In den 1980er Jahren und damit auch in den darauffolgenden Jahrzehnten war es kaum möglich, als Kind Fernsehserien zu schauen, ohne auf eine zu treffen, die gleichzeitig ein Spielzeug war. He-Man wurde bei Mattel fast gleichzeitig mit einer Conan der Barbar Spielzeug-Reihe entwickelt. Letztere wurde zum Glück eingepackt, für zwei ähnlich aussehende Muskelmänner wäre wohl kaum Platz gewesen. Die Zeichentrickserie und ihr heutiger Ansatz, dass He-Man in Wahrheit Prinz Adam ist, kamen erst später, sicher aus Verkaufsförderungsgründen, dazu.
Und natürlich habe ich als Kind He-Man zugeschaut. Mit dieser ganzen verrückten Fantasywelt, in der gefühlt alles möglich ist. Zauberer treffen auf Menschen mit Feuerwaffen und der Böse hat einfach nur einen Totenkopf. Ich kann mich noch erinnern, ich hatte natürlich auch eine He-Man-Actionfigur, die konnte den Oberkörper drehen.
Ich hatte also keine Wahl und musste den Film unbedingt sehen. Vielleicht auch ein bisschen in der Hoffnung, dass Mattel auch hier mit Masters of the Universe das schafft, was sie schon mit Barbie erfolgreich getan haben. Und vielleicht auch um die Frage zu beantworten, wie ein Er-Mann mit Muskeln und fast vollständig entblößtem Oberkörper in der Welt von 2026 funktioniert.
Wir befinden uns auf Eternia. Prinz Adam ist zehn Jahre alt und eher schmächtig für sein Alter. Machtlos muss er dabei zusehen, wie Skeletor auf der Suche nach dem Schwert der Macht mit seiner Armee Eternia überfällt und Castle Greyskull übernimmt. Im letzten Moment gelingt es der Zauberin, ihn und das Schwert durch ein Portal zur Erde, der Heimatwelt seiner Mutter, zu schicken.
Doch im Sog des Portals verliert der Junge das Schwert und verbringt die nächsten fünfzehn Jahre damit, es auf der Erde zu suchen. Um auf der Erde zu überleben, hat er einen Job und lernt in der Personalabteilung die Welt der Menschen kennen. Bis er eines Tages das Schwert findet und in seine Heimat zurückkehren kann, um Etherina von Skeletors Herrschaft zu befreien.
Viel wird uns nicht erzählt von Adams Zeit auf der Erde, doch wir wissen, zu was für einem Mann er geworden ist. Einer, der im Rosa-Hemd im HR herumläuft und versucht, Konflikte mit Worten zu lösen. Der versucht im grauen Sweatshirt im Fitnessstudio, sich zumindest ein bisschen fit zu halten.
So ist er also unser Kino-”Prinz Adam”. Er wirkt ein wenig trottelig und spielt es, im Gegensatz zum Zeichentrick He-Man nicht. Doch es passt, um den Spagat zwischen den Welten zu nehmen.
Denn die Welt von Eternia, die wir kennenlernen, ist geprägt durch die Wahrnehmung eines zehnjährigen Prinzen, der nicht so ganz in diese Welt hineinpassen will. Die Welt uns Zuschauern so zu erklären, ist insgesamt ein wunderbarer Kniff. Wir erinnern uns, wie die Figuren aus der Masters of the Universe Welt heißen? Ram-Man, Mechaneck und Fisto ergeben als Namen für jemanden, die aus Erinnerungen eines Zehnjährigen stammen, plötzlich Sinn, egal wie obskur sie sind. Das ist der beste Einfall des Films, denn damit wird die größte Herausforderung gelöst: Wie erkläre ich die eindimensionale Schwarz/Weiß-Welt dieser Spielzeug-Reihe, in der so wenig Sinn ergibt und alles über Schablonen statt tiefen Figuren funktioniert.
Folgerichtig wählen sie den gleichen Ansatz für das Männerbild, das wir von Eternia gezeigt bekommen. Du musst der Stärkste im Raum sein, und alle Probleme können mit dieser Kraft gelöst werden.
Es tut dem Film gut, dass er sich selbst nicht ernst nimmt und dies auch direkt zu Beginn klar macht. Und so unterhaltsam ich den Film dadurch finden konnte, scheitert er leider immer wieder an der Limitierung der Vision des Filmschaffenden. Knight der sich für die Regie verantwortlich zeichnet, feierte seine größten Erfolge im reinen Animationsbereich. Scheinbar haben seine Erfahrungen mit Bumblebee aus dem Transformersfranchise acht Jahre zuvor nicht ausgereicht. Obwohl die Welt von Eternia bunt und vielfältig ist, wirken die Bilder und Set-Designs oft eben nicht. Bilder wirken oft zu nah und nach Fernsehserie.
Überrascht war ich, dass Jared Leto als Skeletor ohne zu sehen zu sein, doch erkennbar war. So ein Overacting passt zu dem Film, vor einigen Jahren noch hätten wir vermutlich Nicolas Cage in dieser Rolle gesehen. Als Gegenspieler von Eternias Helden war er eine wahre Freude. Gleiches gilt für Alison Brie, die als Evil-Lyn an seiner Seite brilliert und die Cliché-Gehilfin mimt. IdrisElba wirkt dafür genauso unterfordert, wie das Kostümdesign aussieht.
Masters of the Universe schafft es durch eine gute Mischung aus Leichtigkeit, Nostalgie und Selbstironie, das Franchise in einen wunderbaren Kinoabend zu bringen. Da kann man fast verschmerzen, dass der Film immer dann am schwächsten ist, wenn er eine Ebene über “Lass uns Dinge mit Gewalt” und „Seht her, wie kräftig ich bin“ einziehen möchte und damit versucht, He-Man in die Neuzeit zu transformieren. Andere Spielzeug-Verfilmungen wie Power Rangers bekamen das beide Male deutlich schlechter hin.
Original: Masters of the Universe
Regie: Travis Knight
Drehbuch: Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee
Darsteller: Nicholas Galitzine, Idris Elba, Camilla Mendes, Jared Leto, Alison Bree
Laufzeit: 141 Minuten
FSK ab 12 Jahren
Kinostart: 04. Juni 2026
IMDb Wertung 7.1 (06.06.2026)
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