12 Kommentare
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Avatar von Anna Olsen

Da gibt es einige Gemeinsamkeiten: mein Lieblingsauto war mein weißer BMW 316 (Bj. 89) mit 185er Schlappen. Das einzig elektrische war die Antenne, das Dach war noch mit Kurbel. Ich liebte ihn. Mein Mann ist auch aus Schleswig-Holstein und hat mich viel in Berlin besucht. Jetzt wohnen wir beide hier und haben kein Auto mehr, aber eine 250er Vespa in schwarz. Wir düsen heute noch gern durch die Stadt - besonders abends im Sommer, wenn die Lichter angehn.

Avatar von Kay Puppa

Oh mit einer Vespa durch die Stadt düsen... da geht mir direkt das Herz auf :)

Avatar von Take One Weekly

Lieber Kay,

ich habe mir deinen Text vorlesen lassen und finde, du hast das ganz toll gemacht und eine sehr angenehme Vorleserstimme. (Ich liebe Podcasts)

Ich komme aus einer Autoliebhaberfamilie. der Volvo V70 war der große Stolz meines Vaters und es wurde nie die Frage erhoben, jemals mit dem Zug zu reisen. ich selber habe zu meinem 18. Geburtstag einen Ford Fiesta bekommen, obwohl wir in Berlin gelebt haben. Ein Auto gehörte eben zum Erwachsensein. Für mich war das immer der pure Luxus, entscheiden zu können, ob ich in vollgestopfte U-Bahnen steige oder entspannt meine Lieblingsplaylist höre und mich über den Verkehr aufregen kann, ohne dass es jemand mitbekommt. als dann dieses Auto keinen tüv mehr bekam, war das die Zeit, wo Carsharing boombte. die Idee von: Ich kann nüchtern zur Bar und betrunken mit dem Taxi zurück, ohne mir jemals wieder Gedanken um das geparkte Auto zu machen, ist ein toller! ist es eine Generationsfrage? die Alternative, die Zugromantik, ist ja leider nicht wirklich realistisch, aufgrund, wie du schon erwähnst, der Preise, der Verspätungen, ich würde gerne noch erwähnen, wie voll Züge werden können ... aber wir finden sie in Filmen und büchern, also vielleicht gibt es hoffnung... danke für deinen austausch :)

Avatar von Kay Puppa

Danke dir erst einmal für dein Feedback für das Audio. Freue mich besonders, explizit dazu etwas zu hören. :)

Der Volvo V70 ist Legendär. Ich sehe Regelmäßig noch einen schönen, top gepflegten Schwarzen bei einem Freund der Familie. Über 30 Jahre alt und nicht von der Straße zu bekommen.

Ich sehe es ähnlich wie du, es ist ein Generationending. Wobei es bei dir auch den Schubs gebraucht hat, dass dein Auto den Geist aufgegeben hat. :) Doch der Schritt war dadurch sicher leichter.

Danke dir fürs Teilen. Ich hoffe du schaust mal wieder rein :)

Avatar von Simon M. Jahr

Erstaunlich, ich bin selbst kein großer Autoliebhaber, bin da eher wie deine Partnerin. Aber so beschrieben, habe ich das Freiheitsgefühl trotzdem gespürt.

Bei mir kam die Umstellung auf Öffis von außen, als die Dienstwagen abgeschafft wurden. Jetzt nehme ich nur noch hin und wieder, aber immer sehr gerne, den Nissan Note von meinen Eltern.

Avatar von Kay Puppa

Das ist ja auch schon eine Form von Carsharing. Zu dritt ein Auto teilen, ist ein Schritt weiter als viele andere Haushalte. :)

Avatar von Atem Herz Natur

Ich habe den Artikel etwas spät entdeckt. Für mich ist das ein schwieriges Thema.

Deine Geschichten zu deinen Autos fand ich richtig unterhaltsam, wobei es mir enorm leidtut, dass du regelmäßig einen Einweihungsbums erleben musstest. Ich habe so etwas ähnliches mit teuren Geräten Zuhause.

Du schreibst, "man kann sich das heute kaum noch vorstellen, wie unbezahlbar Flüge in den 90er Jahren waren. Für einen Großteil der Familien war das nicht annähernd im Budget.", aber meine Eltern haben nie so wirklich gut verdient, trotzdem sind wir mal auf die Kanaren geflogen. Mein Mann und ich können das unseren Kindern bisher nicht ermöglichen. Bezogen auf Umweltbelastung ist eine Flugreise natürlich auch kein Gewinn zum Auto. Fliegen ist und bleibt sehr teuer, aber auch sehr umweltunfreundlich. Außerdem hat die Urlaubsreise mit dem Auto den Vorteil, dass man vor Ort mobil ist. Zur Flugreise noch ein Auto mieten geht gut ins Geld und Öffis in anderen Länden können herausfordernd sein (auf andere Art als hier).

Ganz ganz schwer tue ich mich mit Aussagen wie "ein Zeichen dafür, dass wir noch nicht so richtig weit gekommen sind im Umdenken unserer Gesellschaft, was das Thema öffentlicher Transport angeht." Ich kriege Zahn-Kopf-Bauchweh, wenn Menschen freudig schreiben, man müsse "umdenken", das Denken beeinflussen ist so Orwells 1984. Ich möchte meine eigenen Gedanken, Wünsche, Vorstellungen haben dürfen.

Ich finde es völlig legitim, wenn Menschen das Auto nicht so wichtig finden, ohne klar kommen, usw. Aber ich mag diese moralische Überlegenheit und diese Selbstverständlichkeit dabei nicht.

Deutsche Autofahrer tragen 0,3-0,4% des CO2-Ausstoßes der Welt bei...

Ich ganz persönlich finde öffentliche Verkehrsmittel absolut grauenvoll, ich könnte viele Gründe nennen, aber ich bleibe bei diesem: mich überreizt es einfach, ich habe dadurch enormen Stress. Was du über Autofahrten in Urlaube oÄ beschreibst, ist für mich eine Reise mit öffentliche Verkehrsmitteln. Auch zu CarSharing habe ich eine eigene Geschichte, die ich jetzt mal nicht ausbreite.

Ich möchte dem aber gar keine Wertung geben, also behaupten, ich mache etwas besser, ich möchte nur darauf hinweisen, dass ich nicht "umdenken" müssen will und mir wünschen würde, wir würden diese Formulierung ablegen. Vieles, das dahinter steckt, ist nicht unbedingt sinnvoll. Der CO2-Ausstoß eines neuen Autos ist durch die Produktion höher als jeder alte Karren, der noch genutzt wird. Elektromotoren brauchen seltene Erden, die von Kinderhänden gewonnen werden, eine neue Heizungsanlage ist wie ein neues Auto sehr lange produktionsbedingt kein Gewinn, Hausdämmung, Windräder, Solaranlagen, all das ist in einigen Jahren/Jahrzehnten fürchterlicher Sondermüll für den es dann keine Lösung gibt.

Natürlich sind deswegen nicht alle Ideen schlecht, aber vieles wird über's Knie gebrochen, nicht zu Ende gedacht und moralisch derart aufgeladen, dass keine Gespräche stattfinden können.

Für mich ist Autofahren tatsächlich eine Freiheit, es gibt mir Zeit, es gibt mir eine Komfortzone, wenn ich wohin möchte, die mein Nervensystem braucht.

Ich rede aber niemandem rein, der stattdessen Lastenrad und Bus fährt, aber ich würde mir so sehr wünschen, dass wir einander wieder mehr Raum für eigene Entscheidungen geben, statt "umdenken" zu pushen und zu erklären, warum doch für jeden andere Wege "besser" seien.

Ich hoffe, ich greife dich damit jetzt nicht hart an, genau das möchte ich nicht, aber ich möchte aufzeigen, dass der Gewinn, sein Auto aufzugeben, nicht unbedingt so groß ist, wie dargestellt und dass nicht alle umsteigen müssen (oder können, wie sollte das zu stemmen sein, wenn morgen niemand mehr ein Auto hätte?) oder dass es moralisch falsch ist, sein Auto als Form der Freiheit zu sehen. Es muss nicht jedermanns Freiheit sein, auch ich kenne viele Menschen, die inzwischen komplett auf's Auto verzichten. Ich könnte und möchte es aber nicht und finde es nicht in Ordnung, wie massiv gegen das Auto Politik gemacht wird. Denn wie gesagt 0,3-0,4% des weltweiten CO2-Austausches macht das Auto. Ja, die weltweite politische Lage wird womöglich einiges verändern müssen und auch ich wünsche mir weniger fossile Brennstoffe, einfach weil sie endlich sind und Teil der Natur, aber teuer ist es vor allem, weil Journalisten und Politiker (Steuern auf Steuern) und damit viele weitere Menschen glauben, dass die Welt besser wäre, wenn der Deutsche kein eigenes Auto mehr hat. Ich sehe aber bisher nichts, dass das bestätigt.

Avatar von Kay Puppa

Hallo!

Zunächst einmal vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, so viel zu dem Text zu schreiben und viel zu teilen von dem, was dich dazu bewegt. Das finde ich wirklich großartig.

Ich möchte ich sagen, dass ich das Extrembeispiel „Morgen darf keiner Autofahren" hart finde. Es ist, wie du selbst schreibst, unrealistisch und war auch nicht das, was ich gefordert habe, bzw. mit der Passage fordern wollte. Auch ging es mir nicht darum, vorhandene Autos „wegzuschmeißen". Das würde dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen, wie du selbst schreibst.

Aus deiner Nachricht kann ich nachvollziehen, dass „Umdenken" bei dir als Bevormundung ankommt. Hier habe ich anscheinend schwach formuliert. Nehme das Wort vielleicht auch einfach anders wahr. Denn Umdenken ist auch ein Prozess, der in mir selbst stattfinden kann, wenn ich die Optionen zum Entscheiden habe. Nur weil das Elektroauto z. B. nicht perfekt ist, sollte es nicht vom Tisch, weil es besser ist, weiter zu verbrennen (die Endlichkeit des Rohstoffes führst du auch selbst an). Sollten wir als Menschheit eine bessere Alternative finden, sollte die gepusht werden. Doch nur weil man die absolute Lösung bisher nicht hat, sollten wir nicht den Zwischenschritt auslassen.

Bezüglich deiner 0,4 % möchte ich sagen, dass das ein Spin ist, den du wiederum der anderen Stelle der Presse vorwirfst. Die 0,4 % klingen klein, sind aber im Verhältnis zur deutschen Bevölkerung überproportional, das Argument bestätigt sich also eher. Auch hier gilt für mich: Jede Tonne CO2, die wir weniger emittieren, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Am Ende möchte ich auch im Text niemandem etwas wegnehmen. Ich könnte mit deinem Ansatz, eigene Entscheidungen zu treffen, hervorragend leben, wenn wir Menschen als Gesellschaft mehr ermöglichen, selbst gute Entscheidungen treffen zu können. Im Text schrieb ich auch, dass es oft nicht wirtschaftlich ist, mit der Bahn zu reisen. Gleiches gilt für den ÖPNV, der ständiges Aushandeln zwischen Zeit, Geld und Planungsautonomie ist. Zusätzlich wird das Auto oder etwas Ähnliches in ländlichen Regionen vielleicht nie wegzudenken sein. Anders als in der Stadt.

Hinzu kommen Bedürfnisse wie deine. Dass das eigene Auto für manche Menschen aus ganz persönlichen Gründen unverzichtbar ist, hat der Text vielleicht zu wenig berücksichtigt. Doch auch hier gilt: Wir müssen nicht nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip arbeiten, jede eingesparte Tonne ist eine gute Tonne.

Wir leben in einer Welt von ganz vielen Zwischenschritten und das ist okay.

Avatar von Atem Herz Natur

Danke für deine ausführliche Antwort!! Das bedeutet mir viel, so entsteht Dialog.

Zunächst möchte ich sagen, ein Text sollte keineswegs jede Perspektive berücksichtigen. Ich finde es wichtig, dass jeder hier sich einfach so wie er ist, Dinge von der Seele schreiben kann. Du hättest also nichts anders formulieren müssen. Es waren deine Gedanken, deine Realität und die ist völlig legitim so.

Der Begriff "Umdenken" ist mir tatsächlich ein Dorn im Auge, man liest es überall und wie geschrieben, es ist mir zu 1984, dass meine Gedanken geändert werden sollten.

Danke für diesen respektvollen Austausch! 💚

Grundsätzlich stimmen wir ja überein, dass wir die Natur schützen wollen, darauf kommt es an.

Avatar von Winnie

Beim Lesen musste ich an mein erstes Auto denken. Ein alter Opel Kadett, schon ein bisschen schrottig, wie das Anfang der 1980iger Jahre bei alten Autos war. Das Freiheitsgefühl war unendlich.

Heute bin ich gehbehindert und möchte mein Auto vor der Tür nicht missen.

Es gibt also auch noch Gründe ein Auto zu haben, zumal außerhalb der Stadt die Wege zu den Öffentlichen weiter sind.

Avatar von Julian Stiller

Verstehe ich nicht. Ich habe drei Autos und suche grade mein viertes (Saab 900 Cabrio).

Avatar von Kay Puppa

Hallo Julian,

das du das nicht verstehst kann ich nachvollziehen. Der Saab 900 Cabrio outet dich, neben der Anzahl der Autos, als Liebhaber.

Die fallen aus dem typischen Raster ;)