Eigentlich war “Bugonia” bereits aus den Kinos verschwunden, doch im Vorlauf zu den Oscar-Verleihungen hat sich die Kinokette UCI entschieden, einige Oscar-Kandidaten erneut zu zeigen. Glück für mich, denn mich faszinierte die irrwitzige Geschichte schon bei der Sichtung des Trailers. Zwar konnte der Film keine seiner vier Oscar-Nominierungen über die Ziellinie bringen, doch scheint sich die Filmografie von Yorgos Lanthimos weiter zu einem Must-see zu entwickeln.
Teddy (Jesse Plemons) ist augenscheinlich ein wirrer Eigenbrötler, der glaubt, dass die bekannte Firmenchefin Michelle Fuller (Emma Stone) eine Außerirdische ist. In seinem Glauben bestärkt, entführt er sie gemeinsam mit seinem Cousin. Aus seiner Sicht ist dies die einzige Möglichkeit, die Welt vor dem Untergang zu retten. Was nun folgt, bewegt sich irgendwo zwischen Verhör, Wahnsinn und schwarzer Komödie.
Getragen wird dieser Trip durch das starke Schauspiel zweier Menschen, die hier klar im Zentrum stehen. Es überrascht mich, dass wir nur Emma Stone und nicht ihr starkes Gegenstück Jesse Plemons auf der Liste der Oscar-nominierten finden. Beide profitieren sowohl voneinander als auch von dem künstlerischen Rahmen, den Lanthimos’ Regie setzt. Starke Bilder im ungewöhnlichen 1,5:1 Bildformat kontrastieren die Figuren fantastisch. Immer wieder wird die Dramatik des Erzählten gekonnt durch den schwarzen Humor gebrochen. Plemons spielt den Verschwörungstheoretiker Teddy mit einer physischen Präsenz, die beeindruckend ist. Nicht nur wirkt er schmal und abgemagert, auch ist die Spannung in der Luft fast greifbar, wenn Stones Figur ihn immer wieder mit der realen Welt konfrontiert und seinen selbstsicheren „Ich allein verfüge über die echte Wahrheit“-Habitus ins Wanken bringt.
Alle Teile wirken so gut ineinandergreifend, man könnte fast vergessen, dass es sich “nur” um ein Remake des südkoreanischen “Save the Green Planet!” von 2003 handelt. Wer “Bugonia” noch nicht gesehen hat, sollte den Wikipedia-Artikel zu diesem Film eher meiden. Zwar unterscheiden sich beide Werke in einigen Aspekten, doch sollte man trotzdem tunlichst vermeiden, etwaige Twists oder Spoiler darüber zu erfahren. Insgesamt ist es jedoch nicht verwunderlich, dass “Bugonia” eine Nominierung für das „Beste adaptierte Drehbuch“ hat. Der Übertrag aus der südkoreanischen Kultur und die Aktualisierung einiger Aspekte sind wunderbar gelungen.
Für mich ist “Bugonia” eine klare Empfehlung. Zum Abschluss noch ein kleiner Fun Fact für die nächste Party unter Filmnerds: Bugonia ist ein stehender Begriff aus dem antiken Griechenland, der die Entstehung von Bienen aus toten Ochsen beschreibt – man glaubte damals, dass neues Leben aus toter Materie hervorgehen könne. Ein wirklich intelligenter Filmtitel.


