Vor einigen Wochen war ich in Schwerin in der Buchhandlung Ein guter Tag - Literatur & So und schon der Name allein hatte mich verzaubert. Als ich drin war, ging die Magie weiter. Nahezu jedes Buch schien es maximal ein, vielleicht zwei Mal zu geben. Ein Gefühl von „Die sehen das alle nur für mich“ entstand. Im Gespräch mit den beiden Eigentümern sind wir dann auf Regeln für einen Ritter von Ethan Hawke, den ich bisher nur als Schauspieler wahrgenommen habe, gekommen. Am Ende hatte ich das Gefühl, ich müsste das Buch mitnehmen, und das tat ich dann auch.
Der Einleitung des Buches nach handelt es sich bei Regeln für einen Ritter um den letzten Brief des Ritters Sir Thomas Lemuel Hawke an seine drei Kinder. Er weiß nicht ob der den nächsten Tag überleben wird, heute wissen wir, dass er in der folgenden Schlacht verstarb. In diesem Brief will der Vater seinen Kindern noch 20 Regeln mitgeben, nach denen sie ihr Leben ausrichten sollen. Zu jeder dieser Regeln gibt er eine kleine Geschichte aus seinem Leben als Ritter beziehungsweise seinem Weg dorthin.
Laut den Anmerkungen von Ethan Hawke hat man den Brief in den 1970er Jahren im Keller der verstorbenen Urgroßmutter gefunden. Ob der Brief echt ist, sei nie abschließend geklärt worden, Sir Thomas, der im Winter 1483 bei einer Schlacht verstarb, sei laut Familienlegende wahrhaftig einer seiner Vorfahren gewesen.
Hawke hat den Brief gemeinsam mit seiner Frau als eine Art Handbuch für Ritter aufgearbeitet. Während Ethan den Text bearbeitete, steuerte Ryan Hawke zu jeder Regel eine Illustration bei.
Ich fühlte mich beim Lesen ein wenig erinnert an Max Hermanns Desiderata1, welches als Gedicht Regeln oder vielmehr Wünsche für ein gutes Leben mitgibt. Und ich kann verstehen, Brief der authentisch ist oder nicht, aus welchem Grund Hawke sich von dieser Form angezogen fühlte. Der Schatz aus der Vergangenheit, der uns eine Richtschnur für unser heutiges Leben geben kann?
Wer sehnt sich denn als Kind nicht nach einer Anleitung für das Leben? Dann auch noch mit interessanten Geschichten. Nur zu leicht lässt sich das Wort Ritter etwa durch “aufrechten Mensch” ersetzen und auf heute beziehen.
Ohnehin wirken die über 540 Jahre alten Ansichten von Hawkes Vorfahren sehr modern. Immer wieder spricht er bei Frauen Themen an, dass dies auch für seine Söhne gilt, als auch andersherum. Zuletzt heißt es bei der Regel für Gleichheit:
Viele der größten Ritter der Geschichte waren in Wahrheit Frauen, obwohl kleingeistige Herrscher diese Frauen oft mit anderen Namen belegt haben.
Und auch bei diesem Zitat möchte ich zu gern Ritter durch Mensch, Erfinder, Literaten oder irgendwas ersetzen und fühle: Es passt.
Und so geht es mir bei vielen dieser Regeln, manche beherzige ich in meinem Leben. Bei manchen war es mir noch nicht klar, dass ich sie beherzigen möchte. Die Lektüre von Regeln für einen Ritter hat mich in jedem Fall bereichert.
Genauso wie die im Annex befindliche Ballade „Die Ballade vom Hirschen mit dem Vierzig-Ender-Geweih“, in der ein stattlicher Hirsch gegen König Eduard antritt, um die Tiere des Waldes zu retten.



