In den 1990er Jahren entwickelte ich eine Leidenschaft für Videospiele. Wie bei so vielen Jungs standen auch Kampfspiele auf dem Speiseplan. Allerdings möchte ich direkt einräumen: Ich war immer mehr ein Street Fighter-Junge.
Irgendwie sprach mich der comicartige Look der Reihe mehr an, als der pixelige Versuch von Realismus und herausgerissenen Herzen und Wirbelsäulen. Doch genau mit dieser Brutalität konnte die Mortal Kombat Reihe sich absetzen und wurde so erfolgreich, dass sie mit 79 Millionen verkauften Spielen sogar die erfolgreichste Reihe im Genre bildet.1
Und auch bei den Filmen hinterließ der trashige Street Fighter Film mit Jean Claude van Damme in der Hauptrolle bessere Erinnerungen als die ersten zwei Mortal Kombat-Filme aus den 1990er Jahren. Auch so eine spannende Fußnote des Lebens, dass Johnny Cage im Spiel ursprünglich von Jean-Claude dargestellt werden sollte und er dann bei Street Fighter landete.
Die neue Reihe von Werbefilmer Simon McQuoid verspricht kein Arthouse Kino, doch wer will das auch schon bei dieser Vorlage? Kurz vor dem Kinostart des zweiten Teils habe ich mir zur Vorbereitung den ersten noch einmal angeschaut. Das war gut so und würde ich jedem empfehlen, der ins Kino möchte.
Teil eins beschäftigte sich mit der Zeit vor dem Turnier, Rekrutierung der Kämpfer, Einführung vieler Figuren. Mortal Kombat II nimmt den Faden ziemlich genau dort auf, wo wir unsere Helden verlassen haben. Nach Kenos Seitenwechsel im ersten Teil heißt es nun kurz vor dem eigentlichen Turnier um die Welt, einen neuen Kämpfer zu finden. Diesen finden sie im aus der Zeit gefallenen Actionfilmstar Johnny Cage. Und dann geht es auch ziemlich schnell zum Turniermodus.
Die meisten Kritiker finden diesen Film furchtbar. Und nachdem ich ihn gesehen habe, verstehe ich es. Zwar beurteilen Kritiker Werke auch innerhalb der Welt des Werkes, doch gilt ihr Hauptaugenmerk der Filmkunst selbst. Und hier kann MKII kaum Punkte sammeln. Fast alle Hintergründe sind eher schlecht computergeneriert. Das könnte Absicht sein, um dichter an den Look der Spiele heranzukommen, wirkt dann jedoch zu inkonsequent durchgeführt. Generell wirkt die visuelle Qualität gegenüber dem ersten Teil dadurch für mich abfallend.
Ich sah den Film zudem auf Deutsch und musste immer wieder schmunzeln, denn die bewusst nicht übersetzten Momente wirken dadurch etwas albern. “Finish him!” ist einer der bekanntesten Aussprüche von Mortal Kombat, wirkt wie aus dem Nichts, als Sprachwechsel für mich deplatziert. Zeigt eindrücklich, wie schwierig der Transfer von Kultmarken in andere Sprachen ist, ohne dabei einen gewissen Cringe-Faktor zu entwickeln.
Die Entscheidung, die neue Verfilmung als Trilogie aufzubauen, war die richtige. Trotzdem hat der Film mich zwischen Rekrutierung von Cage und Start des Turniers ein wenig überrumpelt. Neue Figuren fühlen sich hektisch eingeführt. Gleichzeitig verschwinden Figuren aus dem ersten Teil ziemlich schnell aus dem Leben. Nicht sehr überraschend bei einem Turnier auf Leben und Tod, doch trägt das zu meinem Missempfinden beim Pacing bei. Der eine oder andere Kampf hätte länger dauern können.
Größter Lichtblick neben der Figur der Sonya Blade, die den ersten Teil am meisten trug, ist überraschenderweise Johnny Cage. Karl Urban spielt mal wieder etwas und zeigt uns die JCVD‑Persiflage mit seinem eigenen Stempel. Mit ihm erlebte ich die für mich unterhaltsamste Zeit im Film.
Aktuell steht der erste Film bei einem IMDB‑Rating von 6,1 und der zweite bei überraschenden 7,0. Das zeigt zum einen, dass der zweite Teil die Action aufdreht und dadurch zur Marke passend zugänglicher ist, zum anderen, dass die Fangemeinde nun das sieht, was sie sich erhofft hat. Splatterkämpfe und MK‑typische Sprüche.
Vielleicht brauchten wir auch einfach nur mal wieder einen blutigen, inhaltsleeren Actionstreifen und vielleicht auch genau dafür eine JCVD‑Persiflage.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mortal_Kombat_(Computerspielreihe)



