Zurück in die Zukunft – Das Musical (2026, Hamburg)
Wie aus einer Zeitreise-Komödie eine Bühnenshow wird
Ich bespreche hier immer wieder Filme und Bücher. Etwas, das ich nicht so oft sehe, das sind Musicals. Wenn es dort hingeht, ist es aufgrund des Aufwands, der hinter solchen Produktionen steht, auch nicht günstig. Einer der Vorteile, in Hamburg zu leben, ist der gute Zugang zu Musicals, laut Marketingsprech die drittgrößte Musical-Stadt. Belege dafür habe ich allerdings keine gefunden. Trotzdem ermöglicht es mir, zu recht günstigen Zeiten die Hallen Hamburgs aufzusuchen, auch wenn ich’s mir nicht so oft leiste, wie ich gerne würde.
Unabhängig davon liegen Musicals im Trend. Und nach dem jetzt bereits Fack ju Göhte ausgewertet und immer noch läuft, ist es kein Wunder, dass dieser Trend vor wirklich nichts Halt macht. Auch nicht vor einem meiner Lieblingsfilme, bei dem ich eine Musical-Auswertung nicht kommen sah. Es ist jedoch nicht der erste Film, den ich mag, der zum Musical geworden ist, bei Moulin Rouge lag der Schritt allerdings deutlich näher.
Die Geschichte ist so klassisch wie bekannt. Der junge Marty McFly ist mit dem etwas verrückten Wissenschaftler Doc Brown befreundet. Dieser erfindet eine Zeitmaschine, die in den ikonisch schnittigen DeLorean eingebaut wird. Aufgrund widriger Umstände passiert bei der ersten Testfahrt ein Unglück und Marty flüchtet versehentlich in die Vergangenheit.
Weil er dort aus Versehen den Moment verdirbt, in dem die Liebe seiner Eltern erblühen sollte, hat er jetzt gleich zwei Herausforderungen zu meistern. Mit dem jüngeren Doc Brown, der die Zeitmaschine noch nicht erfunden hat, einen Weg in seine Zeit finden und gleichzeitig dafür sorgen, dass seine Eltern doch noch zusammenkommen und er sich nicht als Raum-Zeit-Paradoxon auflöst.
Wie bringt man nun eine Science-Fiction-Komödie auf die Bühne? Und lässt die Figuren jetzt auch noch singen?
Das erfordert einige Anpassungsarbeit. Zurück in die Zukunft ist sehr verbunden mit dem 80er- und 50er-Jahre-Soundtrack. Musik spielt im Film selbst letztendlich jedoch keine große Rolle. Das bedeutet, dass nahezu alle Musik neu und eigens für das Musical geschrieben werden musste. Zusätzlich waren diverse Anpassungen möglich, um die Geschichte um die Lieder herum zu straffen.
Traurigstes Opfer der Story-Schere: Einstein, Doc Browns zotteliger Labor-Hund und erster Zeitreisender im DeLorean. Weiterhin müssen wir mit einigen Anpassungen klarkommen, die aufgrund der Bühne nötig sind. So hat z.B. Doc Brown in den 80ern schon eine Sprachsteuerung in den Wagen eingebaut, weil wir im Inneren nicht auf das Display der Zeit-Anzeigen schauen können. Das ist aber nicht weniger glaubhaft, als die Zeitmaschine selbst zu bauen…
Eine weitere Anpassung betrifft den Humor der Geschichte. Eigentlich gefiel er mir im Film immer sehr gut. Im Musical wird er noch um einiges stumpfer und um einige platte Gags erweitert. Vielleicht um auf ein noch kleines Publikum einzugehen, denn obwohl der Film eine FSK 12 Freigabe hatte, sah ich viele Kinder mit Sitzschale im Publikum, die trotz dieser Erhöhung kaum an den Köpfen der Erwachsenen vor ihnen vorbeisehen konnten. Das ist aus meiner Sicht schwierig, denn letztlich handelt die launige Komödie auch von dem Thema, dass die eigene Mutter sich in den durch die Zeitreise Sohn im gleichen Alter verliebt. Können das Kinder unter 12 Jahren wirklich schon erfassen und verarbeiten?
Auf der Haben-Seite ist auch ein großartiges Bühnenbild. Hier wird geschickt mit Projektionen und realen Bühnenelementen gearbeitet, um uns die 30 Jahre Zeitunterschied zu zeigen, aber auch genügend Varianz in der Bühne zu haben. Szenen, in denen uns gezeigt wird, dass der DeLorean auf der Bühne schnell fährt, und generell die Darstellung der Zeitreise haben mich unglaublich abgeholt. Besonders ein Szenario am Ende hat mich staunen lassen. Es ist und bleibt einfach beeindruckend, was für technische Wunder moderne Musicals mittlerweile auf die Beine stellen
Leider hat mich die Musik nicht so abgeholt. Ich weiß nicht, ob es an der deutschen Übersetzung liegt, die von dem sehr erfahrenen Heiko Wohlgemuth stammt, oder an dem Ausgangsmaterial. Ich vermute Letzteres, denn Wohlgemuth ist in der Hamburger Theaterszene kein Unbekannter, und das zu Recht. Doch was soll er als Übersetzer machen? Er kann sich nur an das Material im Original halten.
Der Cast wiederum hat mir sehr gefallen. Es ist immer schwer, gute Sänger zu finden. Noch schwerer wird es, wenn sie auch noch den Geist der Figur treffen müssen. Für mich ist eine gute Gesangsleistung wichtiger als die Tatsache, dass sie Michael J. Fox und Christopher Lloyd möglichst ähnlich sehen, die das beliebte Duo im Original spielen. Zumindest der Cast, den ich in meiner Vorstellung gesehen habe, trifft den Geist und die Energie des Originals.
Schön und irritierend zugleich war Elton auf der Bühne zu sehen. Dieser gibt sich in ein paar Terminen die Ehre als der Schuldirektor Strickland und spielt seine gut, mit schönem Timing und ohne Gesang. Auf der Webseite wird er zwar als großer Fan verkauft, aber am Ende wissen wir: Es geht darum, das Haus vollzumachen, er taucht immerhin nur mittwochs und donnerstags in den Vorstellungen auf.
Merchandise darf heute auch nicht fehlen. Ein paar T-Shirts gefielen mir vom Design her ganz gut, waren leider nicht in großen Größen verfügbar. Auffällig viel Merchandise wirkte eher wie von unseriösen Händlern, die ohne Lizenz ein paar Euro mitverdienen wollen. Aufkleber: Ein Blatt für 9 Euro mit vier lieblos gestalteten Motiven. Ein Kaffeebecher, der nicht weiß, ob er eine schlechte Comic-Version von irgendetwas sein möchte. Ausgerechnet bei einer so lang existierenden Marke, die so viele Möglichkeiten bietet, sieht alles so lieblos aus. Für einen schnellen Cashgrab ist das Musical selbst dann aber doch zu aufwendig geraten. Wer will, kann im amerikanischen Fanshop mal einen Blick werfen.1
Vor nichts macht der Musical-Trend Halt. Nicht vor meinen Lieblingsfilmen, nicht vor 30 Jahren Zeitunterschied auf offener Bühne und, wie sich zeigt, auch nicht vor Elton.





Ich mach mal eine Ergänzung per Kommentar:
Ein schräges Detail habe ich vergessen. Man kann sich im Foyer anstellen (!) um ein Foto mit einem DeLorean zu machen. Und dann ist das nur ein halber (ab der Mitte verschwindet er in der Wand) aus Kunststoff! Einfach gruselig.