Als ich hier auf Substack anfing, habe ich festgestellt, dass es eine Vielzahl verschiedener Accounts gibt. Da sind solche, die verkaufen, solche, die einfach erzählen, solche, die jeden Tag anders sind. Es gibt jedoch auch solche, zu denen du hochschaust und denkst: Wow, wenn ich einmal groß bin, möchte ich auch so cool sein.
Viktoria Vokrri’s Profil war so eines. Allein schon der Name Zu Spät für den Hype hat mich direkt ins Herz getroffen. Ich gehörte auf jeden Fall nicht zu den Leuten, die immer vor der Welle oder auch nur dem Kamm der Welle lagen. Erst später lernte ich, dass dieser coole Name entstand, als sie aus zwei Publikationen eine machen wollte.
Ihre ersten Posts stellte sie hier auf Substack, direkt in deutscher Sprache, im April 2025, damit ein gutes Jahr vor mir, online. Und schon frage ich mich, wie kann jemand, der aus meiner Perspektive so früh auf Substack war, überhaupt zu spät für irgendeinen Hype sein? Das ist doch eine Pionierin!
Ich kann dir nur empfehlen: Lies diesen Newsletter, und wenn du danach nicht bei Viktoria vorbeischauen willst, dann weiß ich auch nicht.
Ab hier nur noch Viktoria.
Bis später,
dein Kay
Wer in der deutschsprachigen Substack-Community unterwegs ist, kommt am lieben Kay nicht vorbei – und aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass man das auch gar nicht möchte. In meinem Feed ist er eine angenehm bedachte, unterstützende und aufmerksame Stimme. Darum hat es mich umso mehr gefreut, als er mich fragte, ob ich in einem Gastbeitrag bei ihm hängen bleiben möchte. Nur zu gerne, lieber Kay, und los geht's!
Im August habe ich zwei Bücher gelesen, die es mir besonders angetan haben. Das erste ist „Mitz, das Pinseläffchen‟ von Sigrid Nunez. Entdeckt habe ich es auf dem Bücher-Substack von Hanna und Katharina. Beschrieben wird es als biografische Geschichte des Verleger- und Autoren-Paares Virginia und Leonard Woolf, die das Pinseläffchen Mitz Anfang des 20. Jahrhunderts bei sich aufnahmen.
Die Geschichte basiert auf realen Briefen der beiden und auch das Tier hat es wirklich gegeben. Für mich war die Geschichte um Mitz süß erzählt, aber das eigentlich Spannende war der Einblick in das tägliche Leben und Schreiben von Virginia Woolf. Statt es einfach auszulesen, hat mir dieses Buch mehr Lust für weitere Bücher der Autorin angelesen.
Das zweite Buch war mehr mit einer Herkulesaufgabe zu vergleichen als mit einer unterhaltsamen Inspirationsquelle. Schon das Vorwort bereitete mir Tantalusqualen, während sich die Lektüre am Ende der Reise als trojanisches Pferd herausstellte. Na, schon darauf gekommen?
Genau, ich habe Homers Odyssee gelesen, übersetzt von Emily Wilson. Anfang August kamen Freunde auf die Idee, erst die tausende Jahre alte Geschichte zu lesen, bevor wir gemeinsam den Christopher-Nolan-Film im Kino ansehen. Klingt ein bisschen elitär und snobistisch? War es am Ende auch. Denn ganz klischeehaft gefiel mir das Buch besser als der Film!
Es gibt das Vorurteil, dass eine Buchvorlage IMMER besser sei als die Verfilmung. Im Fall der Odyssee habe ich zwei sehr subjektive Argumente dafür – und sie haben nichts mit den in Kritiken oft als schwach betitelten Frauenrollen zu tun.
Was das Buch für mich spannender macht als den Film?
Odysseus war im Original ein Held der Antike – nicht aus Hollywood: Ein Held hatte im alten Griechenland nichts mit unseren modernen Ansprüchen von Moral oder Charakterentwicklung zu tun. Ein Held zu sein bedeutete einfach, ein Mensch von besonderen Fähigkeiten gewesen zu sein, wegen derer die Götter einen als besonders betrachteten. Das steht auch so als Kontext im Vorwort von Emily Wilson. Das war für meine modern sozialisierten Lesegewohnheiten eine interessante Abwechslung, die mir die Antike nähergebracht hat! Im Film ist Odysseus dagegen wieder der reumütig moderne Hollywood-Held, der seine Läuterung erfährt und Verantwortung für seine Taten übernimmt. Nett, aber spätestens nach Stunde zwei wurde mir ein bisschen langweilig im Kino.
Ich bin kein Fan davon, wenn mir Meta-Ebenen ins Gesicht geschrien werden – VORSICHT, SPOILER! –
Konkret geht es mir hier um das Ende des Films. Im letzten Dialog zwischen Odysseus und seiner Frau Penelope wissen die beiden nicht nur, in welcher Epoche sie leben und welchen Namen diese in den Geschichtsbüchern tragen wird (Bronzezeit), der geläuterte Odysseus sieht sogar ihr Ende und den Grund dafür voraus. Netter Twist, aber musste das wirklich drei Mal betont werden? Vermutlich ja. Damit beim späteren Streamen auf Netflix auch die letzte Person, die am Handy hängt, das Fazit des Films versteht.
An sich sind das pingelige Punkte, die den Film als Ganzes keinesfalls schlecht machen. Aber für mich war das Buch wie eine kleine Reise in die uns fremde Erzählkultur und die Moral der Antike. Etwas, das der Film nicht den Anspruch hatte, zu repräsentieren, aber das mich persönlich am Ende besser unterhalten hat als die moderne Interpretation.
Und im Großen und Ganzen stimme ich Kay in seiner Rezension hier zu The Odyssey zu:
Bisher war die Geschichte eine, die fragte, was passiert, wenn aus Erfolg Hybris wird. Jetzt wird gefragt, was passiert, wenn wir unsere Menschlichkeit verlieren. Nolan hat dazu wenige Eingriffe in die Geschichte gemacht, die aus meiner Sicht moderner sind und damit auch eine Linie zur aktuellen Zeit ziehen lassen.
Aber: Das Buch ist für mich einfach besser!
Immer wenn der August sich dem Ende zuneigt, setzt bei mir die süße Herbstnostalgie ein. Das sicherste Zeichen dafür ist, dass ich wieder anfange, Lana del Rey zu hören. Hier einer meiner Lieblingssongs der Sängerin: West Coast
Und falls ihr noch einmal einen kleinen Urlaub am Strand im September geplant habt, ist ja vielleicht High by the Beach etwas für euch. Aber immer daran denken: Keine Macht den Drogen. Alle Macht der Kunst.
In meinem eigenen Substack „Zu spät für den Hype” schreibe ich zweimal im Monat über Bücher, digitale Hypes und immer ein bisschen verspätet über Popkultur – vor allem aber beschäftigt mich, wie wir trotz Algorithmen und vollen Kalendern mit uns selbst und unseren Mitmenschen verbunden bleiben.
Hier drei Texte, um mich hier auf Substack ein bisschen besser kennenzulernen:
Mein größter Horror? Mich selbst „vermarkten‟, die Halloween Edition
Mein letzter „What the Hype‟-Newsletter, in dem ich mir die Frage stellte: Werden Bücher zur neuen Birkin Bag?
Und mein aktuell neuestes Projekt als Buchliebhaberin:
Schaut doch gerne mal bei „Zu spät für den Hype‟ vorbei – oder probiert unsere Buchclub-App Quillt aus. Sie ist für Freunde und Bekannte gedacht, die zeitlich oder räumlich nicht dazu in der Lage sind, sich regelmäßig zu treffen, aber dennoch gemeinsam Bücher diskutieren wollen (inklusive eingebautem Spoilerschutz).
Anfang August in Nordspanien. Nachdem wir uns in San Sebastián durch die bestbewerteten Cheesecake-Läden geschlemmt haben, schliefen wir am Stadtstrand unseren Zuckerrausch im Sonnenuntergang aus.
Empfehlen kann ich den baskischen Käsekuchen absolut jedem, wenn er denn gut ist. Im Übrigen bin ich auch hier schon wieder zu spät für einen Hype.
Denn wie die SZ bereits im Februar schreibt, befindet sich der „Burnt Cheesecake” bereits seit über vier Jahren auf einem Siegeszug durch die Kuchentheken und verdrängt vermehrt den deutschen Käsekuchen sowie den New York Cheesecake mit seinem karamellfarbenen Äußeren und dem überraschend cremigen Kern. Für mich sind alle Cheesecakes beautiful, aber dieser ist schon ein besonderer Leckerbissen!












