbahn-Festival. Heute, an dem Tag, an dem dieser Newsletter erscheint, geht es wieder los. Seit dem Corona-Jahr 2020 war ich immer alle vier Tage mit Ticket vor Ort und habe mich durch die Stadt treiben lassen. Das RBF ist immer eine ganz besondere Erfahrung und das einzige Festival, bei dem ich gerne am Start bin.
Das Besondere? Es findet auf und im Umfeld der Reeperbahn in vielen Hamburger Klubs statt. Du kannst von einem Konzert zum anderen fließen. Gefällt dir etwas nicht, dann ziehst du weiter.
Wir haben die letzten Jahre dort immer großartige Künstler*innen entdeckt. Immer die Eröffnungsshow gesehen. Dieses Jahr sind wir nur am Mittwoch und am Freitag dabei, ohne Ticket. Denn das Reeperbahn-Festival ist besonders. Das Festival-Village und die Bühnen am Spielbudenplatz sind kostenlos hörbar.
Am Freitag um 20 Uhr könntet ihr mich vor der Akustik-Bühne treffen. Dort werde ich mir die Sängerin Robine anhören.
Robine macht Soul-Pop und hat sich damit direkt in mein Herz gesungen. Sie stammt ursprünglich aus den Niederlanden und hat sich in Hamburg als Wahlheimat niedergelassen. Zweiter Bonuspunkt.
Ich freue mich darauf, sie ausgerechnet auf der Akustik-Bühne hören zu können, da ich überzeugt bin, dass Akustik-Sets immer ein ganz besonderes Erlebnis bieten. Sollte mir das gefallen, bin ich ziemlich sicher auch bei ihrer Tour dabei, in der sie in Hamburg den Kent Club bespielt.
Letztes Jahr habe ich übrigens auf der Akustik-Bühne des MoPOP-Busses die Rapperin Spilif das erste Mal live gesehen, begleitet ausschließlich von einer Gitarre. Ihr jazziger, smoother Sound erinnert mich an die vergangenen Tage des Raps, ihre klugen Texte an eine gleiche Zukunft.
Das Konzert im Kaiser-Keller im letzten Jahr war ebenso wundervoll. Großartige Musik und eine Band, bei der durchgehend klar war, dass sie gute Laune hat. Vielleicht liebe ich einfach handgemachte Rap-Musik mit klugen Texten. Tetris und Rap ist von ihrem ersten “Vollalbum” das für mich am meisten.
Ein weiterer Hörtipp ist definitiv der Song Nazaré, der definitiv zu den meistgespielten Songs von ihr gehört und deswegen hier nicht verlinkt wird. Hört einfach Spilif! Von oben bis unten.
Hier auf Substack gibt es einige Konten, die ich als Wal bezeichnen möchte. Nicht weil sie so groß sind, sondern weil sie groß sein sollten und eine andere Eigenschaft mit einem Wal teilen. Sie tauchen lange unter Wasser, verschwinden, kommen wieder, lassen ein paar Likes und Antworten da, tauchen ab und als Nächstes taucht ein guter Artikel auf, bevor sie wieder unter der Oberfläche verschwinden.
Diese Konten haben es schwer, auf Substack zu wachsen. Sie werden einfach nicht gesehen. Gilda Giebel ist eine Person, die in meiner Wahrnehmung so ein Konto hat. Dabei könnte Gilda hier eine große Nummer sein. Ihre Texte sind nicht besonders lang, doch sie geben mir Einsichten, die mich beunruhigen und interessieren zugleich.
Sie selbst schreibt in ihrem Profil über sich:
Forensische Psychologin mit Erfahrung in der Arbeit mit Gewalt- und Sexualstraftätern. Ich schreibe über Anziehung, Macht und Beziehungsmuster, die sich erst richtig anfühlen und sich später als destruktiv herausstellen.
Und dabei unterschlägt sie, dass sie im Gegensatz zu den meisten von uns, bereits ein Buch herausgebracht hat. Darin schreibt sie über ihre Erfahrungen in der Sicherheitsverwahrung, in der sie gearbeitet hat. Oder etwa, dass sie in der ARD CrimeTime als Expertin dabei ist.
Ihr neues Buch bewirbt sie hier nicht laut. Es kommt ein normaler Beitrag, der sich wieder sehr gut liest, und plötzlich kommt sie da auf ihr Buch zu sprechen, das am 28. September diesen Jahres erscheint.
Der Titel “Das Böse im Mann” setzt auf jeden Fall bereits einen Ton. Und die Beschreibung macht nur noch neugieriger:
Viele Frauen kennen dieses Gefühl: Sie sehnen sich nach einem liebevollen Partner, der sie respektiert. Doch fühlen sie sich von Männern angezogen, die unnahbar wirken oder sogar gefährlich sind. Diese widersprüchlichen Impulse sind kein Zeichen von Schwäche oder Unentschlossenheit, sondern Ausdruck innerer Dynamiken, die tief in der Biografie und psychischen Struktur verwurzelt sind.
Warum fühlt sich Gefahr wie Leidenschaft an? Und warum ist es so schwer, jemanden loszulassen, der verletzt? Die Psychologin Gilda Giebel erklärt, wie aus Sehnsucht emotionale Abhängigkeit und reale Gefahr werden kann.
Schaut doch mal vorbei bei Gilda und vielleicht direkt auch mal in ihr Buch. Ich freue mich auf jeden Fall, bereits reinzulesen, wenn es Ende September erscheint.
Einiges ist bei mir liegengeblieben. Etwa die Frage, aus welchem Grund ich bei Tischreservierungen in Dänemark angeben kann, ob der Tisch eine Flagge haben soll. Ich habe es übrigens einmal gemacht und einen niedlichen Flaggenmast aus Keramik auf den Tisch gestellt bekommen.
Nachdem ich auch Girlanden und anderes Partymaterial in Form der Flagge im Supermarkt gesehen habe, habe ich gelernt, dass die Dänen die Flagge einfach zum alltäglichen Schmücken nutzen. Irgendwie finde ich das, auch wenn ich zu meiner eigenen Flagge ein komisches Verhältnis habe, ziemlich nett.
Ach, ich vermisse die Dänen mit ihren Besonderheiten und flauschigen Eigenarten bereits jetzt. Man kann sich im Urlaub in Landschaften und Orte verlieben, aber welche Menschen aus welchem Land habt ihr das letzte Mal nach eurem Urlaub so richtig vermisst und warum?














Bitte wie cute, dass du Gilda Giebel oder eben generell Substacker empfiehlst. Sehr wertschätzend. Das mit der Tischreservierung und den Fahnen ist ja komisch. Ich stelle mir das bei uns in Österreich gerade vor und weiß nicht recht. 😅