Ich weiß, ich bin ganz schön spät zur Party. Seit Wochen befindet sich Dirk Steffens in den Sachbuch-Charts und das orange Cover mit Banksys Blumenwerfer grüßt mich bei jedem Besuch im Buchladen. Und irgendwie habe ich es auch aus Verzweiflung gekauft. Ostersamstag. Eigentlich wollte ich eine Sonnenbrille, denn das Hamburger Wetter versprach Sonne und meine liebste Sonnenbrille, die ich bei Schottland in einem Einkaufszentrum gekauft hatte, war in zwei Teile zerbrochen. Vielleicht bringen Sonnenbrillenscherben Glück, denn ich musste aufgrund eines Ausfalles des Kassensystems 20-30 Minuten überbrücken, und da geht man dahin, wo man sich wohlfühlt, und das ist natürlich ein Buchladen.
In einer Welt, in der wir in einem scheinbar unendlichen Kreislauf von Krise zu Krise wandern, möchte Dirk Steffens in seinem kurzen Band einen “ziemlich wissenschaftlichen Blick in die Zukunft” werfen und uns darüber aufklären, dass die Welt vielleicht gar nicht so schlecht ist, wie wir denken.
Delfine dichten nicht, obwohl ihr Gehirn nicht sehr viel kleiner ist als unseres.
Dirk Steffens’ blickt dabei auf unsere Welt in drei Akten. Das macht nicht immer so gute Laune wie beim obigen Delfin-Zitat. Episoden wie diese machen das Buch jedoch zu einem launigen Exkurs. Hier auf Substack hat mich jemand gefragt, ob ich mich jetzt glücklicher oder optimistischer fühle. Nein, nicht direkt, doch wäre ich es gerne. Ich glaube, es geht Steffens gar nicht darum, uns „umzudrehen“, vielmehr darum, den Blick zu öffnen für das, was da ist. Denn auch hier geht es wieder darum, zu erkennen, dass wir einen ständigen Bias haben. Der Urmensch hat viel mehr den Fokus auf negative Dinge legen müssen, um zu überleben. Das ist nun wirklich nicht mehr notwendig. Aber mit diesem negativen Blick auf die Welt sind noch ganz viele Punkte gekommen, in denen wir uns selbst austricksen und es vielleicht sogar direkt dabei merken, jedoch in unseren Mustern gefangen sind. Insofern ist die Botschaft klar, die Welt ist gar nicht so schlecht, wie wir sie wahrnehmen. Die Beispiele von Dirk Steffens sind treffend und lebensnah. Die Sehnsucht nach einem optimistischeren Blick auf die Welt ist da, das allein zeigt auch, dass Steffens mit diesem Buch auf großer Lesetour war.
Nach der Lektüre wirkt Hoffnungslos Optimistisch als der perfekte Einstieg für jemanden, der in das Thema einsteigen möchte. In vielen Punkten fühlte ich mich beim Lesen an Rutger Bregmanns Im Grunde Gut und Utopien für Realisten erinnert. Und auch wenn Steffens Buch wunderbar ist und ein paar neue Blickwinkel mitbringt, kann ich nicht umhin, zu denken, dass es doch eher der schnelle Burger ist und Bregmanns Bücher ein Fünf-Gänge-Menü. Beide beleuchten ähnliche Themen, nur lässt Bregmann seine Gedanken noch viel mehr links und rechts auslaufen und malt dadurch eine größere Landschaft.



