Unverhofft sollte ich sechs Stunden im Auto sitzen. Da war es Zeit, mein Hörbuch-Konto mal wieder aufleben zu lassen. Früher saß ich viel mehr im Auto, da hörte ich einige. Meist lese ich doch lieber selbst.
Dieses Mal wurde es Blut von Yrsa Sigurdardóttir. Ein Buch, das ich schon viele Male in der Hand hatte. Jetzt also als Hörbuch. Wie so viele skandinavische Hörbücher (bei mir war es die Oxen-Reihe) wird dieses gelesen von Dietmar Wunder, den die meisten als Stimme vom ehemaligen Bond Schauspieler Daniel Craig kennen. Ich freue mich darauf.
Die junge Gunndís, die davon träumt, Schiffsköchin zu werden, heuert kurzfristig als Aushilfe auf einem Fischtrawler vor Islands Küste an, weil der eigentliche Koch nicht erschienen ist. Bei schlechtem Wetter und leeren Netzen wird die Stimmung auf dem Schiff immer gereizter, und Gunndís beginnt um ihr Leben zu fürchten, auch wegen eines Geheimniss das mit ihrem Vater zusammenhängt. An Land wird in einer Recyclinganlage ein menschliches Skelett ohne Schädel entdeckt, und in einer ruhigen Wohnsiedlung in Grindavík führen zwei Nachbarehepaare einen erbitterten Streit, der bald die ganze Straße erfasst. Die örtliche Polizei holt die Ermittler Karó und Týr aus Reykjavík zu Hilfe, während auch der junge Ketill aus einer der zerstrittenen Familien den Konflikt aus seiner Sicht erlebt. In allen drei Handlungssträngen spitzt sich die Lage zu, bis die Geschehnisse auf See und an Land unaufhaltsam auf eine Entscheidung zusteuern.
Okay, auch wenn es in meinen Kritiken noch nicht viel zu lesen gab, ich liebe Island-Thriller. Ich habe ohne Ende davon gelesen, doch das letzte halbe Jahr, war für mich, was das angeht, rar. Bisher hatte ich noch kein Buch aus Island gehört. Für mich haben die isländischen Namen alle ganz eigene Versionen, obwohl in den Büchern immer die Aussprache hinten erklärt wird. Vor allem macht mir am Anfang zu schaffen, dass hier viele verschiedene Personen und Handlungsstränge eingeführt werden. Das fordert meine Aufmerksamkeit sehr, doch hier ist mir die gute Vorlesestimme eine Hilfe.
Dietmar Wunder liest wie immer wunderbar. Gibt es eigentlich irgendwo ein Feature, bei dem man danach filtern kann, wer ein Hörbuch liest? Seine Dynamik und auch die Veränderungen in den Stimmen machen es mir leicht, zuzuhören und zum Glück auch die unterschiedlichen Figuren zu verfolgen. Er spielt sie ein bisschen, das gefällt mir genauso gut wie die Geschichte selbst.
Yrsa schafft es, uns die drei Geschichten (Knochenfund, Köchin auf dem Meer, Nachbarschaftsstreit), die scheinbar nichts gemein haben, wunderbar zu verknüpfen. Dabei spielt sie mit Zeitebenen, wirft uns jedoch auch verschiedene kleine Verknüpfungs-Geschichten mit ein, die nicht direkt auffallen und im Nachhinein Aha-Momente der Extra-Klasse auslösen. So möchte ich mich fühlen bei einem Thriller. Gefangen in der Geschichte, wie die Fische im Netz auf dem isländischen Trawler.
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