Mein erstes motorisiertes Gefährt kaufte ich mit sechzehn Jahren. Eine Vespa ET2 in Schwarz mit braunen Sitzen. Ein großartiges Ding. Nicht nur, weil sie noch fünf km/h schneller war, als die neue 45-km/h-Beschränkung es zuließ, sondern weil ich mich dadurch wie ein Rebell fühlte. Dabei kam ich zum Roller aus ganz erwachsenen Gründen. Er sollte mich schnell zu meiner Ausbildungsstelle in den nächsten Ort bringen. Zu dieser Zeit fühlte sich das für mich wie eine Weltreise an. In Wahrheit waren es nur etwas mehr als dreißig Minuten und damit doppelt so lange wie mit der Vespa benötigte. Doch das war mir egal und ich schnupperte das erste Mal am Geruch der Freiheit.
Warum setzen wir eigentlich in Deutschland Motorisierung, vor allem das Auto, mit Freiheit gleich? Habe ich doch auch ohne Auto alle möglichen Freiheiten. Mit der Bahn oder dem Flugzeug komme ich eigentlich sogar in der Regel entspannter und sicherer an. Wenn ich mich daran erinnere, wie meine Eltern mit mir in den Urlaub gefahren sind, dann bedeutete diese Freiheit mindestens fünfzehn Stunden nonstop Autofahren, bis wir in der Nähe von Venedig waren. Heute wäre das für mich undenkbar. Allerdings muss ich auch sagen, dass Geld natürlich ein großer Faktor war. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, wie unbezahlbar Flüge in den 90er Jahren waren. Für einen Großteil der Familien war das nicht annähernd im Budget.
Das Auto stellte für die Generation meiner Eltern und Großeltern also mehr als nur Bewegungsfreiheit dar. Klar war ein Auto immer noch ein Luxusgegenstand, doch wenn man reisen wollte, war es erheblich erschwinglicher als mit den üblichen Reiseverkehrsmitteln. Erst durch die letzte Preisexplosion bei Kraftstoffen im Frühjahr 2026 wird Reisen mit der Bahn zu zweit unter Umständen günstiger, als mit dem Auto. Erschreckend. Und ein Zeichen dafür, dass wir noch nicht so richtig weit gekommen sind im Umdenken unserer Gesellschaft, was das Thema öffentlicher Transport angeht. Dieser sollte erheblich günstiger sein als mit dem Auto, um entsprechende Anreize zu bieten.
Ich hatte von klein auf gelernt, dass Autos die Freiheit auf vier Rädern waren. Das musste dann auch für zweirädrige Maschinen gelten, oder? Also machte ich mich auf zu meinem ersten Abenteuer. Ich schnallte den Rucksack mit Klamotten auf den Rücken und machte das Helmfach voll mit Smirnoff Ice, einem zuckrigen Mixgetränk, das damals in Mode war, und machte mich auf in Richtung eines Örtchens, das etwas rechts von Neumünster liegt. Eine Strecke, die meine Eltern mich viele Jahre an den Wochenenden gefahren hatten, da mein damals bester Freund mit seiner Familie dorthin gezogen war. Dann dauerte die Strecke allerdings nur etwa fünfundvierzig Minuten. Ich hingegen benötigte etwa zwei Stunden und war völlig geschafft, als ich dort ankam. Ich konnte natürlich nur Landstraßen und andere Schleichwege nehmen. Ein Smartphone mit Karten oder ein Navigationsgerät, das man auf Rollern benutzen konnte, gab es damals noch nicht. Ich musste mich also auf die Schleswig-Holstein-Karte und die Beschilderungen verlassen. Zusätzlich anstrengend war das ständige Überholtwerden. Ich musste viel rechts fahren, was bei Landstraßen bedeutet, immer nah am Graben zu sein. Für meine Maßstäbe ein richtiges Abenteuer also. Am Ende ein kleiner Preis für die Freiheit, das erste Mal für diese Tour nicht auf meine Eltern angewiesen gewesen zu sein.
Im Alltag liebte ich diesen Roller ebenfalls. Ich machte zwar doch noch Abitur statt einer Ausbildung, doch auch in der Schule war der Roller mein ständiger Begleiter. Ich war vom 20-Minuten-Takt der U-Bahn nicht abhängig und konnte sogar noch eine zweite Person mitnehmen. Cool und unabhängig sind die Adjektive, mit denen ich meine damalige Situation beschreiben würde.
Trotzdem wollte ich irgendwann die große Freiheit.
Für den Rollerführerschein musste ich bereits die volle Theorie-Zeit mitmachen. Schade, dass es lediglich einen kleinen Rabatt auf die nächste Runde beim Auto gab. Die Theorie langweilte mich somit eher. Aufregender waren da schon die Praxisstunden. Das hat auch Bodo, mein Fahrlehrer, so gesehen. Ein Typ, wie man sich einen Fahrlehrer vorstellt. Ständig nahmen wir weibliche Anhalter mit. Laut Bodo brauchten wir ohnehin ein Ziel, und ich musste lernen, damit klarzukommen, wenn Leute im Auto Gespräche führen. Zusätzlich war es für Bodo an der Zeit für ein neues Fahrschulauto, das hieß viele Modelle probefahren. Ich fühlte mich jedes Mal wie ein Pilot, der vor dem Start die Checkliste durchgeht. Da kann man mal hektisch werden, wenn alles ständig anders aussieht und anders funktioniert. Doch man wird auch experimentierfreudig. Diesen Hebel ziehen, drücken oder drehen?
Die abenteuerlichste Geschichte war, als uns der Außenspiegel an der Fahrerseite abgefahren wurde. Es war eine enge Straße und es parkten viele Autos an der Straßenseite, an der ich fuhr. Eine dieser Straßen, in denen man sich Meter für Meter weiter von Lücke zu Lücke durchfädeln musste. Das machte ich auch relativ gut, bis ein Lkw kam. Ich war etwas zu weit links, konnte jedoch nicht korrigieren, da direkt hinter mir schon der nächste Pkw zu dicht aufgefahren war. Ich wollte meinem Hintermann signalisieren, er müsse auch zurück, doch dann sprach Bodo die folgenschweren Worte: „Lass mal, mal gucken, was der macht“. Und der Lkw-Fahrer schaute genervt, drückte langsam aufs Gas und brach den Seitenspiegel ab. Die Freiheit der Straße endet, wo du jemand anderem den Weg blockierst. Und ich kann seitdem verstehen, aus welchem Grund Menschen ein mulmiges Gefühl haben, wenn ein Lkw neben ihnen steht. Ich jedenfalls konnte etwas lernen, was in kaum einer Fahrschule Teil der Praxisstunden ist.
Meine Partnerin sieht es mit Autos sehr pragmatisch, sie sind schlicht Gebrauchsgegenstände für sie. Ich hingegen pflegte und hegte meine Autos und versuchte, sie vor Beschädigung zu schützen. Immerhin waren sie teuer und ich fühlte ihre Symbolik.
Mein erstes eigenes Auto war ein Opel Corsa B in Atlantisblau. Atlantisblau war ein dunkles Blau ohne Metalleffekt, das, je nachdem, wie das Licht gerade fiel, eine Tendenz zum Lila hatte. Im Nachgang betrachtet eine sehr geile Farbe. Mein erstes Auto fiel in die Zeit, in der das Auto als Symbol im Kino wieder Hochkonjunktur hatte. Unglücklicherweise, muss ich sagen. Denn durch Filme wie „The Fast and The Furious“ wollten wir alle Tuner sein. Doch meine Knutschkugel sah weder sportlich aus, noch brachte sie ordentlich Tempo auf die Straße. Mit drei Zylindern, einem Liter Hubraum und 54 PS hatte ich keinen imposanten Motor. Auf dem Papier schaffte der Corsa zwar 150 km/h, mit jeder Person mehr stieg das Gefühl, gleich abzuheben, während die Endgeschwindigkeit sank. Rückblickend betrachtet ein herrliches Anfängerauto, welches mir auch unheimlich viel verziehen hat. Und da ich nicht am Motor tunen konnte, tunte ich halt mit anderen Dingen. Vor allem Licht. Den Tacho rüstete ich selbst auf rote LED um, Fußraum, Innenraum und Seitentaschen beleuchtete ich mit roten Lichtröhren. Mein persönlicher Höhepunkt war die Umrüstung des manuellen Schiebedachs auf elektrisch, welches beim Corsa B gar nicht vorgesehen war. Dafür verbaute ich einen Schiebedachmotor aus dem Vectra A und die Abdeckung aus dem Astra F. Ich kam mir vor wie MacGyver, auch wenn es am Ende nur sehr einfaches Internetwissen war. Um für guten Sound zu sorgen, baute ich zusätzlich noch Lautsprecher in die Hutablage ein. Kein Auto passte ich jemals wieder so sehr an wie den Corsa, nur er war, glaube ich, jemals wirklich komplett mein gewesen.
Nach dem unverschuldeten Unfall mit dem Fahrschulauto schien sich da eine Tradition zu begründen. Ganz am Anfang, mit einem für mich neuen Auto, kommt es zu einer Beschädigung, die mich dann sehr schmerzt. Danach bleiben meine Autos von weiteren Beschädigungen verschont, als wenn sie eingeweiht werden müssten. Die erste Beule in den Corsa kam auf einem Parkplatz. Mir fuhr tatsächlich jemand beim Ausparken in die hintere Beifahrertür und drückte diese knapp unterhalb des schwarzen, aufgeklebten Prellers ordentlich ein. Ich weiß bis heute nicht, wie ich diesen Schaden übersehen konnte und den alten Mann ohne seine Daten wegschickte. Das war mir eine Lehre. Zu Hause entdeckte ich den Schaden und brach in Tränen aus, mir wurde regelrecht schlecht. Das Auto war fahrbereit, doch die Beule groß. Ich hatte kein Geld, den Schaden reparieren zu lassen, und musste daher überall mit dieser Narbe auftauchen.
Trotzdem lag mir mit ihm die Welt zu Füßen. Der Corsa und ich kamen tatsächlich gut herum. Erste Ausflüge nach Berlin oder Hannover, was für mich damals noch Distanzen waren, die sich unfassbar weit anfühlten. Im Fall von Hannover war es sogar eine ganz andere Welt. Straßenbahnen! Wie kann man nur? Und dann auch noch der gute Ratschlag von meinem Kumpel aus Hannover, einfach den Gleisen zu folgen. Ich war so fokussiert, dass ich fast in den Schotterbahnhof einfuhr. Hat mir alles nicht geholfen, um Hannover ins Herz zu schließen.
Wie der Corsa war auch mein nächstes Auto eine Vernunftentscheidung. Als mein Großvater mütterlicherseits starb, hatte er sich erst kurz zuvor ein neues Auto gekauft. Einen Suzuki Swift, der Wagen war noch kein Jahr alt, gut ausgestattet, mit Automatik, besser motorisiert, und er kam in einem feinen Silberlook daher. Ich kaufte den Wagen meiner Mutter und ihren Geschwistern ab. Die einzige nennenswerte Änderung, die ich vornahm, waren die Musiklautsprecher. Und natürlich führte ich die Beschädigungstradition bei diesem Wagen fort. Ohne zweiten Fall, keine Tradition. Zwischen zwei Parkhäusern träumte ich kurz und wurde jäh in die Realität zurückgerissen, als die sich senkende Schranke von meiner Motorhaube fiel.
Als ich begann, mehr Geld zu verdienen, wollte ich ein anderes Auto haben. Eines, das mir mehr Spaß machte. Es wurde ein 1er-BMW mit Dieselantrieb. Ja, ich weiß, klingt nach Dienstwagenflotte. Ich liebte dieses Auto! Er war klein, schnell und verbrauchte wenig. Ich verbrachte erstmals viel Zeit in dem Auto, da ich es auch für Dienstreisen nutzte. Rückblickend betrachtet finde ich es ein wenig verrückt, wie wohl ich mich in dem engen Wagen fühlte. BMW wollte mit seinen Autos in jedem Fall Sportlichkeit ausdrücken, was bedeutete, dass das Auto um den Fahrersitz herum designt wurde, dabei immer ein Cockpit von einem Rennwagen im Hinterkopf.
In der ersten Woche touchierte ich beim Ausparken einen Pfeiler. Ich hatte die sportlich lange Motorhaube nicht einschätzen können. Dafür konnte ich der Beschädigungstradition eine Nummer drei hinzufügen.
Im Sommer 2019 kaufte ich mir ein neues Auto. Nun, ein fast neues, um genau zu sein. Wie alle Wagen vorher war auch dieser ein gebrauchter, doch dieses Mal ein sehr junger. Im Rahmen der Dieselkrise, welche Volkswagen ausgelöst hatte, verkaufte ich meinen Diesel und kaufte, na klar, wieder einen Diesel. Allerdings mit der besten Euronorm, die man damals, und ich glaube auch heute noch, bekommen konnte. Und dieses Mal, sagte ich mir, wollte ich richtig durchdrehen. Ich wohnte noch in der Vorstadt und der Anteil an Dienstreisen war weiter gestiegen, sodass ich mir allen Komfort gönnen wollte, den ich finden konnte. Ich war verliebt in den BMW 3 Grand Turismo, der war jedoch preismäßig nicht da, wo ich ihn haben wollte. Nach vielen Proben wurde es am Ende der japanische Mazda CX-5, was mich selbst überraschte. Die sogenannten SUV Fahrzeuge hasste ich optisch abgrundtief. Der Mazda hingegen sah in seinem roten Metalliclack nicht nur schnittig aus, sondern hatte auch alle Platzangebote, die ich mir wünschte. Kräftige Motorisierung und alle technischen Spielereien, die ich mir nur ausdenken konnte. Die Einweihung des Mazda erfolgte mit einer Mülltonne, die leicht schräg in meinem Wendekreis rakte, eine längliche Beule, die man noch heute in Hamburgs Straßen bewundern kann. Was mir beim Kauf noch nicht klar war: Mein Timing war perfekt.
Gegen Ende des Jahres kam ich in Kontakt mit einer wundervollen Frau aus Berlin und ich fraß neben den beruflichen Kilometern bald auch sehr viele private. Die Strecke Hamburg-Berlin schluckte gute 600 Kilometer inklusive Rückfahrt. Und ich wollte so oft in Berlin sein, wie es ging. Während mit Corona die Kilometer bei fast allen heruntergingen, war 2020 mein Rekordjahr. Ich war glücklich, so viel Komfort im Auto und auch wieder einen Diesel zu haben. Zu der Zeit ermöglichte mir der noch verhältnismäßig günstige Treibstoff, die eine oder andere Fahrt mehr zu ihr zu machen. Doch auch in der Zeit fing bei mir schon ein ökologisches Umdenken an. Ich überlegte, auf die Bahn umzusteigen, die wäre allerdings verrückterweise zu der Zeit für mich noch teurer gewesen, als mit dem Auto zu fahren. Die Fahrten waren aus Sicht der Bahn ziemlich spontan, also unter zwei Wochen vor Fahrtantritt geplant, und damit ziemlich teuer. Erfahrene Bahnfahrer wissen: Je länger ich im Vorfeld eine Bahnfahrt plane, umso höher ist die Verfügbarkeit von Sparpreisen.
Also begann ich, die Autofahrten mit gut drei Euro bei der Klimakollekte auszugleichen, die ich gerne gab, um die 120 kg CO₂ zu „kompensieren“.
Mittlerweile wohnen wir in der Stadt, zwar nicht im Kern, aber mit Wandsbek schon in einem Gebiet, in dem alles verfügbar ist. Wir gehen fünf Minuten zur U-Bahn, haben mehrere Busse entweder direkt vor der Tür oder in ähnlicher Entfernung wie die U-Bahn und selbst zur S-Bahn brauchen wir nicht lange. Damit ist der klassische öffentliche Nahverkehr schon extrem gut für uns verfügbar. Zusätzlich sind viele Dinge in guter fußläufiger Distanz. Für mich wären das maximal 20 bis 30 Minuten, sodass man auch gerne mal auf andere Verkehrsmittel verzichten kann und auch alles ziemlich nah für das Fahrrad ist. Allein das führt schon dazu, dass ich öfter mal nicht Auto fahre. Mit gut 6.000 KM pro Jahr fahren wir nur noch einen Bruchteil dessen, was ich vor Corona oder im ersten Corona-Jahr benötigte.
Innerhalb Hamburgs stehen Autos oft nur herum. Das lässt Hamburg sich seit einiger Zeit mit Anwohnerparken bezahlen und sorgt gleichzeitig dafür, die Parksituation zu entspannen. Ich nehme in solche Ecken jetzt die Bahn und viele andere anscheinend auch. Denn wo sind die anderen Autos denn plötzlich sonst hin?
Ohnehin scheint es mir, als wäre der dauerhafte Besitz eines Autos, vorrangig eines großen wie meinem, in der Stadt immer überflüssiger. Mit verschiedensten Carsharing-Diensten könnte ich mir einfach ein Auto nehmen, wenn es mal etwas Größeres zu transportieren gibt. Es drängt sich immer wieder die Frage auf: Benötige ich überhaupt noch ein Auto?
Leider heißt die Antwort derzeit für mich noch ja. Denn auch wenn sich die Freiheit der Bewegung immer mehr über die ganzen Angebote ausleben lässt und wir mit unserem Zusammenzug immerhin aus zwei Autos eins gemacht haben, sind wir in unserer Gesellschaft am Ende noch auf der Schwelle, um die gesamte mobile Freiheit über öffentliche Verkehrsmittel abzubilden, und da zähle ich durchaus auch die Sharing-Fahrzeuge zu. Noch fühlt es sich jedoch falsch an, beispielsweise mit einem Sharing-Auto zu meinen Eltern zu fahren und dort dann außerhalb der Nutzungszone Geld für das Stehen des Autos zu bezahlen. Was verrückt ist, denn die meiste Zeit bezahle ich das Auto, das ich besitze, auch nur fürs Stehen selbst. Würde ich die Anschaffungskosten und laufende Kosten als “Depot” anlegen, könnte ich vermutlich mehrere Jahre die Nutzung öffentlichen Verkehrs und Mietwagen daraus finanzieren, ohne ein eigenes Auto besitzen zu müssen. Doch dieser Gedanke wirkt auf mich momentan von allem noch eines: Unbequem.
Fakt ist auch, das ist nur die Realität in der Stadt. Sollte ich wieder in die Vorstadt ziehen oder noch weiter raus, muss und möchte ich in die reine Kostenrechnung zusätzlich den Faktor Zeit mitaufnehmen. Denn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln benötige ich zur Arbeit mit Fußwegen ungefähr 70 Minuten. Mit dem Auto nur zwischen 30 und 45 Minuten. Pro Strecke ist schon ein ordentlicher Faktor. Allerdings zeigen uns auch Freunde, dass man auch in ländlichen Gegenden gut und ökologisch ohne eigenes Auto leben kann.
Genau deswegen ist meiner Ansicht nach ein Fakt, dass je nach Lebensrealität, Stadt oder Land, das Symbol der Freiheit zu schwinden beginnt. Das eigene Auto zu besitzen, wird zum Glück immer unwichtiger. Doch bis in unseren und auch in meinem Kopf wirklich angekommen ist, dass das Auto nicht im eigenen Besitz sein muss, um eines nutzen zu können, wird es noch dauern. Dafür ist ein Auto in Deutschland noch zu sehr Statussymbol. Für die Stadt können jedoch Dinge wie das Deutschlandticket, ein guter Anreiz sein. Leider zeigt sich hier bereits Jahr für Jahr durch die Erhöhungen, dass man nicht verstanden hat, was für ein tolles Instrument man geschaffen hat. Ich hatte seinerzeit für mich direkt beschlossen, es zu holen, auch wenn ich es wirtschaftlich nicht komplett ausnutze. Ich glaube einfach daran, dass es besser funktioniert, je mehr Menschen es haben. Zusätzlicher Nebeneffekt ist, dass auch für mich die Hürde, Bus und Bahn zu nutzen, noch einmal gesenkt und das Auto noch seltener gefahren wird, bis wir irgendwann bereit sind, es ganz abzugeben.
In diesem Frühjahr kam es, ausgelöst durch die jüngste Eskalation im Nahen Osten, zu einer weiteren großen Ölkrise. Die Preisexplosion, deren Ende bisher nicht absehbar ist, führt mir noch stärker vor Augen, wie sehr das Auto als Freiheitssymbol an einer einzigen Ressource hängt, nach der wir unser Leben in Deutschland stark ausgerichtet haben. Fällt diese Ressource weg oder wird sie für die meisten Menschen unbezahlbar, fällt das Symbol mit. Was bleibt, sind Metall und Plastik. Und die Frage, was ich mit diesen Erkenntnissen mache.




Erstaunlich, ich bin selbst kein großer Autoliebhaber, bin da eher wie deine Partnerin. Aber so beschrieben, habe ich das Freiheitsgefühl trotzdem gespürt.
Bei mir kam die Umstellung auf Öffis von außen, als die Dienstwagen abgeschafft wurden. Jetzt nehme ich nur noch hin und wieder, aber immer sehr gerne, den Nissan Note von meinen Eltern.