Wir wollten einen leichten Kinoabend und an dem Wochenende, an dem unglaublich viele Filme gleichzeitig erschienen sind, wurde es dann ausgerechnet Runner.
Alan Ritchson ist seit Reacher breiter bekannt. Ich erinnere mich an ihn noch als Smallville‑Aquaman und hohlen Football-Star in Blue Mountain State. Das war ein langer Weg für ihn und ein ganzer Haufen zusätzlicher Muskeln. Ich habe mir nicht viel erhofft von dem Film, ich dachte, ich schreibe nur eine Note… und dann habe ich ihn gesehen und musste einiges loswerden.
Hank Malone gilt als einer der besten Kuriere der Branche und übernimmt einen Auftrag von höchster Dringlichkeit. Er soll innerhalb eines engen Zeitfensters ein lebenswichtiges Spenderorgan zu einem siebenjährigen Mädchen bringen, das ohne die Transplantation nicht überleben würde. Begleitet wird er dabei von Ben Bishop, einem medizinischen Kurier, der das Organ überbracht hat und den Hank nun eskortieren muss. Während die beiden ungleichen Männer sich auf dem Weg zur Klinik befinden, gerät die Mission zunehmend außer Kontrolle. Ein skrupelloser Verbrechersyndikatsboss erfährt von der Fracht und setzt seine Leute in Bewegung, um sich das Organ für eigene Zwecke anzueignen. Hank und Ben müssen sich in einem Wettlauf gegen die Zeit durch eine Serie eskalierender Gefahren kämpfen, um ihr Ziel rechtzeitig zu erreichen.
Mir war schon klar, dass der in Australien spielende Film kein A-Blockbuster ist, doch die Batterie an Logos, die abgespielt wird, gibt gefühlt mal wieder eine neue Dimension. Insgesamt wirkt der erste Eindruck, wie Streamerkost.
Es gibt auch einige Stellen, an denen ich dem Film das anmerke. Zum Beispiel wirkt die Songauswahl durchgehend leicht off, als hätte man ein anderes Stück gewählt, das eine ähnliche Stimmung hat, aber nicht ganz passt. Vermutlich, um Lizenzgebühren zu sparen. Der Look ist schwankend zwischen „sieht irgendwie komisch aus“ und „geile Aufnahme“. Besonders in den Kampfszenen hat die Kamera oft eine interessante Gummiband-Dynamik, die zwar nicht stark ist, aber dem Ganzen noch so einen kleinen Drall gibt, dass diese im Schlag mitgeht. Denn wo Hank austeilt, da soll ja kein Gras mehr wachsen.
Schön ist auch die Dynamik zwischen Ritchson und Wilson. Letzteren hatte ich gefühlt ewig nicht gesehen. Als Duo geben sie uns hier noch eine kleine Action Erinnerung an die Action-Buddy-Movies der 90er. Und heben das Niveau auch selten höher. Doch das ist gerade das, was an diesem Film Spaß macht. Zusätzlich erfreut mich, dass der Gegenspieler eine Motivation hat, die in diesem Fall nicht einfach Geld heißt und ihn dadurch etwas flach wirken lässt. Trotzdem kommt er mir immer wieder wie eine Persiflage vor. Warum er blutunterlaufende, tränende Augen hat… ich weiß es nicht, vielleicht verträgt er das australische Wetter nicht.
Das Taktmaß des Films gefällt mir über weite Teile. Tatsächlich wird es leider nur ungünstig unterbrochen von den Szenen zwischen Mutter und 7‑jähriger potenzieller Organempfängerin. Ich weiß, diese Szenen sollen eine zusätzliche Dringlichkeit in den Film bringen. Jedoch hat mir Owen Wilsons Charakter die bereits erklärt. Zusätzlich werden sie von Menschen gejagt, die immer wieder auftauchen. Zwar gibt es noch die Ebene, dass es einen Maulwurf gibt, das könnte man jedoch im Takt des Films besser erzählen. Er geht nur 98 Minuten, warum also das Tempo herausnehmen? Warum keine wildere Achterbahnfahrt?
Unterhaltsam ist auch, dass ich während des Films an die freie Wirtschaft denken musste. Er ist ein riesiges Beispiel für das Sunk-Cost-Prinzip. Oder anders ausgedrückt: Es sterben auf beiden Seiten unfassbar viele Menschen. Müssen wir uns irgendwann die Frage stellen: Ist ein 7‑jähriges Mädchen so viele Tote wert? Fair, beide Seiten haben eigentlich keine Zeit, um kurz mal Luft zu holen, aber ich als Zuschauer habe grob mitgezählt und bin ungefähr bei jeder Seite bei einem schlechten Verhältnis herausgekommen. Lustigerweise glaube ich, dass der “Gute” mehr Opfer auf dem Zettel hat, zumindest in der Screentime. Doch da gingen eben die Bösen über den Jordan. Also, was solls?
Ich habe hier keine hohe Filmkunst erwartet, nicht mal von der Action her. Immerhin hat Regisseur Scott Waugh den Need for Speed-Film mit Aaron Paul verbrochen. Aber ich wurde überrascht. Ich habe öfter gelacht im Kino, sowohl bei den bewussten Scherzen, als auch bei den „auf die Fresse“-Momenten. Muss man ihn unbedingt im Kino sehen? Sicherlich nicht, trotzdem freut es mich, dass dieser Film eine breitere Auswertung bekommt, bevor er in der Exklusivität eines Streamers verschwindet.
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Der Film ist nicht Prio 1 bei mir, aber wenn ich ihn noch zwischen schieben kann, guck ich ihn vielleicht auch noch im Kino. Aber mein Eindruck vom Trailer war so, wie du beschreibst. Kein Oscar-Kandidat, aber womöglich gute Unterhaltung.
Der Aspekt mit der "Kosten-Nutzen-Rechnung" finde ich sehr interessant. So habe ich derartige Filme glaube ich noch nie gesehen.