Manche Figuren sind unsterblich, manche davon haben wir schon oft gesehen in verschiedensten Inkarnationen. Robin Hood ist für mich so eine Figur. Jedes Jahrzehnt hatte seinen Robin Hood. In den 1980ern war es für mich die alte Disney-Version von 1973. Kevin Costners muss sich die 1990er mit Mel Brooks Persiflage teilen. Auf Russell Crowes Adaption folgte der Junge Taron Egerton.
Und alle musste ich gucken. Von klein auf faszinierte mich die Geschichte der mythischen Räuberbande, die es von den Reichen nimmt und den Armen gibt. Ein wenig das A-Team des Mittelalters. Alle Versionen hatten etwas gemein, egal ob sie fröhlicher oder düsterer waren. Sie erzählten immer den etwa gleichen Ausschnitt derselben Geschichte. Bis zu diesem Zeitpunkt. Jetzt schlüpft Hugh Jackman in die Rolle des Bogenschützen und wir bekommen mit The Death of Robin Hood einen gebrochenen Mann zu sehen, gejagt von seiner Vergangenheit. Ich war so gespannt, ob der Claim Er war kein Held zuviel verspricht.
Robin Hood lebt zurückgezogen und hadert mit einem Leben, das von Gewalt und Verbrechen geprägt war. Sein alter Weggefährte Little John, der sich unter dem Namen Edward eine neue, bürgerliche Existenz mit Frau und Tochter aufgebaut hatte, wird von alten Feinden enttarnt, die daraufhin seine Familie als Geisel nehmen. Robin Hood, müde des Lebens auf der Suche nach einem guten Tod sagt seinem Freund Hilfe zu und zieht mit ihm in den Kampf, um die Familie zu befreien. In dieser Schlacht, die für ihn die letzte sein soll, wird er schließlich schwer verletzt. In diesem Zustand gerät er in die Obhut einer geheimnisvollen Frau, die ihm unerwartet eine Aussicht auf Erlösung von seinen Taten und seiner Schuld bietet.
Wer einen Action- oder Abenteuerfilm sucht, wird unweigerlich enttäuscht werden. Zumindest ging es dem Mann neben mir so, der nach zwanzig Minuten das Kino verließ und erst fünfzehn Minuten vor Schluss wieder auftauchte. Die rohe Gewalt und Action zu Beginn des Films verschwinden schnell in den Hintergrund. Wir benötigen diese grafische Brutalität nur, um für uns einmal einzuordnen, was für einen Robin Hood wir da vor uns haben.
Danach wird es schnell zur Sinnsuche. Im Vorfeld habe ich viel darüber gelesen, dass hier ein weiterer Logan mit Hugh Jackman erscheint. Und ja, ich sehe die Parallele ebenfalls. Der Unterschied ist jedoch, dass wir nicht zig Darstellungen von Jackman mit der gleichen Figur hatten, und die Erzählweise ist auch eine andere. Hier finden wir uns am nächsten an so etwas wie Arthouse-Kino wieder. Weites Land, so roh wirkend, wie die Taten von Robin Hood. Die Leistung in Logan war für Jackman vielleicht leichter, denn er kannte die Figur bereits lange aus nächster Nähe. In Robin Hood zeigt er uns, dass seine Bandbreite als Schauspieler enorm ist. Auch die weiteren Schauspieler, allen voran Jodie Comer, leisten solide Schauspielarbeit.
Leider muss der Cast den gesamten Film auf seinen Schultern tragen. Die Idee des Films ist unglaublich gut. Was, wenn er kein Held wäre? Wie könnte eine Erlösungsgeschichte eines solchen Robin Hoods aussehen? Ist sie überhaupt möglich? Diese Fragen reißt das Drehbuch an, kann sie jedoch nicht beantworten. Das ist bedauerlich, denn die 122 Minuten haben sich teilweise langatmig angefühlt. Würde man diese Stellen kürzen und die Beantwortung der Fragen stärker skizzieren, hätten wir vielleicht ein Meisterwerk gesehen. So reicht es durch die Asynchronität von Schauspiel und Buch bedauerlicherweise nur zu einem durchschnittlichen Film, mit einem frischen Ansatz.



