Vor einiger Zeit verbrachte ich ein Wochenende in Schwerin. Wir hatten ziemlich Glück mit dem Wetter, sodass wir durch die Fußgängerzonen der wunderbaren Altstadt schlenderten, bis ich an der Auslage im Schaufenster von Ein guter Tag hängenblieb. Ein wunderbarer Name für eine Buchhandlung, wie ich finde. Das Objekt, das mein Auge zu sich zog, war jedoch nicht die Buchhandlung selbst, sondern der Einband von Der Buchhändler von Gaza und so betrat ich das Geschäft, um dieses Buch zu finden.
Romane über Bücher haben gefühlt Hochkonjunktur. Die meisten davon sprachen mich bisher nicht an. Doch dieses Buch ist anders.
Wir begleiten Julien, der sich als westlicher Fotograf in Gaza befindet. Der Startzeitpunkt Geschichte ist nur grob auf einen Zeitraum vor dem 07. Oktober 2023 und damit vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel festgelegt. Während Julien durch die Straßen von Gaza (Stadt) wandert, entdeckt er den Buchhändler Nabil, der vor seinem Laden sitzt und liest. Er möchte ein Foto von ihm machen und bittet ihn dafür um Erlaubnis. Der ältere Mann, dessen Name Nabil ist, schlägt vor, dass er dafür zunächst seine Geschichte kennenlernen müsse. Von da an erzählt Nabil Julien die Geschichte seines Lebens über mehrere Tage.
Alles ist Bruchstück: ihre Gespräche, die wenigen Bissen, ihre verschütteten Erinnerungen. So viele Momente, die sie der Zeit dieser Ironie der Zerstörung entrissen haben. Manchmal steht jemand hektisch auf und durchsucht die Trümmer nach plötzlich Unverzichtbarem.
Richard Benzin erzählt die Geschichte aus Julians Perspektive, allerdings wählt er dabei die direkte Ansprache. “Du gehst die Straßen von Gaza entlang”. Wir sind Julien, das nimmt der Geschichte ihre Distanz und setzt uns ihr unmittelbar aus. Die Lebenswelt von Menschen in Gaza kann uns ferner in Deutschland, in Westeuropa, nicht sein. Nabil ist geboren, kurz bevor er seine Heimat verlassen musste. Seine ersten Kindheitstage verbringt er in Lagern. Später in einem improvisierten Staat, der niemals ganz ist. Jetzt gerade ist Gaza wieder in unserem Fokus, doch immer wieder verlieren wir ihn und vergessen, dass der Nahe Osten existiert, dass diese chaotische Lebenswelt existiert. Benzin macht Nabil zum Stellvertreter und die Geschichte wird von ihm in einer direkten, trotzdem fast poetischen Sprache erzählt. Eine Sprache, die es schafft, mich in den insgesamt 128 Seiten emotional zu berühren, sodass ich tatsächlich feuchte Augen beim Lesen bekam. Eine klare Empfehlung, dieses Buch zu lesen.




Ist bereits auf meiner Leseliste, freue ich mich drauf. Und ich liebe die Hochkonjuktur der Bücher über Bücher: Hole heute eine Bücher-Bestellung ab, darunter " Frau Komachi empfiehlt ein Buch." 😃