Dieses Jahr wird Steven Spielberg 80 Jahre alt. Mit diesem Alter ist er im Prinzip mein persönlicher Märchenopa, der mich bereits mein ganzes Leben begleitet. Egal ob Abenteuer mit Indiana Jones oder Wichtiges aus der Geschichte wie Schindlers Liste er hat es mir erzählt. Und vielleicht waren seine Science-Fiction-Filme nicht die, die am herausragendsten waren, doch es waren die, bei denen ich ihm am liebsten zugehört habe.
Meine Freude war also entsprechend groß, als ich mitbekam, dass mit Disclosure Day noch einmal ein Film aus diesem Genre auf die große Leinwand kommen soll. Ein besonderer Nachmittag, für den ich mich in das Hamburger Kino der Luxuskette Astor aufmachte.
Daniel Kellner ist Cybersecurity-Experte und hat Geheimnisse gestohlen, die er eigentlich verbergen sollte: Beweise für außerirdisches Leben, jahrzehntelang unter Verschluss gehalten. Auf der Flucht vor einem mächtigen Konzern sucht er nach einem Weg, die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen. Gleichzeitig erlebt die Fernsehmoderatorin Margaret Fairchild live auf Sendung Phänomene, für die sie keine Erklärung hat.
In der UFO-Community gibt es in der realen Welt schon lange die Hoffnung auf einen Disclosure Day. Zuletzt wurde dieser befeuert, als der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten einen Schwung Dokumente in dieser Richtung veröffentlichte, die so richtig mal wieder niemanden weiter brachten.
Spielberg erschafft in diesem Kontext für uns einen Film, der wenig Unvorhersehbares bietet und hauptsächlich aus einer Jagd quer durch die USA besteht. Wie kann es sein, dass der Film, bei dem nahezu alles klar ist und die wenigen Fragen, die ich als Zuschauer habe, offen bleiben, mich trotzdem mit einem so guten Gefühl zurücklässt? Vielleicht, weil ich einfach Spielbergs-Erzählweise gewohnt bin. Denn er schreit mich nicht laut an mit schnellen Schnitten und lässt die Figuren nicht die Handlung aufsagen. Kino sieht immer noch nach Kino aus.
Einzige Ausnahme bilden da für mich die Tieranimationen, die bereits im Kino wie ein Fremdkörper aussahen. Und das von dem Menschen, der mit Jurassic Park einen Animationsmeilenstein geschaffen hat. Doch dort standen die Dinosaurier im Mittelpunkt, hier tun es die Tiere nicht. Sie sind lediglich eine Randerscheinung. Wirklich wichtig sind nicht einmal die Außerirdischen, sondern wir Menschen.
Und so sehen wir guten Schauspielern dabei zu, wie sie auf das Finale hinsteuern, das die Welt gerade gebrauchen könnte. Es ist nicht laut, sondern leise. Und hat mich vielleicht deswegen so ergriffen.
Disclosure Day wird keiner der Meilensteine auf der Liste von Steven Spielbergs Filmen, keiner, den wir dreißig Jahre später noch besprechen. Vielleicht nicht einmal zehn. Doch hier und heute gibt uns Spielberg die Frage auf: Wiegt es schwerer, die Wahrheit verfügbar zu machen, als die Konsequenz daraus? Stürzt die Welt ins Chaos oder wäre das Wissen um außerirdisches Leben ein weltvereinigendes Ereignis?
Spielberg weiß, wie er diese Frage beantwortet, und ich mag, was das über seine Sicht auf die Welt aussagt.



