Im Jahr 2012 brachte der Österreicher Marc Eisberg sein Buch Blackout auf den Markt. Sein erster Berührungspunkt mit mir sollte jedoch erst das bei Audible erschienene, extrem gut gemachte Hörspiel sein. Jahre später, als die Jubiläumsausgabe erschien, bekam ich diese Ausgabe zu Weihnachten geschenkt und las sie innerhalb weniger Tage durch.
Noch immer war ich verliebt in diese Detailtiefe, diese Vielfältigkeit in den Figuren und Schauplätzen. Aber auch, wie Elsberg es schafft, die Probleme im Zeitraffer für die Geschichte zu reduzieren und über so viele Seiten die Spannung zu halten, ohne dass ich mir vorkam, als müsste ich alle zwei Seiten über einen Cliffhanger springen.
Kein Wunder also, dass Eden es schaffte, mich ein weiteres Mal für so einen seitenstarken Roman zu gewinnen. Ich verschlang die fast 800 Seiten im Urlaub, in nur wenigen Tagen. Nicht nur, weil die mir sympathische Figur Piero Manzo auch wieder an Bord ist.
In einem karibischen Urlaubsort löst der Angriff eines riesigen Kalmars auf einen Walhai allgemeines Entsetzen aus, kurz darauf tauchen tote Fischschwärme vor Triest auf und der Amazonasboden trocknet in ungewöhnlichem Tempo aus. Zunächst wirken diese Vorfälle wie voneinander unabhängige Naturlaunen, doch nach und nach verdichten sich die Hinweise auf einen gemeinsamen, globalen Ursprung.
Der IT-Fachmann Piero Manzano speist die Daten in ein selbst entwickeltes KI-System, das ihm eine erschreckend eindeutige Prognose liefert: In wenigen Monaten könnte eine weltweite ökologische Katastrophe eintreten. Um Gehör zu finden, verbündet er sich mit dem einflussreichen Influencer Linus Strand und der Meeresbiologin Sarah Keller und bringt die Warnung an die Öffentlichkeit.
Diese Offenheit zieht jedoch einflussreiche Kräfte auf den Plan, die ein Interesse daran haben, das drohende Ausmaß der Krise zu vertuschen, und die drei zunehmend unter Druck setzen. Während die Fronten zwischen Warnenden und Verhinderern härter werden, zeichnet sich ab, dass die eigentliche Entscheidung noch bevorsteht.
Eden stellt sich die Frage, was mit unserer Welt passiert, wenn es tatsächlich zu spät ist, um den Klimawandel aufzuhalten. Wie bereits bei Black Out spult Elsberg hierbei die Ereignisse im Zeitraffer ab. Erneut ist beeindruckend, wie scheinbar leicht er die internationalen Schauplätze und Krisen zu seinem Plot verwebt.
Es ist mehr als glaubhaft, dass der IT-Experte Manzano von den Ereignissen in Black Out dermaßen geprägt ist, dass er sein Schaffen und die Kontakte aus dem Vorroman dafür nutzt, künftige Krisen vorherzusagen, damit Zustände wie bei den Stromausfällen nicht noch einmal passieren. Dazu schafft er so etwas wie eine aggregierende KI, die Spezialisten-KIs zusammenführt, um übergreifende Systeme zu erkennen. Was nur, wenn sie vor Einführung anfangen, anzuschlagen?
Erneut spielt die Geschichte an mehreren Orten gleichzeitig, viele handelnde Figuren tauchen immer wieder auf. Ein kurzes Personenverzeichnis am Ende des Buches ließ mich kurz aufhorchen, gab mir aber auch entsprechenden Halt. 1 Dabei wird neben den Personen auch erwähnt, in welchem Ort auf der Welt wir sie kennenlernen.
Zu Beginn des Romans hatte ich ein wenig die Sorge, dass es sich am Ende doch um eine große, menschengemachte Verschwörung handelt. Lass uns sie aufdecken und alles wird wieder gut. Ich möchte vorwegnehmen, dass das nicht der Fall ist. Es ist “nur” etwas anderes anderes menschgemachtes… nämlich der menschengemachte Klimawandel. Beruhigend und traurig zugleich.
Viel zu oft hatte ich im Buch das Gefühl, das passiert gerade, das ist gar nicht so weit weg. Die Anker, die Marc Elsberg in unsere Welt wirft, um seine fiktive, beschleunigte Möglichkeit mit uns zu verbinden, sie treffen und sind real.
Und jetzt habe ich das Buch gelesen und bin, nachhaltig traurig. Ich möchte nicht leben, in der Welt von Piero Manzano und mich beschleicht das Gefühl, dass ich es vielleicht bereits tue.
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Kleiner Funfact: Ich habe, glaube ich, einen Fehler gefunden. Einmal wird Sarah Keller als Sarah Weber angesprochen. Vermutlich wurde die Figur im laufenden Betrieb umbenannt und diese Stelle im fast 800 Seiten starken Koloss übersehen. Trübt auf keinen Fall das Erleben und irgendwie bin ich auch ein bisschen stolz, dass es mir bei den ganzen Namen aufgefallen ist.






