Dieses Buch habe ich tatsächlich schon vor einer ganzen Zeit gekauft, doch erst jetzt gelesen. Immer wieder zog mich der Titel magisch an. Dabei war es nicht sein stylishes Cover mit dem dunkelblauen Farbschnitt, sondern sprichwörtlich der Titel. Asa ist der Name meiner Lieblingstante. Und so hatte ich es viele Male in der Hand, bis ich im Dussmann in Berlin bei einer von Drvenkar signierten Version am Ende doch schwach geworden bin.
Asa hat die letzten sechs Jahre ihres Lebens verloren. Jetzt ist sie wieder frei und macht sich auf den Weg, eine Tradition zu zerstören, die ihre Gemeinschaft seit Generationen prägt und zum Tod unschuldiger Menschen geführt hat.
Als ich Asa anfing zu lesen, wusste ich wenig. Cooles Cover, steht groß Thriller drauf und das Buch heißt wie meine Tante. Sowohl der Klappentext als auch der Text, den ich euch jetzt als Inhaltsangabe gegeben habe, lesen sich wie ein klassischer Rachethriller.
Und das ist auch richtig, und gleichzeitig habe ich mich geirrt. Bereits nach einigen Kapiteln wird klar, dass Asa nicht die einzige Hauptfigur in diesem Roman ist. Sie ist unser Anker, um den sich die über 100-jährige Geschichte der Familie Kolbert erzählen lässt und der zwei Weltkriege einbezieht. Drvenkar nutzt seine fast 700 Seiten weise und erzählt uns die Geschichte nicht chronologisch, sondern wie sie sich dem allwissenden Erzähler und auch Asa erschließt: logisch, aber immer bruchstückhaft. Bis wir und auch Asa das ganze Bild erkennen können.
Auf dieser Reise stellt uns der Roman Fragen. Was geben wir von einer Generation in die andere weiter, wenn das Leben nicht immer leicht zu dir ist? Was, wenn du so weit weg vom Ursprung bist, dass die Geschichten und Traditionen zum Zerrbild werden und doch die erste Generation widerspiegeln? Entweder im Großen in unserer Gesellschaft oder im Kleinen bei einer Beziehung zwischen zwei oder drei Menschen.
Der Roman hat bereits mehrere Preise gewonnen und ist für weitere nominiert. Das Label Thriller wirkt für mich nach dem Lesen zu wenig, er ist so viel mehr, unter anderem ein Generationenroman.
Immer wieder erwischte ich mich dabei, doch ein paar Seiten weiterzulesen, als die Müdigkeit im Bett mich eigentlich gelassen hätte. Immer wieder freute ich mich darauf, die Menschen durch die Zeit wiederzuentdecken. Manchmal, weil ich schon wusste, wie jemand sein wird, manchmal, weil mich interessierte, wie der Mensch zu dem geworden ist.
Nur kurz war ich von Zoran Drvenkars Art, Dialoge zu schreiben, irritiert. Er leitet die sprechenden Personen mit einem Spiegelstrich ein. Das war mir so vorher noch nicht begegnet, fügt sich jedoch wunderbar in den Rhythmus seiner Sprache ein. Denn wie die Dialoge fühlt sich die Sprache roh und direkt an, ganz eben wie der Erzähler es braucht, um Asa zu adressieren, denn die Geschichte wird nicht uns Lesenden, sondern ihr erzählt. Und wir als Lesende dürfen dabei sein, aus der zweiten Reihe, in sicherer Entfernung.




Oh, das ist eine für mich hoch interessante Empfehlung. Ein Generationenroman. Ich bin ein Kind der Kriegskindergeneration und - ich nenn es mal - damit im Spätherbst meines Lebens. Da tun sich automatisch die Fragen auf, was wurde mir weitergegeben? Was erkenne ich von Eltern und Großeltern wieder? Was habe ich weitergegeben? Und sehr oft: Was fühlt sich heute dabei richtig an?