<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Das angebrochene Leben: angebrochen]]></title><description><![CDATA[Essays über das Leben in der Mitte – Arbeit, Körper, Freundschaft, Kultur. Aus dem Alltag eines Nobody, der ein Everybody ist. Vielleicht findest du dich darin wieder.]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/s/angebrochen</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!EDgG!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F01ec018e-04ae-4a62-97a1-fc368053f67e_256x256.png</url><title>Das angebrochene Leben: angebrochen</title><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/s/angebrochen</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Thu, 07 May 2026 00:09:21 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.dasangebrocheneleben.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Kay Puppa]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[kay@dasangebrocheneleben.de]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[kay@dasangebrocheneleben.de]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Kay Puppa]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Kay Puppa]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[kay@dasangebrocheneleben.de]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[kay@dasangebrocheneleben.de]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Kay Puppa]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Ich war niemand, bis ich die Maske aufsetzte]]></title><description><![CDATA[Schlechter Schlaf, verlorene Energie und die sp&#228;te Erkenntnis, dass ich aufgeh&#246;rt hatte, ich selbst zu sein.]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ich-war-niemand-bis-ich-die-maske</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ich-war-niemand-bis-ich-die-maske</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 May 2026 05:34:48 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Ich war der m&#252;deste Mensch der Welt, so etwas gibt es eben. Immerhin gibt es unglaublich viele Gr&#252;nde, warum man m&#252;de sein kann, und das, obwohl man schl&#228;ft. Falsche Ern&#228;hrung, zu wenig Bewegung, schlechte Raumluft, komisches Wetter, irgendwas eingefangen&nbsp;&#8211; aber auch &#220;bergewicht kann m&#252;de machen. Irgendwann hatte ich mich daran gew&#246;hnt, m&#252;de zu sein, und auch auf der Arbeit oder anderenorts nahmen die Menschen hin, dass ich st&#228;ndig g&#228;hnte. Nach einigen Jahren war jedem klar: Ich bin nicht gelangweilt, ich bin bei der Sache, ich wollte auch nicht unh&#246;flich sein, doch ich war einfach m&#252;de. F&#252;r unglaublich viele Jahre, mittlerweile konnte ich es auf etwa acht eingrenzen, war ich einfach immer m&#252;de. Ich schlief fr&#252;h ein. Sobald ich im Bett anfing zu lesen, fielen mir die Augen zu. Wenn ich nach acht Uhr fernsehen schaute, sah ich mich schnell nur noch von innen an. So nannte es meine Gro&#223;mutter, immer wenn sie im Sessel schlief und wir Enkel fragten, ob sie gerade schl&#228;ft. &#8222;Nein, ich guck&#8217; mich nur von innen an&#8220; sagte sie dann immer.</p><p>Warum ich wirklich immer m&#252;de war, ahnte ich, wenn ich ehrlich bin, schon l&#228;ngere Zeit. Auch weil ich sp&#252;rte, dass ich mich ver&#228;nderte. Es war keine pl&#246;tzliche Ver&#228;nderung, sie schlich sich ein, ganz langsam, und war gerade deshalb f&#252;r mich so schwer zu fassen. Als ich vor vier Jahren aus einem anderen Grund im Krankenhaus war, hatte jemand eine gute Nase und ich wurde dort auf Atemaussetzer untersucht. Daf&#252;r bekommt man so ein kleines Ger&#228;t umgeh&#228;ngt, einen Sauerstoffsensor an einen der Finger und dann noch einen durchsichtigen Schlauch, der mit so zwei kleinen Ausl&#228;ufern in die Nasenl&#246;cher geht. Das Ganze gut festtapen und dann versuchen, entspannt oder &#252;berhaupt einzuschlafen. Die Situation im Krankenhaus war ohnehin alles andere als entspannt. Ich sah aus wie ein Borg aus Star Trek, das sind die b&#246;sen Wesen, die teilweise aus Maschinenteilen bestehen. Bei der Entlassung bekam ich das Ergebnis der Schlafanalyse mitgeteilt: Mir wurde dringend nahegelegt, kurzfristig ein richtig eingerichtetes Schlaflabor aufzusuchen.</p><p>Das ist gar nicht so leicht, wie man denkt. Inzwischen sind wir alle gewohnt, dass es bei Fach&#228;rzten etwas l&#228;nger dauert. Allerdings ist es mit Schlaflaboren noch eine Nummer spannender: Nicht nur, dass wir deutlich mehr potenzielle Patienten als Labore haben, nicht alle Krankenkassen arbeiten mit allen Schlaflaboren zusammen. Ich hatte doppelt Gl&#252;ck: Nicht nur, dass ich ein gut mit der Bahn erreichbares Krankenhaus fand, nein, ich hatte sogar bereits in einem Monat einen Termin. Die Voruntersuchung hatte ich kurzfristig hinter mich gebracht und hatte schon meinen Termin f&#252;r zwei N&#228;chte Laborschlaf. Doch es kam anders. Zwei Jahre nach Start der Pandemie erlag ich meiner ersten Corona-Infektion, und so wurden aus einem Monat Wartezeit drei. Eine Lungenerkrankung hat wohl l&#228;nger Auswirkungen auf die Atmung im Schlaf.</p><p>Wer noch nie in einem Schlaflabor war, kann sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen man dort schl&#228;ft. Fragt mich nicht, warum, ich hatte ein Zimmer mit Spiegelscheibe wie im Verh&#246;rraum im Kopf, bei dem man von der anderen Seite aus &#252;berwacht wird. <br>Die Wahrheit ist &#252;berraschend unspektakul&#228;r. Das Zimmer wird nach morgendlicher Voranmeldung am Empfang per Late-Check-in um 21 Uhr bezogen. Es handelt sich dabei um ein normales Krankenhauszimmer, in dem gut zwei Betten stehen k&#246;nnten, doch es steht nur eines drin und entsprechend leer wirkt das Zimmer. Einzige Sondereinrichtungen sind Mikrofon und Infrarotkamera, die von der Wand knapp unter der Zimmerdecke zu einem runterstarren.</p><p>Das kleine ambulante Messger&#228;t, das ich schon kannte, hat jetzt auch zig weitere seiner Sensorkumpels mitgebracht. Herzschlag, Arm- und Beinbewegung, K&#246;rperlage (R&#252;cken-, Seiten- oder Bauchschl&#228;fer?) waren neu im Team. Ich bin mir nicht sicher, ob nicht sogar Sensoren dabei waren, die versuchten, meine Kieferbewegung zu erfassen. Vielleicht vermische ich da meine Erinnerung, denn ich habe von einem Arzt gelernt, dass Atemaussetzer durchaus etwas mit Z&#228;hneknirschen zu tun haben k&#246;nnen&nbsp;&#8211; beide k&#246;nnen sich in einem Teufelskreis gegenseitig verst&#228;rken.</p><p>Allein schon in meinem eigenen Bett h&#228;tte ich massive Probleme, unter diesen Bedingungen zu schlafen. Jetzt versuchen wir das Ganze mal in einem Krankenhausbett in einem Raum, in dem man verloren wirkt, mit dem Wissen, dass man beobachtet wird. Unangenehm. <br>Ein Segen war f&#252;r mich die Krankenschwester, die sehr zur Beruhigung der Situation beigetragen und mir viel erkl&#228;rt hat. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle, Jobs wie eure sind nicht die leichtesten, aber ich bin mehr als dankbar, dass ihr sie macht. <br>Sie legte also alle Sensoren an und verabschiedete sich mit dem Hinweis, dass ich doch bitte m&#246;glichst bis sp&#228;testens 23 Uhr schlafen sollte, damit wir ein paar gute Stunden hinbekommen. Denn um f&#252;nf Uhr gr&#252;&#223;t der Morgen wieder. Druck, schnell schlafen zu m&#252;ssen, hilft ja bekanntlich beim Einschlafen. Am Rand gab sie mir den Hinweis, dass ich jedoch auf die zweite Nacht verzichten k&#246;nnte, wenn die Schlafaussetzer schon fast wieder weg w&#228;ren, denn ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits einige Kilogramm abgenommen, so etwas soll vorgekommen sein. Der Ausblick half mir wiederum, einzuschlafen.</p><p>Am n&#228;chsten Morgen f&#252;hlte ich mich wie ger&#228;dert. Die Nacht wurde einmal unterbrochen, weil ich einen der Sensoren am Bein im Schlaf abgestrampelt hatte und dieser neu angesetzt werden musste. Mit dem Morgengru&#223; erhielt ich die Information, dass es leider doch zu einer zweiten Nacht kommen wird. Am liebsten w&#228;re ich nach Hause und direkt ins Bett gefahren, doch berufliche Termine hielten mich wach, mein G&#228;hnen kannten die Kolleg:innen bereits. Doch die M&#252;digkeit sollte mir bei der zweiten Nacht helfen, einzuschlafen. </p><p>In der zweiten Nacht, lernte ich meinen neuen Bettpartner kennen, ein sogenanntes CPAP-Ger&#228;t. CPAP steht f&#252;r Continuous Positive Airway Pressure. Ein solches Ger&#228;t erzeugt einen dauerhaften Luftdruck, damit die Atemwege offen bleiben. Mit der ersten Nacht war f&#252;r die &#196;rzte also nachgewiesen, dass ich immer noch zu viele Atemaussetzer im Schlaf habe. Das ist ein Problem, weil man im Schlaf nicht mal eben den Atem anh&#228;lt, sondern aufgrund der zusammenfallenden Atemwege kurz erstickt und der K&#246;rper dementsprechend in den Panik-Modus geht. Immerhin bleibt ihm sprichw&#246;rtlich die Luft weg und der Sauerstofflevel im Blut sinkt. Das hat weitere Nebenwirkungen, zum Beispiel kommt man so nicht gut oder &#252;berhaupt nicht in Tiefschlafphasen, die der K&#246;rper jedoch unbedingt braucht. Das Fehlen eben dieser Phase sorgt n&#228;mlich daf&#252;r, dass man sich tags&#252;ber ausgelaugt f&#252;hlt, weniger leistungsf&#228;hig ist und zum Beispiel auch leichter reizbar. Denn normalerweise wird in dieser Phase des Schlafs vom K&#246;rper Organisations- und Reparaturarbeit erledigt. Er sch&#252;ttet in dieser Zeit wichtige Hormone aus, regeneriert Zellen, st&#228;rkt das Immunsystem und beschleunigt Heilungsprozesse. Es gibt vielleicht diverse Dinge, die ich an dieser Stelle noch erw&#228;hnen k&#246;nnte, aber ich glaube, du bekommst eine Ahnung, dass Schlaf durch nichts zu ersetzen ist.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg" width="1456" height="971" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:971,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:462154,&quot;alt&quot;:&quot;Eine CPAP-Schlafmaske liegt auf einem dunkelblauen Kissen vor einem regennassen Fenster. Im Hintergrund erhebt sich bei Nacht eine d&#252;stere Metropole mit gotischen Wolkenkratzern und vereinzelten Lichtpunkten &#8211; die fiktive Stadt Gotham City, bekannt aus dem Batman-Universum. Die Szene ist in k&#252;hles Blaulicht getaucht und vermittelt eine melancholische, noir-hafte Atmosph&#228;re.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/i/192193462?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Eine CPAP-Schlafmaske liegt auf einem dunkelblauen Kissen vor einem regennassen Fenster. Im Hintergrund erhebt sich bei Nacht eine d&#252;stere Metropole mit gotischen Wolkenkratzern und vereinzelten Lichtpunkten &#8211; die fiktive Stadt Gotham City, bekannt aus dem Batman-Universum. Die Szene ist in k&#252;hles Blaulicht getaucht und vermittelt eine melancholische, noir-hafte Atmosph&#228;re." title="Eine CPAP-Schlafmaske liegt auf einem dunkelblauen Kissen vor einem regennassen Fenster. Im Hintergrund erhebt sich bei Nacht eine d&#252;stere Metropole mit gotischen Wolkenkratzern und vereinzelten Lichtpunkten &#8211; die fiktive Stadt Gotham City, bekannt aus dem Batman-Universum. Die Szene ist in k&#252;hles Blaulicht getaucht und vermittelt eine melancholische, noir-hafte Atmosph&#228;re." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vVgI!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0622bf73-0abc-4a7b-8cf1-dea85a52ef63_1536x1024.jpeg 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Der Druck vom Ger&#228;t kann auf zwei Arten angelegt werden. Entweder mit einer sogenannten Nasenmaske oder einer Fullface-Maske. Beides ist in der Kassenausf&#252;hrung definitiv nicht super sexy, allerdings auch nicht ann&#228;hernd so schlimm, wie es in Serien und Filmen dargestellt wird. Die Bilder, die wir im Kopf haben, sind &#252;bertrieben&nbsp;&#8211; das Ger&#228;t ist leise, und es wirkt weniger nach Krankenhaus als nach schickem Radiowecker. Ein Freund dr&#252;ckte es richtigerweise mal so aus, als er bemerkte, dass ich ein solches Ger&#228;t besitze: &#8222;Lieber Maske auf&#8217;m Kopf als jede Nacht alle paar Minuten fast zu sterben.&#8220; Recht hat er.</p><p>Doch das wusste ich noch nicht, als mir die zweite Nacht bevorstand und ich am Morgen zu Hause allein mit meinen Gedanken war. Bei mir im Kopf waren all die negativen Darstellungen des Ger&#228;tes, das mich ab jetzt begleiten w&#252;rde. Und ein weiterer Gedanke: Acht Jahre, wer h&#228;tte ich sein k&#246;nnen, w&#228;re ich wach gewesen? W&#228;re mein Leben anders verlaufen? <br>Ich war aufgew&#252;hlt. Ich habe geweint. Nicht nur weil ich Sorge hatte vor dem, wie sich mein Leben jetzt ver&#228;ndern w&#252;rde, sondern auch, weil mir klar wurde, dass ich dieses Problem vor Jahren h&#228;tte beheben k&#246;nnen und m&#252;ssen. </p><p>Also ging es nach einem emotional harten Tag in das Krankenhaus f&#252;r Nacht Nummer zwei. Es begr&#252;&#223;te mich die gleiche Schwester, diesmal mit einer Nasenmaske in der Hand. W&#228;hrend des Schlafens &#246;ffnete ich den Mund und der aufgebaute Druck entwich&nbsp;&#8211;&nbsp;w&#228;re das doch nur immer so leicht.<br>Doch hier war der Druck erw&#252;nscht und ich bekam eine andere Maske, die Mund und Nase abdeckte. Als Resultat schlief ich die Nacht von da an durch und per Fernsteuerung wurde der Druck f&#252;r mich perfekt eingestellt.</p><p>Als ich aufwachte, stieg Panik in mir auf. Mein Hals f&#252;hlte sich an, als w&#228;re er aus Papier, nein, trockener.&nbsp;Atmen tat weh. Ein furchtbares Gef&#252;hl, das sollte ich jetzt jede Nacht erleben? Wieder beruhigte mich die Schwester und erkl&#228;rte mir, dass es so kleine Zusatzger&#228;te gibt, welche die Luft befeuchten, bevor die Drucks&#228;ule aufgebaut wird. Ich ging nach Hause und wollte mich noch ein wenig aufs Ohr hauen. Auch wenn ich schlecht schlief, konnte ich fr&#252;her immer gut einschlafen, doch nicht an diesem Tag. Ich war wach. Wenige Stunden Tiefschlaf, es k&#246;nnen maximal vier gewesen sein, reichten, damit ich zumindest schon mal nicht direkt wieder einschlafen konnte. Und so begann ich den Tag mit einem ziemlich positiven Grundgef&#252;hl. Bis zur Besprechung der Ergebnisse fast eine Woche sp&#228;ter.</p><p>Dass man jedes Mal, wenn der Atem aussetzt, etwas dem Tode nahe steht, hatte ich bereits geschrieben. Diese Atemaussetzer werden gez&#228;hlt und geteilt durch die Schlafstunden ergibt dies den sogenannten AHI. Ab einem AHI von mehr als 15 sollte die Schlafapnoe unbedingt behandelt werden, ab mehr als 30 spricht man von einer schweren Schlafapnoe. Damals bei meinem Krankenhausaufenthalt wurde ein Wert von &#252;ber 50 notiert. Kein Wunder, dass die &#196;rzte einen dringenden Handlungsbedarf in dieser Richtung sahen. Die positive Nachricht: Nach der Abnahme von rund 15 Kilogramm hatte ich im Schlaflabor bereits nur noch einen Wert von 25. Immer noch streng behandlungsbed&#252;rftig, doch die Nachricht, die mir der Arzt mit auf den Weg gab, war eindeutig: Abnehmen k&#246;nnte dazu f&#252;hren, dass das Ger&#228;t wieder aus dem Schlafzimmer verschwindet, und wir werden uns jetzt j&#228;hrlich zur Kontrolle wiedersehen.</p><p>Ich kann dir, falls du in irgendeiner Form st&#228;ndig m&#252;de bist oder schnarchst, nur empfehlen, das ernst zu nehmen und auf den Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu h&#246;ren oder &#252;berhaupt mal zu einem zu gehen. Die Angew&#246;hnungsphase war unangenehm, doch schlafe ich im Schnitt sechseinhalb Stunden pro Nacht und ich schlafe durch. Das sind bei weitem nicht die einzigen Vorteile. Ich erw&#228;hnte das Schnarchen, es ist weg und das Ger&#228;t so fl&#252;sterleise, dass meine Partnerin seitdem nicht mehr mit Ohropax schlafen oder das Weite suchen muss. Es ist also nicht nur f&#252;r einen selbst gut, sondern auch f&#252;r andere. Zus&#228;tzlich h&#246;rt man einfach auf zu sterben. Brauchen wir wirklich noch irgendeinen weiteren Vorteil?</p><p>Halt, ich will nicht &#252;bertreiben. Ich g&#228;hne zwar immer noch, aber nicht mehr durchgehend, vielleicht bin ich jetzt aus richtigen Gr&#252;nden m&#252;de. Sp&#228;t ins Bett gehen zum Beispiel, weil ich mein Leben genie&#223;e.<br>Ich bin ausgeglichener, ich kann wieder kreativ arbeiten, habe neben dem Beruf noch Elan f&#252;r andere Dinge, wie diesen Essay. </p><p>Ich war sehr leer die letzten Jahre. </p><p>Mein Job war zwar anspruchsvoll und hat mich gefordert, doch w&#228;re ich dieser Herausforderung ausgeruht deutlich leichter gewachsen gewesen. Wenn ich es richtig rekonstruiert habe, habe ich meinen K&#246;rper vor acht Jahren und damit fast parallel zu meiner Karriere in eine Abw&#228;rtsspirale geschickt. Irgendwann hatte ich ein Gewicht erreicht, da fing das mit den Aussetzern im Schlaf an. Denn ich kann mich erinnern, dass ich jahrelang immer wieder Halsschmerzen nach dem Aufwachen hatte oder Kopfschmerzen. Ich wachte nachts immer wieder auf. Das alles ist jetzt weg. Ich nutze tats&#228;chlich kaum noch Kopfschmerztabletten, ich schlafe durch. Es ist r&#252;ckblickend Wahnsinn, dass ich meine berufliche Karriere hinbekommen habe, obwohl ich meinem K&#246;rper parallel so viel von dem genommen habe, was er ben&#246;tigt.</p><p>Bane, der Antagonist in <em>The Dark Knight Rises</em>, dr&#252;ckte es so aus: &#8222;No one cared who I was until I put on the mask&#8220;. Das trifft auf mich nicht ganz zu, doch ich war nicht mehr ich.</p><p>Ich war ein Ich auf Sparflamme, ich war niemand, bis ich die Maske aufsetzte.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Du m&#246;chtest, dass ich wach bleibe und weitere Texte schreibe? Unterst&#252;tze mich gern mit einem Abo und bekomme sie auch noch direkt in dein E-Mail Postfach :)</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Lass es sein]]></title><description><![CDATA[Wie ein einziger Satz eine Stimme zum Schweigen brachte]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/lass-es-sein</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/lass-es-sein</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Wed, 22 Apr 2026 05:17:46 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 2005 habe ich meinen Abschluss an der Oberstufe gemacht, doch drei Jahre zuvor fand ein ganz anderer H&#246;hepunkt in meinem Leben statt: der Abschluss der Mittelstufe mit der zehnten Klasse und damit die Abschlussfeier, auf der ich meinen bisher einzigen Auftritt vor gr&#246;&#223;erem Publikum hatte.</p><p>Eines Tages in der Mittelstufe kam ein neuer Lehrer an die Schule. Er begeisterte mich nicht f&#252;r Wissen, womit er mich jedoch beeinflusste, war seine Liebe zur Musik.<a class="footnote-anchor" data-component-name="FootnoteAnchorToDOM" id="footnote-anchor-1" href="#footnote-1" target="_self">1</a> Er gestaltete den Musikunterricht moderner, als wir es gewohnt waren. Nat&#252;rlich brachte er uns auch die Tonleiter und ein paar Handgriffe am Klavier bei. Doch analysierten wir jede Doppelstunde entweder ein ernstes, klassisches Musikst&#252;ck oder einen modernen Vertreter, der von uns Sch&#252;lern mitgebracht wurde. Das f&#252;hrte dazu, dass ich begann, Musik mit anderen Augen zu sehen. Nicht mehr als ein reines Konsummittel, das sich auf Knopfdruck abspielen l&#228;sst. Vielmehr als komplexes Konstrukt, in das viele Menschen ihre Leidenschaft hineinlegen und damit etwas wunderbar Emotionales und Lebendiges schaffen, indem jeder seinen Teil dazu beitr&#228;gt, um ein Bild mit Musik zu malen.</p><p>Wahrscheinlich half es, dass er, wie ich heute wei&#223;, nicht nur Bass spielen konnte, sondern auch selbst, in verschiedenen Combos, oft auf der B&#252;hne stand und ihm die Live-Musik sehr im Blut lag.</p><p>Mit mehreren Jahren Vorlauf bereitete er uns auf unseren gro&#223;en Auftritt in der Aula zu unserem Abschiedsfest in der Schule vor. Ein Konzert vor Eltern, Geschwistern und Mitsch&#252;lern aus drei Klassen des eigenen Jahrgangs. Zweihundert bis zweihundertf&#252;nfzig Menschen, wenn man noch ein paar Lehrer und nur wenige Geschwister einrechnet und etwa 20 Sch&#252;ler pro Klasse zugrunde legt. Eine beeindruckende Zahl, die damals f&#252;r mich noch nicht greifbar und ohne Relation war.</p><p>Wir waren eine gro&#223;artige Schulband, die nur f&#252;r diesen einen Zweck existierte und vermutlich gar nicht so gro&#223;artig war. Einige aus unserer Klasse hatten auch schon au&#223;erhalb des Unterrichts ein Instrument gelernt und konnten sich gut einbringen. Doch auch f&#252;r Anf&#228;nger hatte unser Lehrer ein Herz, sodass einige Instrumente sogar mehrfach vorkamen. Wer jetzt denkt, solche Instrumentenvielfalt h&#228;tten wir f&#252;r die komplexe Musik gebraucht, die wir gespielt haben, irrt. Unser Repertoire bestritten wir aus den 1950er und 1960er-Jahren. Coverversionen von <em>Eight Days A Week </em>der Beatles, Nat King Coles<em> Route 66 </em>und vor allem Chuck Berrys <em>Johnny B. Goode</em> waren der Grundstock unseres musikalischen Wirkens. Musik, in die ich mich auch wegen dieser Geschichte verliebte.</p><p>Mein Onkel war Mitglied in einer Blues-Rockband, sodass ich diese Musik von klein auf kannte. Ich mochte die Musik und begab mich immer tiefer hinein, ohne selbst je wirklich ein Instrument zu beherrschen. Zumindest kein anderes als meine Stimme, denn das war mein Beitrag zu dem Ganzen. Ich sang aus vollem Herzen und, wie ich auch heute noch glaube, mit einigem K&#246;nnen die Lieder dieser Zeit.</p><p>Tats&#228;chlich schrieb ich auch Lieder, textete zum vierzehnten Geburtstag einer Freundin ein Lied, das ich mit dem Gitarristen, der auch in der Schulband war, auff&#252;hrte. Sowieso war Musikh&#246;ren und Musikmachen in der Zeit ein gro&#223;er Teil meines Lebens. Genauso wie f&#252;r besagten Gitarristen. Er und ich hingen oft miteinander rum. Wir feierten viel, spielten und gaben unser eingeschr&#228;nktes Repertoire zum Besten.  Vor dem Abschluss wollte ich noch mit ihm eine richtige Band gr&#252;nden, immer weitermachen und auch eigene Songs spielen. Ohne den Rahmen, den uns die Schule bot, zerfielen diese Fantasien nach und nach, wie unsere Freundschaft. Dieser eine gro&#223;e Auftritt, der wird uns f&#252;r immer verbinden.</p><p>Denn auch wenn es mehrere Konfigurationen der Band auf der B&#252;hne gab, die finale Zugabe wurde von uns beiden alleine dargeboten. Seine Gitarre und meine Stimme sollten das Letzte sein, was man an diesem Abend von der Sch&#252;lerband h&#246;rte. Die Idee schwoll sicherlich schon einige Tage, denn wir hatten keine wirkliche Zugabe in unserem Portfolio, und ich vermute, wir wollten uns als die gro&#223;en Hechte, f&#252;r die wir uns hielten, in Szene setzen. </p><p>Nur Stunden sp&#228;ter standen wir auf der B&#252;hne. Es war ein hei&#223;er Sommertag und ich schwitzte, obwohl ich ganz in Wei&#223; auf der B&#252;hne stand und luftige Kleidung trug. Da waren wir also, der gro&#223;e Moment, auf den so viele werdende K&#252;nstler hinarbeiten, der erste Auftritt. In meiner Erinnerung lief alles glatt. Freunde und Verwandte klatschten und feierten uns. Ich wei&#223; nicht mehr, zu welchem Zeitpunkt, aber irgendwelche Eltern warfen auch mit kleinen Kuscheltieren. Vermutlich vor allem meine eigenen. Kuscheltiere werfen, das war damals gar nicht so un&#252;blich. F&#252;r uns war das nat&#252;rlich eher peinlich - oh die Eltern. Auch eine Sache, die ich im R&#252;ckspiegel des Lebens deutlich witziger finde als zu der Zeit, als ich sie erlebte.</p><p>Nach dem letzten Song ging das Licht aus, die B&#252;hne leerte sich und der Spot ging auf den Gitarristen und mich. Er spielte die ersten Akkorde, ich wurde nerv&#246;s und meine H&#228;nde wurden schwitzig. Jetzt konnte ich mich nicht mehr in der Band oder im Chor mit anderen S&#228;ngern verstecken. Er spielte die erste Strophe durch und dann kam mein Einsatz. Meine Stimme war vor Aufregung br&#252;chig. Mit viel gutem Willen konnte man es als eine Interpretation, vorgetragen mit verletzlicher Stimme im Kontrast zu einem starken Spiel der Gitarre, nennen. <em>Let it Be</em> von den Beatles bot den Raum f&#252;r eine solche Intimit&#228;t, doch meine nicht vorhandene B&#252;hnenerfahrung kein Fundament.</p><p>Ich stabilisierte mich &#252;ber das Lied und meiner Erinnerung nach brachten wir es gut zu Ende. Wir ernteten in gro&#223;en Teilen Applaus und stehende Ovationen, weil es gefiel oder aufgrund des Mutes, dort zu zweit zu stehen, ich werde es nie beantworten k&#246;nnen. Heute ist das nicht mehr wichtig, damals waren wir, als wir von der B&#252;hne gingen, mindestens vier Meter gro&#223; und schwebten durch den Rest des Abends.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg" width="1456" height="971" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:971,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:2134995,&quot;alt&quot;:&quot;Leere B&#252;hne in einem dunklen Veranstaltungssaal. Ein einzelner Stuhl und ein Mikrofonstativ stehen im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Auf dem Holzboden daneben eine Akustikgitarre und verstreute Kabel. Im Hintergrund leere Zuschauerreihen und ein Fenster. Stimmungsvolle, melancholische Atmosph&#228;re.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/i/193211938?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Leere B&#252;hne in einem dunklen Veranstaltungssaal. Ein einzelner Stuhl und ein Mikrofonstativ stehen im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Auf dem Holzboden daneben eine Akustikgitarre und verstreute Kabel. Im Hintergrund leere Zuschauerreihen und ein Fenster. Stimmungsvolle, melancholische Atmosph&#228;re." title="Leere B&#252;hne in einem dunklen Veranstaltungssaal. Ein einzelner Stuhl und ein Mikrofonstativ stehen im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Auf dem Holzboden daneben eine Akustikgitarre und verstreute Kabel. Im Hintergrund leere Zuschauerreihen und ein Fenster. Stimmungsvolle, melancholische Atmosph&#228;re." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DCYg!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9725b611-bd3a-491d-9848-2c04f9e7f09c_1536x1024.jpeg 1456w" sizes="100vw" loading="lazy"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Der darauffolgende Sommer war f&#252;r mich, wie f&#252;r viele, ein Sommer der Ver&#228;nderung. Einige von uns gingen auf weiterf&#252;hrende Schulen, einige in die Ausbildung. Ich f&#252;r meinen Teil entschied mich in letzter Minute gegen die Ausbildung f&#252;r drei weitere Jahre Schule. Die Stimmung war ausgelassen, bis ein Samen des Zweifels in mir ges&#228;t wurde.</p><p>Ich himmelte damals, wie so viele von uns Jungs, ein M&#228;del an, mit dem ich auch gut befreundet war. Ich wei&#223; nicht mehr genau, wie das Thema aufkam. Doch ihr Vater war ein gro&#223;er Beatles-Fan. Vielleicht sagte er es, weil er mich nicht mochte. Vielleicht, weil er sp&#252;rte, dass ich auf seine Tochter stand, oder weil es einfach die Wahrheit war: seiner Ansicht nach war unsere Interpretation von <em>Let it Be</em> ein Verbrechen an den Beatles und das Schlimmste, was er je geh&#246;rt hatte.</p><p>Rumms.</p><p>Das muss man erst einmal auf sich wirken lassen. Oder in meinem Fall erst mal komplett ignorieren, damit sich das so richtig hineinfressen kann. In der Oberstufe wusste man n&#228;mlich, dass ich in der Mittelstufe gesungen hatte. Einige meiner Jahrgangsfreunde waren mitgekommen und auch dabei, sogar einige aus der Band. Weil es die letzten Jahre immer gut lief, w&#228;hlte ich nat&#252;rlich auch Musik statt Kunst. Die neue Lehrerin war, glaube ich, auch nicht schlecht. In den ersten Stunden &#252;bten wir <em>Californication</em> von den Red Hot Chilli Peppers und dann noch St&#252;cke aus West Side Story ein.</p><p>Man sagt oft, dass das Niveau einen Sprung macht, wenn man in das Studium wechselt. Meiner Ansicht nach galt das auch f&#252;r den Sprung in die Oberstufe. Die elfte Klasse hei&#223;t nicht umsonst Orientierungsstufe. Und Orientierung suchte ich und meinen Platz in diesem neuen Jahrgang. Mit im Gep&#228;ck die Aussage zu meinem einzigen Auftritt. W&#228;hrend ich bei &#8222;Californication&#8220; noch gut singen konnte, versagte mir die Stimme ausgerechnet bei einem wundersch&#246;nen Duett, welches ich mit einer Freundin singen sollte, die eine unglaubliche Stimme hat. <em>Tonight</em> aus West Side Story sollte der Opener auf einem Jahrgangskonzert werden, welches die Schule gab. Doch ab dem Moment, in dem mir klar wurde, dass ich erneut auftreten sollte und das auch noch in neuer Umgebung vor noch mehr Menschen, fing meine Stimme an zu versagen. Sobald die Musik einsetzte, fabrizierte ich nur noch vokale Fetzen, die jegliche Musik in mir zum Verstummen brachten.</p><p>Ich hatte mein Selbstvertrauen verloren und der Zweifel fra&#223; sich immer weiter in den Vordergrund.</p><p>Noch heute bedr&#252;ckt es mich, an diese Zeit zu denken. Ich baute schnell ab, meine Beteiligung im Musikunterricht ging immer weiter zur&#252;ck, bis ich, so erinnere ich mich, nur noch Marimbaphon spielte, als Schatten meiner ehemaligen Pr&#228;senz.</p><p>Meine &#246;ffentliche Stimme, meine Auftrittsstimme, sie erstarb. Fortan sang ich nur noch f&#252;r mich selbst und nie mehr, wenn andere Menschen dabei waren. Selbst Singen in Gruppen war mir unangenehm. Ich wurde zu einem Dusch-S&#228;nger. Das Verr&#252;ckte dabei: Noch heute kann ich ohne Stress vor gro&#223;en Gruppen reden, auch Vortr&#228;ge improvisieren. Alles ist kein Problem. Ich bin selbstsicher, ich arbeite mit dem Publikum. Doch, wenn ich singen will, ist es aus. Der Gedanke, dass es weniger an dem Exponiertsein vor Gruppen selbst, sondern vielmehr an dem Singen in diesem Kontext liegt, ist naheliegend. Zu tief der Schmerz aus der konkreten Situation, die ich in der Folgezeit selbst noch als Muster in mich eingeschliffen habe. Erlernte Muster sind nur schwer zu durchbrechen.</p><p>Ich sollte vermutlich schreiben, denn was man jahrelang nicht probiert hat, muss nicht zwangsl&#228;ufig so schwer und tief sein, wie es vor mehr als zwanzig Jahren war. Denn diese Muster wurden schwer auf die Probe gestellt, als meine Partnerin mich &#252;berredete, einmal zum Feierabendsingen mitzukommen. Das Feierabendsingen ist eine dieser wunderbaren Kulturveranstaltungen in Hamburg. Mit Unterst&#252;tzung der Zinnschmelze leitet Susanne Etmanski einen der ungew&#246;hnlichsten Ch&#246;re, die es geben kann. Einmal im Monat findet sich eine zuf&#228;llige Gruppe aus Jung und Alt und singt unter Ihrer Anleitung, mal vorsichtig, mal voller Inbrunst, nur f&#252;r sich selbst und f&#252;r die zuf&#228;lligen Passanten, die neugierig stehen bleiben. In diesem Umfeld, unter Fremden auf einem gro&#223;en Platz zwischen Bahnhof und Museum der Arbeit, habe ich mitgesungen, immer wenn ich an diesem Mittwoch konnte, zun&#228;chst zaghaft, dann lauter. Bis passierte, was passieren musste. Wir sangen <em>Let it be</em>.</p><p>Mitgerissen von den vorherigen Liedern des Abends und im Schutze der Gruppe konnte ich es singen. Wer mit mir beim Feierabendsingen ist, w&#252;rde mich vermutlich wiedererkennen, denn ich verstecke mich jetzt nicht mehr in der Gruppe. Ich falle auf. Manchmal bin ich laut. Etwa wenn gefragt wird, ob jemand vor Ort ist, der ein holdes Weib errungen hat, und ich laut jubel, denn das habe ich, und ich im Anschluss vor Albernheit und Freude dar&#252;ber, dass es meiner Partnerin auch ein klein wenig unangenehm ist, neben mir zu stehen, kaum singen kann. </p><p>Sch&#246;n, dass mir die Stimme jetzt vor Freude und nicht mehr aus Angst versagt.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Du hast dein Lampenfieber ebenfalls besiegt, daf&#252;r hast du jetzt Sorge, vor lauter B&#252;hnenpr&#228;senz das n&#228;chste Essay in zwei Wochen nicht zu verpassen? Ein Abo w&#252;rde dir und mir helfen:</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p><div class="footnote" data-component-name="FootnoteToDOM"><a id="footnote-1" href="#footnote-anchor-1" class="footnote-number" contenteditable="false" target="_self">1</a><div class="footnote-content"><p>Weiteres zu meinen musikalischen Einfl&#252;ssen gibt es hier zu lesen: <a href="https://www.dasangebrocheneleben.de/p/die-welt-ist-eine-scheibe?r=7uuvil&amp;utm_campaign=post&amp;utm_medium=web">Die Welt ist eine Scheibe</a></p></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Das Symbol der Freiheit]]></title><description><![CDATA[Unabh&#228;ngigkeit wird aus Metall und Plastik gemacht]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/das-symbol-der-freiheit</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/das-symbol-der-freiheit</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Wed, 08 Apr 2026 05:32:37 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Mein erstes motorisiertes Gef&#228;hrt kaufte ich mit sechzehn Jahren. Eine Vespa ET2 in Schwarz mit braunen Sitzen. Ein gro&#223;artiges Ding. Nicht nur, weil sie noch f&#252;nf&nbsp;km/h schneller war, als die neue 45-km/h-Beschr&#228;nkung es zulie&#223;, sondern weil ich mich dadurch wie ein Rebell f&#252;hlte. Dabei kam ich zum Roller aus ganz erwachsenen Gr&#252;nden. Er sollte mich schnell zu meiner Ausbildungsstelle in den n&#228;chsten Ort bringen. Zu dieser Zeit f&#252;hlte sich das f&#252;r mich wie eine Weltreise an. In Wahrheit waren es nur etwas mehr als drei&#223;ig Minuten und damit doppelt so lange wie mit der Vespa ben&#246;tigte. Doch das war mir egal und ich schnupperte das erste Mal am Geruch der Freiheit.</p><p>Warum setzen wir eigentlich in Deutschland Motorisierung, vor allem das Auto, mit Freiheit gleich? Habe ich doch auch ohne Auto alle m&#246;glichen Freiheiten. Mit der Bahn oder dem Flugzeug komme ich eigentlich sogar in der Regel entspannter und sicherer an. Wenn ich mich daran erinnere, wie meine Eltern mit mir in den Urlaub gefahren sind, dann bedeutete diese Freiheit mindestens f&#252;nfzehn Stunden nonstop Autofahren, bis wir in der N&#228;he von Venedig waren. Heute w&#228;re das f&#252;r mich undenkbar. Allerdings muss ich auch sagen, dass Geld nat&#252;rlich ein gro&#223;er Faktor war. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, wie unbezahlbar Fl&#252;ge in den 90er Jahren waren. F&#252;r einen Gro&#223;teil der Familien war das nicht ann&#228;hernd im Budget.</p><p>Das Auto stellte f&#252;r die Generation meiner Eltern und Gro&#223;eltern also mehr als nur Bewegungsfreiheit dar. Klar war ein Auto immer noch ein Luxusgegenstand, doch wenn man reisen wollte, war es erheblich erschwinglicher als mit den &#252;blichen Reiseverkehrsmitteln. Erst durch die letzte Preisexplosion bei Kraftstoffen im Fr&#252;hjahr 2026 wird Reisen mit der Bahn zu zweit unter Umst&#228;nden g&#252;nstiger, als mit dem Auto. Erschreckend. Und ein Zeichen daf&#252;r, dass wir noch nicht so richtig weit gekommen sind im Umdenken unserer Gesellschaft, was das Thema &#246;ffentlicher Transport angeht. Dieser sollte erheblich g&#252;nstiger sein als mit dem Auto, um entsprechende Anreize zu bieten.</p><p>Ich hatte von klein auf gelernt, dass Autos die Freiheit auf vier R&#228;dern waren. Das musste dann auch f&#252;r zweir&#228;drige Maschinen gelten, oder? Also machte ich mich auf zu meinem ersten Abenteuer. Ich schnallte den Rucksack mit Klamotten auf den R&#252;cken und machte das Helmfach voll mit Smirnoff Ice, einem zuckrigen Mixgetr&#228;nk, das damals in Mode war, und machte mich auf in Richtung eines &#214;rtchens, das etwas rechts von Neum&#252;nster liegt. Eine Strecke, die meine Eltern mich viele Jahre an den Wochenenden gefahren hatten, da mein damals bester Freund mit seiner Familie dorthin gezogen war. Dann dauerte die Strecke allerdings nur etwa f&#252;nfundvierzig Minuten. Ich hingegen ben&#246;tigte etwa zwei Stunden und war v&#246;llig geschafft, als ich dort ankam. Ich konnte nat&#252;rlich nur Landstra&#223;en und andere Schleichwege nehmen. Ein Smartphone mit Karten oder ein Navigationsger&#228;t, das man auf Rollern benutzen konnte, gab es damals noch nicht. Ich musste mich also auf die Schleswig-Holstein-Karte und die Beschilderungen verlassen. Zus&#228;tzlich anstrengend war das st&#228;ndige &#220;berholtwerden. Ich musste viel rechts fahren, was bei Landstra&#223;en bedeutet, immer nah am Graben zu sein. F&#252;r meine Ma&#223;st&#228;be ein richtiges Abenteuer also. Am Ende ein kleiner Preis f&#252;r die Freiheit, das erste Mal f&#252;r diese Tour nicht auf meine Eltern angewiesen gewesen zu sein.</p><p>Im Alltag liebte ich diesen Roller ebenfalls. Ich machte zwar doch noch Abitur statt einer Ausbildung, doch auch in der Schule war der Roller mein st&#228;ndiger Begleiter. Ich war vom 20-Minuten-Takt der U-Bahn nicht abh&#228;ngig und konnte sogar noch eine zweite Person mitnehmen. <em>Cool</em> und <em>unabh&#228;ngig</em> sind die Adjektive, mit denen ich meine damalige Situation beschreiben w&#252;rde. <br>Trotzdem wollte ich irgendwann die gro&#223;e Freiheit.</p><p>F&#252;r den Rollerf&#252;hrerschein musste ich bereits die volle Theorie-Zeit mitmachen. Schade, dass es lediglich einen kleinen Rabatt auf die n&#228;chste Runde beim Auto gab. Die Theorie langweilte mich somit eher. Aufregender waren da schon die Praxisstunden. Das hat auch Bodo, mein Fahrlehrer, so gesehen. Ein Typ, wie man sich einen Fahrlehrer vorstellt. St&#228;ndig nahmen wir weibliche Anhalter mit. Laut Bodo brauchten wir ohnehin ein Ziel, und ich musste lernen, damit klarzukommen, wenn Leute im Auto Gespr&#228;che f&#252;hren. Zus&#228;tzlich war es f&#252;r Bodo an der Zeit f&#252;r ein neues Fahrschulauto, das hie&#223; viele Modelle probefahren. Ich f&#252;hlte mich jedes Mal wie ein Pilot, der vor dem Start die Checkliste durchgeht. Da kann man mal hektisch werden, wenn alles st&#228;ndig anders aussieht und anders funktioniert. Doch man wird auch experimentierfreudig. Diesen Hebel ziehen, dr&#252;cken oder drehen?</p><p>Die abenteuerlichste Geschichte war, als uns der Au&#223;enspiegel an der Fahrerseite abgefahren wurde. Es war eine enge Stra&#223;e und es parkten viele Autos an der Stra&#223;enseite, an der ich fuhr. Eine dieser Stra&#223;en, in denen man sich Meter f&#252;r Meter weiter von L&#252;cke zu L&#252;cke durchf&#228;deln musste. Das machte ich auch relativ gut, bis ein Lkw kam. Ich war etwas zu weit links, konnte jedoch nicht korrigieren, da direkt hinter mir schon der n&#228;chste Pkw zu dicht aufgefahren war. Ich wollte meinem Hintermann signalisieren, er m&#252;sse auch zur&#252;ck, doch dann sprach Bodo die folgenschweren Worte: &#8222;Lass mal, mal gucken, was der macht&#8220;. Und der Lkw-Fahrer schaute genervt, dr&#252;ckte langsam aufs Gas und brach den Seitenspiegel ab. Die Freiheit der Stra&#223;e endet, wo du jemand anderem den Weg blockierst. Und ich kann seitdem verstehen, aus welchem Grund Menschen ein mulmiges Gef&#252;hl haben, wenn ein Lkw neben ihnen steht. Ich jedenfalls konnte etwas lernen, was in kaum einer Fahrschule Teil der Praxisstunden ist.</p><p>Meine Partnerin sieht es mit Autos sehr pragmatisch, sie sind schlicht Gebrauchsgegenst&#228;nde f&#252;r sie. Ich hingegen pflegte und hegte meine Autos und versuchte, sie vor Besch&#228;digung zu sch&#252;tzen. Immerhin waren sie teuer und ich f&#252;hlte ihre Symbolik. </p><p>Mein erstes eigenes Auto war ein Opel Corsa B in Atlantisblau. Atlantisblau war ein dunkles Blau ohne Metalleffekt, das, je nachdem, wie das Licht gerade fiel, eine Tendenz zum Lila hatte. Im Nachgang betrachtet eine sehr geile Farbe. Mein erstes Auto fiel in die Zeit, in der das Auto als Symbol im Kino wieder Hochkonjunktur hatte. Ungl&#252;cklicherweise, muss ich sagen. Denn durch Filme wie &#8222;The Fast and The Furious&#8220; wollten wir alle Tuner sein. Doch meine Knutschkugel sah weder sportlich aus, noch brachte sie ordentlich Tempo auf die Stra&#223;e. Mit drei Zylindern, einem Liter Hubraum und 54 PS hatte ich keinen imposanten Motor. Auf dem Papier schaffte der Corsa zwar 150 km/h, mit jeder Person mehr stieg das Gef&#252;hl, gleich abzuheben, w&#228;hrend die Endgeschwindigkeit sank. R&#252;ckblickend betrachtet ein herrliches Anf&#228;ngerauto, welches mir auch unheimlich viel verziehen hat. Und da ich nicht am Motor tunen konnte, tunte ich halt mit anderen Dingen. Vor allem Licht. Den Tacho r&#252;stete ich selbst auf rote LED um, Fu&#223;raum, Innenraum und Seitentaschen beleuchtete ich mit roten Lichtr&#246;hren. Mein pers&#246;nlicher H&#246;hepunkt war die Umr&#252;stung des manuellen Schiebedachs auf elektrisch, welches beim Corsa B gar nicht vorgesehen war. Daf&#252;r verbaute ich einen Schiebedachmotor aus dem Vectra A und die Abdeckung aus dem Astra F. Ich kam mir vor wie MacGyver, auch wenn es am Ende nur sehr einfaches Internetwissen war. Um f&#252;r guten Sound zu sorgen, baute ich zus&#228;tzlich noch Lautsprecher in die Hutablage ein. Kein Auto passte ich jemals wieder so sehr an wie den Corsa, nur er war, glaube ich, jemals wirklich komplett mein gewesen.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg" width="1456" height="1040" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/f3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:1040,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:636331,&quot;alt&quot;:&quot;Gro&#223;e Holzskulptur auf einer Wiese am Waldrand, aus einem Baumstamm geschnitzt und zwei Eulen darstellend. Rechts daneben ein blauer Kleinwagen auf einem Schotterweg. Im Hintergrund dichte B&#228;ume und ein bewaldeter H&#252;gel unter blauem Himmel mit einem Kondensstreifen.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/i/193037629?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Gro&#223;e Holzskulptur auf einer Wiese am Waldrand, aus einem Baumstamm geschnitzt und zwei Eulen darstellend. Rechts daneben ein blauer Kleinwagen auf einem Schotterweg. Im Hintergrund dichte B&#228;ume und ein bewaldeter H&#252;gel unter blauem Himmel mit einem Kondensstreifen." title="Gro&#223;e Holzskulptur auf einer Wiese am Waldrand, aus einem Baumstamm geschnitzt und zwei Eulen darstellend. Rechts daneben ein blauer Kleinwagen auf einem Schotterweg. Im Hintergrund dichte B&#228;ume und ein bewaldeter H&#252;gel unter blauem Himmel mit einem Kondensstreifen." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BnYd!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ff3388e3e-918a-4460-8daa-32391534832b_1654x1181.jpeg 1456w" sizes="100vw" loading="lazy"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption">Selbstgemachtes echtes Foto von meinem ersten Auto</figcaption></figure></div><p>Nach dem unverschuldeten Unfall mit dem Fahrschulauto schien sich da eine Tradition zu begr&#252;nden. Ganz am Anfang, mit einem f&#252;r mich neuen Auto, kommt es zu einer Besch&#228;digung, die mich dann sehr schmerzt. Danach bleiben meine Autos von weiteren Besch&#228;digungen verschont, als wenn sie eingeweiht werden m&#252;ssten.  Die erste Beule in den Corsa kam auf einem Parkplatz. Mir fuhr tats&#228;chlich jemand beim Ausparken in die hintere Beifahrert&#252;r und dr&#252;ckte diese knapp unterhalb des schwarzen, aufgeklebten Prellers ordentlich ein. Ich wei&#223; bis heute nicht, wie ich diesen Schaden &#252;bersehen konnte und den alten Mann ohne seine Daten wegschickte. Das war mir eine Lehre. Zu Hause entdeckte ich den Schaden und brach in Tr&#228;nen aus, mir wurde regelrecht schlecht. Das Auto war fahrbereit, doch die Beule gro&#223;. Ich hatte kein Geld, den Schaden reparieren zu lassen, und musste daher &#252;berall mit dieser Narbe auftauchen.</p><p>Trotzdem lag mir mit ihm die Welt zu F&#252;&#223;en. Der Corsa und ich kamen tats&#228;chlich gut herum. Erste Ausfl&#252;ge nach Berlin oder Hannover, was f&#252;r mich damals noch Distanzen waren, die sich unfassbar weit anf&#252;hlten. Im Fall von Hannover war es sogar eine ganz andere Welt. Stra&#223;enbahnen! Wie kann man nur? Und dann auch noch der gute Ratschlag von meinem Kumpel aus Hannover, einfach den Gleisen zu folgen. Ich war so fokussiert, dass ich fast in den Schotterbahnhof einfuhr. Hat mir alles nicht geholfen, um Hannover ins Herz zu schlie&#223;en.</p><p>Wie der Corsa war auch mein n&#228;chstes Auto eine Vernunftentscheidung. Als mein Gro&#223;vater m&#252;tterlicherseits starb, hatte er sich erst kurz zuvor ein neues Auto gekauft. Einen Suzuki Swift, der Wagen war noch kein Jahr alt, gut ausgestattet, mit Automatik, besser motorisiert, und er kam in einem feinen Silberlook daher. Ich kaufte den Wagen meiner Mutter und ihren Geschwistern ab. Die einzige nennenswerte &#196;nderung, die ich vornahm, waren die Musiklautsprecher. Und nat&#252;rlich f&#252;hrte ich die Besch&#228;digungstradition bei diesem Wagen fort. Ohne zweiten Fall, keine Tradition. Zwischen zwei Parkh&#228;usern tr&#228;umte ich kurz und wurde j&#228;h in die Realit&#228;t zur&#252;ckgerissen, als die sich senkende Schranke von meiner Motorhaube fiel.</p><p>Als ich begann, mehr Geld zu verdienen, wollte ich ein anderes Auto haben. Eines, das mir mehr Spa&#223; machte. Es wurde ein 1er-BMW mit Dieselantrieb. Ja, ich wei&#223;, klingt nach Dienstwagenflotte. Ich liebte dieses Auto! Er war klein, schnell und verbrauchte wenig. Ich verbrachte erstmals viel Zeit in dem Auto, da ich es auch f&#252;r Dienstreisen nutzte. R&#252;ckblickend betrachtet finde ich es ein wenig verr&#252;ckt, wie wohl ich mich in dem engen Wagen f&#252;hlte. BMW wollte mit seinen Autos in jedem Fall Sportlichkeit ausdr&#252;cken, was bedeutete, dass das Auto um den Fahrersitz herum designt wurde, dabei immer ein Cockpit von einem Rennwagen im Hinterkopf.<br>In der ersten Woche touchierte ich beim Ausparken einen Pfeiler. Ich hatte die sportlich lange Motorhaube nicht einsch&#228;tzen k&#246;nnen. Daf&#252;r konnte ich der Besch&#228;digungstradition eine Nummer drei hinzuf&#252;gen.</p><p>Im Sommer 2019 kaufte ich mir ein neues Auto. Nun, ein fast neues, um genau zu sein. Wie alle Wagen vorher war auch dieser ein gebrauchter, doch dieses Mal ein sehr junger. Im Rahmen der Dieselkrise, welche Volkswagen ausgel&#246;st hatte, verkaufte ich meinen Diesel und kaufte, na klar, wieder einen Diesel. Allerdings mit der besten Euronorm, die man damals, und ich glaube auch heute noch, bekommen konnte. Und dieses Mal, sagte ich mir, wollte ich richtig durchdrehen. Ich wohnte noch in der Vorstadt und der Anteil an Dienstreisen war weiter gestiegen, sodass ich mir allen Komfort g&#246;nnen wollte, den ich finden konnte. Ich war verliebt in den BMW 3 Grand Turismo, der war jedoch preism&#228;&#223;ig nicht da, wo ich ihn haben wollte. Nach vielen Proben wurde es am Ende der japanische Mazda CX-5, was mich selbst &#252;berraschte. Die sogenannten SUV Fahrzeuge hasste ich optisch abgrundtief. Der Mazda hingegen sah in seinem roten Metalliclack nicht nur schnittig aus, sondern hatte auch alle Platzangebote, die ich mir w&#252;nschte. Kr&#228;ftige Motorisierung und alle technischen Spielereien, die ich mir nur ausdenken konnte. Die Einweihung des Mazda erfolgte mit einer M&#252;lltonne, die leicht schr&#228;g in meinem Wendekreis rakte, eine l&#228;ngliche Beule, die man noch heute in Hamburgs Stra&#223;en bewundern kann. Was mir beim Kauf noch nicht klar war: Mein Timing war perfekt.</p><p>Gegen Ende des Jahres kam ich in Kontakt mit einer wundervollen Frau aus Berlin und ich fra&#223; neben den beruflichen Kilometern bald auch sehr viele private. Die Strecke Hamburg-Berlin schluckte gute 600 Kilometer inklusive R&#252;ckfahrt. Und ich wollte so oft in Berlin sein, wie es ging. W&#228;hrend mit Corona die Kilometer bei fast allen heruntergingen, war 2020 mein Rekordjahr. Ich war gl&#252;cklich, so viel Komfort im Auto und auch wieder einen Diesel zu haben. Zu der Zeit erm&#246;glichte mir der noch verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig g&#252;nstige Treibstoff, die eine oder andere Fahrt mehr zu ihr zu machen. Doch auch in der Zeit fing bei mir schon ein &#246;kologisches Umdenken an. Ich &#252;berlegte, auf die Bahn umzusteigen, die w&#228;re allerdings verr&#252;ckterweise zu der Zeit f&#252;r mich noch teurer gewesen, als mit dem Auto zu fahren. Die Fahrten waren aus Sicht der Bahn ziemlich spontan, also unter zwei Wochen vor Fahrtantritt geplant, und damit ziemlich teuer. Erfahrene Bahnfahrer wissen: Je l&#228;nger ich im Vorfeld eine Bahnfahrt plane, umso h&#246;her ist die Verf&#252;gbarkeit von Sparpreisen. <br>Also begann ich, die Autofahrten mit gut drei Euro bei der Klimakollekte auszugleichen, die ich gerne gab, um die 120&nbsp;kg CO&#8322; zu &#8222;kompensieren&#8220;.</p><p>Mittlerweile wohnen wir in der Stadt, zwar nicht im Kern, aber mit Wandsbek schon in einem Gebiet, in dem alles verf&#252;gbar ist. Wir gehen f&#252;nf Minuten zur U-Bahn, haben mehrere Busse entweder direkt vor der T&#252;r oder in &#228;hnlicher Entfernung wie die U-Bahn und selbst zur S-Bahn brauchen wir nicht lange. Damit ist der klassische &#246;ffentliche Nahverkehr schon extrem gut f&#252;r uns verf&#252;gbar. Zus&#228;tzlich sind viele Dinge in guter fu&#223;l&#228;ufiger Distanz. F&#252;r mich w&#228;ren das maximal 20 bis 30 Minuten, sodass man auch gerne mal auf andere Verkehrsmittel verzichten kann und auch alles ziemlich nah f&#252;r das Fahrrad ist. Allein das f&#252;hrt schon dazu, dass ich &#246;fter mal nicht Auto fahre. Mit gut  6.000 KM pro Jahr fahren wir nur noch einen Bruchteil dessen, was ich vor Corona oder im ersten Corona-Jahr ben&#246;tigte.</p><p>Innerhalb Hamburgs stehen Autos oft nur herum. Das l&#228;sst Hamburg sich seit einiger Zeit mit Anwohnerparken bezahlen und sorgt gleichzeitig daf&#252;r, die Parksituation zu entspannen. Ich nehme in solche Ecken jetzt die Bahn und viele andere anscheinend auch. Denn wo sind die anderen Autos denn pl&#246;tzlich sonst hin?<br>Ohnehin scheint es mir, als w&#228;re der dauerhafte Besitz eines Autos, vorrangig eines gro&#223;en wie meinem, in der Stadt immer &#252;berfl&#252;ssiger. Mit verschiedensten Carsharing-Diensten k&#246;nnte ich mir einfach ein Auto nehmen, wenn es mal etwas Gr&#246;&#223;eres zu transportieren gibt. Es dr&#228;ngt sich immer wieder die Frage auf: Ben&#246;tige ich &#252;berhaupt noch ein Auto?</p><p>Leider hei&#223;t die Antwort derzeit f&#252;r mich noch ja. Denn auch wenn sich die Freiheit der Bewegung immer mehr &#252;ber die ganzen Angebote ausleben l&#228;sst und wir mit unserem Zusammenzug immerhin aus zwei Autos eins gemacht haben, sind wir in unserer Gesellschaft am Ende noch auf der Schwelle, um die gesamte mobile Freiheit &#252;ber &#246;ffentliche Verkehrsmittel abzubilden, und da z&#228;hle ich durchaus auch die Sharing-Fahrzeuge zu. Noch f&#252;hlt es sich jedoch falsch an, beispielsweise mit einem Sharing-Auto zu meinen Eltern zu fahren und dort dann au&#223;erhalb der Nutzungszone Geld f&#252;r das Stehen des Autos zu bezahlen. Was verr&#252;ckt ist, denn die meiste Zeit bezahle ich das Auto, das ich besitze, auch nur f&#252;rs Stehen selbst. W&#252;rde ich die Anschaffungskosten und laufende Kosten als &#8220;Depot&#8221; anlegen, k&#246;nnte ich vermutlich mehrere Jahre die Nutzung &#246;ffentlichen Verkehrs und Mietwagen daraus finanzieren, ohne ein eigenes Auto besitzen zu m&#252;ssen. Doch dieser Gedanke wirkt auf mich momentan von allem noch eines: Unbequem. </p><p>Fakt ist auch, das ist nur die Realit&#228;t in der Stadt. Sollte ich wieder in die Vorstadt ziehen oder noch weiter raus, muss und m&#246;chte ich in die reine Kostenrechnung zus&#228;tzlich den Faktor Zeit mitaufnehmen. Denn mit den &#246;ffentlichen Verkehrsmitteln ben&#246;tige ich zur Arbeit mit Fu&#223;wegen ungef&#228;hr 70 Minuten. Mit dem Auto nur zwischen 30 und 45 Minuten. Pro Strecke ist schon ein ordentlicher Faktor. Allerdings zeigen uns auch Freunde, dass man auch in l&#228;ndlichen Gegenden gut und &#246;kologisch ohne eigenes Auto leben kann. </p><p>Genau deswegen ist meiner Ansicht nach ein Fakt, dass je nach Lebensrealit&#228;t, Stadt oder Land, das Symbol der Freiheit zu schwinden beginnt. Das eigene Auto zu besitzen, wird zum Gl&#252;ck immer unwichtiger. Doch bis in unseren und auch in meinem Kopf wirklich angekommen ist, dass das Auto nicht im eigenen Besitz sein muss, um eines nutzen zu k&#246;nnen, wird es noch dauern. Daf&#252;r ist ein Auto in Deutschland noch zu sehr Statussymbol. F&#252;r die Stadt k&#246;nnen jedoch Dinge wie das Deutschlandticket, ein guter Anreiz sein. Leider zeigt sich hier bereits Jahr f&#252;r Jahr durch die Erh&#246;hungen, dass man nicht verstanden hat, was f&#252;r ein tolles Instrument man geschaffen hat. Ich hatte seinerzeit f&#252;r mich direkt beschlossen, es zu holen, auch wenn ich es wirtschaftlich nicht komplett ausnutze. Ich glaube einfach daran, dass es besser funktioniert, je mehr Menschen es haben. Zus&#228;tzlicher Nebeneffekt ist, dass auch f&#252;r mich die H&#252;rde, Bus und Bahn zu nutzen, noch einmal gesenkt und das Auto noch seltener gefahren wird, bis wir irgendwann bereit sind, es ganz abzugeben.</p><p>In diesem Fr&#252;hjahr kam es, ausgel&#246;st durch die j&#252;ngste Eskalation im Nahen Osten, zu einer weiteren gro&#223;en &#214;lkrise. Die Preisexplosion, deren Ende bisher nicht absehbar ist, f&#252;hrt mir noch st&#228;rker vor Augen, wie sehr das Auto als Freiheitssymbol an einer einzigen Ressource h&#228;ngt, nach der wir unser Leben in Deutschland stark ausgerichtet haben. F&#228;llt diese Ressource weg oder wird sie f&#252;r die meisten Menschen unbezahlbar, f&#228;llt das Symbol mit. Was bleibt, sind Metall und Plastik. Und die Frage, was ich mit diesen Erkenntnissen mache.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Du hast das Essay fertig gelesen? Stehst in deiner Freiheit aber trotzdem im Stau? Nutze doch die Zeit zum Abonnieren und erhalte zuk&#252;nftige Essays per E-Mail.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ein zufälliger Akt der Freundlichkeit]]></title><description><![CDATA[Was Fremde uns sagen, wenn wir zuh&#246;ren]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ein-zufalliger-akt-der-freundlichkeit</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ein-zufalliger-akt-der-freundlichkeit</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Fri, 03 Apr 2026 06:31:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Vor nicht allzu langer Zeit waren meine Partnerin und ich im gro&#223;en Einkaufszentrum im Hamburger Alstertal unterwegs. Wir hatten vor, einige Geschenke zu besorgen, und das macht man am besten nicht mit leerem Magen. Wir a&#223;en in einer ungew&#246;hnlich netten Sitzecke im Innenbereich, nahe der Rolltreppen. Keine Stelle, an der man eine Insel erwarten w&#252;rde. Doch mit den Regalen, die als B&#252;chertauschregale fungierten, wirkte die Ecke ungewohnt sympathisch, fast wie eine Zuflucht aus dem Einkaufszentrumtrubel.</p><p>Wir verweilten also einen Moment und ich lie&#223; meinen Blick &#252;ber die B&#252;cherregale schweifen, bis ein Gesch&#228;ft meine Aufmerksamkeit einfing. Es war ein Schokoladenfachgesch&#228;ft. Die handgemacht wirkenden Tafeln mit ihren verschiedenen Zutaten wie N&#252;ssen oder Fr&#252;chten, die in der Auslage gestapelt liegen, rufen in der Ferne wie eine Einladung nach mir. Viele Jahre schon laufe ich an diesem Gesch&#228;ft vorbei, mein Blick gleitet im Vorbeigehen &#252;ber das Schaufenster, und nimmt den Schimmer aus Exklusivit&#228;t und Genuss wahr. 100 Gramm Schokolade haben dort einen kr&#228;ftigen Preis, doch ich entschloss mich, dass ich nach Jahren des Vorbeigehens heute probieren wollte. Zun&#228;chst wollten wir durch das Schaufenster ein Gef&#252;hl daf&#252;r entwickeln, was wir wollten.</p><p>Wir standen keine zwei Minuten vor dem Schaufenster, als eine &#228;ltere Dame, vielleicht Anfang siebzig, sich uns n&#228;herte. Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wie oder wer das Gespr&#228;ch begonnen hatte und was genau sie zu Beginn sagte. Es ging auf jeden Fall darum, dass diese Schokoladen zwar kostspielig seien, sie jedoch &#252;berzeugt war, dass es sich lohne und sie sich dieses Lohnen unregelm&#228;&#223;ig als Belohnung f&#252;r sich selbst g&#246;nnte. Am Ende sprachen wir gut zehn Minuten mit der Frau. Definitiv eine modernere Rentnerin, statt Gehstock mit Nordic-Walking-St&#246;cken unterwegs, ganz patent.</p><p>Wir erfuhren das Rezept f&#252;r den ihrer Meinung nach besten Butterkuchen und dass sie ihn lieber in Elektro&#246;fen zubereitet als auf dem Gasofen in ihrer letzten Wohnung. Sie erz&#228;hlte uns auch, dass ihr k&#252;rzlich verstorbener Mann aus Belgien stammte, was den Schweizer Schokoladengenuss jedoch keinen Abbruch tut. Seit Kurzem lebt sie bei ihrer Tochter und ihrer Familie. Wir erfuhren in der Zeit schnell viele Dinge von der Frau, nur nicht ihren Namen. Wir hatten ein angenehmes Gespr&#228;ch, zu dem wir jedoch immer nur kurz etwas beitragen konnten. Der Mitteilungsbedarf der Frau war hoch, jedoch nicht unangenehm oder aufdringlich. Eins dieser zuf&#228;lligen Gespr&#228;che, an die man hinterher vielleicht noch ein paar Mal denkt, weil sie &#252;ber das Leben lehren und uns Einblicke au&#223;erhalb unserer Blase gew&#228;hren.</p><p>Als sie sich verabschiedete, denn sie m&#252;sse jetzt schlie&#223;lich auch Schokoladen kaufen und nicht nur anschauen, f&#252;hlten wir uns gut und waren selbst noch mehr in Auswahllaune. Das Schaufenster betrachteten wir jedoch nicht lange, denn wenige Sekunden, nachdem die Frau in das Gesch&#228;ft gegangen war, eilte sie wieder zu uns hinaus. Ihr h&#228;tte das Gespr&#228;ch so gute Laune bereitet, sie w&#252;rde uns jetzt gerne einfach mal auf 100 Gramm zum Probieren einladen. Wir sollten bitte nicht nein sagen. Leiser Protest wurde von der Energie der Frau direkt erstickt. Ich sp&#252;rte, wie unangenehm meiner Partnerin die Situation war, doch die Frau war sehr &#252;berzeugend. Also lie&#223;en wir uns von einer fremden Frau in ein edles Schokoladengesch&#228;ft f&#252;hren, suchten uns zwei Sorten aus und die Frau bezahlte f&#252;r uns. Sie strahlte ununterbrochen, nicht nur mit dem L&#228;cheln auf ihren Lippen, sondern mit allem, was sie hatte.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg" width="1326" height="872" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:872,&quot;width&quot;:1326,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:320848,&quot;alt&quot;:&quot;Zwei Personen reichen sich ein kleines, in braunes Papier eingewickeltes Geschenk mit dunkelbrauner Schleife. Links &#228;ltere H&#228;nde in einer hellen Steppjacke, rechts j&#252;ngere H&#228;nde in einer Jeansjacke. Hintergrund unscharf, warme Innenraumbeleuchtung.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/i/192433244?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Zwei Personen reichen sich ein kleines, in braunes Papier eingewickeltes Geschenk mit dunkelbrauner Schleife. Links &#228;ltere H&#228;nde in einer hellen Steppjacke, rechts j&#252;ngere H&#228;nde in einer Jeansjacke. Hintergrund unscharf, warme Innenraumbeleuchtung." title="Zwei Personen reichen sich ein kleines, in braunes Papier eingewickeltes Geschenk mit dunkelbrauner Schleife. Links &#228;ltere H&#228;nde in einer hellen Steppjacke, rechts j&#252;ngere H&#228;nde in einer Jeansjacke. Hintergrund unscharf, warme Innenraumbeleuchtung." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!foN3!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F88f98b92-8a0c-429d-82af-9abd857820f0_1326x872.jpeg 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Beim Verlassen des Gesch&#228;ftes kam es zu einem weiteren Gespr&#228;ch. Zum Einstieg sagte sie, ihr w&#228;re eingefallen, dass auch ihr mal jemand Fremdes &#252;berraschend eine Kleinigkeit geschenkt hat. Und sie h&#228;tte das Gef&#252;hl gehabt, dass es jetzt mal wieder an der Zeit gewesen w&#228;re, es weiterzugeben. Dann begann sie uns zu erz&#228;hlen, wie sie ihren Mann kennengelernt hatte. Wie sie sich mit sechzehn Jahren in den vierzehn Jahre &#228;lteren Mann verliebte, als sie sich im Schwimmbad kennenlernten. Wie ihre Eltern dem j&#252;ngsten ihrer sieben Kinder den Kontakt zu diesem Mann zun&#228;chst verboten, weil sie ihn f&#252;r zu alt f&#252;r ihre Tochter befanden. Und dass ihr Mann nach einem Jahr ohne direkten Kontakt immer noch so sehr in sie verliebt war, dass er weiter um sie warb und die Eltern schlie&#223;lich nachgaben und sie ihn sp&#228;ter heiraten konnte.</p><p>Sie fragte uns, ob wir verheiratet w&#228;ren, was wir nicht sind, laut ihr aber noch kommen kann. Doch am Ende sagte sie, es w&#228;re gar nicht so wichtig, verheiratet oder nicht. Es ist wichtig, dass man zueinandersteht, auch wenn es zeitweise schon mal ein gro&#223;es Tal zu durchschreiten gibt. Prozentual gemessen an ihrer Lebenszeit war sie fast den gr&#246;&#223;ten Teil mit ihrem Mann zusammen, lediglich die Jahre ihrer Kindheit und nun die Zeit nach seinem Tod ist sie ohne ihn.</p><p>Wie viele Hochs und Tiefs wird es in ihrem Leben gegeben haben? Ich bin mit meiner Partnerin zum Zeitpunkt dieser Begegnung fast vier Jahre zusammen, sch&#228;tzungsweise nicht einmal ein Zehntel der Zeit, die diese Frau mit ihrem Mann verbracht hat. Dieses Paar, von dessen Leben wir durch Zufall einen kurzen Ausschnitt erhaschen konnten, war gut ein halbes Jahrhundert zusammen. Wie die Frau von den H&#246;hen und Tiefen erz&#228;hlte und von gegenseitigem Raumgeben, sprach die romantische Ader in mir sehr an, beeindruckte mich jedoch auch in universeller Hinsicht. Sendete das Universum uns gerade ein Zeichen, dass unsere Beziehung in Zukunft gepr&#252;ft w&#252;rde, und gab uns gleichzeitig das Rezept in die Hand, diese zu bestehen? <br>Der Zufall f&#252;hrte uns zusammen und unsere Leben ber&#252;hrten sich kurz. Was wir davon jeweils mitnehmen, liegt in uns selbst, reflektiert jedoch auch auf unsere Au&#223;enwelt.</p><p>Die Frau entschied sich bereits nach der ersten H&#228;lfte, dem Geschenk unseres offenen Ohres, das wir f&#252;r sie hatten, mit etwas Schokolade zu begegnen. Und freute sich dabei selbst dar&#252;ber, denn der Akt des Schenkens selbst l&#246;ste in ihr weitere gute Gef&#252;hle aus. Wir hatten diese Gro&#223;z&#252;gigkeit nicht n&#246;tig, wir h&#228;tten uns die Schokolade selbst leisten k&#246;nnen, und doch haben wir sie erfahren. Weit mehr als der materielle Wert der Schokolade z&#228;hlt die Geste selbst und die Geschichte, die sie damit teilte. Sie hat uns Freude bereitet; ich habe die Geschichte der Frau bereits einige Male Bekannten erz&#228;hlt. Und immer wieder hallt diese Geschichte auch jetzt noch in mir nach. </p><p>Ich habe mir vorgenommen, dass ich diesen zuf&#228;lligen Akt der Freundlichkeit bei Gelegenheit anderen fremden Menschen angedeihen lasse. Denn in meiner Position ist es eigentlich so leicht. Und diese M&#246;glichkeit begegnet uns in so vielen Formen. Was kostet es uns zum Beispiel, jemandem, dem 50 Cent an der Kasse fehlen, ebendiese zu geben? 50 Cent k&#246;nnte man jetzt sagen, aber ist das wirklich ein Preis, den die meisten von uns nicht zu zahlen bereit sind?</p><div class="captioned-button-wrap" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ein-zufalliger-akt-der-freundlichkeit?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;}" data-component-name="CaptionedButtonToDOM"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Dir hat diese Geschichte gefallen? Dann teile sie gerne mit jemandem, von dem du denkst, dass er sie zu sch&#228;tzen wei&#223;, oder lasse selbst ein Abonnement hier, falls noch nicht geschehen.</p></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ein-zufalliger-akt-der-freundlichkeit?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.dasangebrocheneleben.de/p/ein-zufalliger-akt-der-freundlichkeit?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Welt ist eine Scheibe]]></title><description><![CDATA[Life has Surface Noise. Eine Liebeserkl&#228;rung]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/die-welt-ist-eine-scheibe</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/die-welt-ist-eine-scheibe</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Wed, 25 Mar 2026 06:30:47 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Der Portugiese Ferdinand Magellan hat im Jahr 1520 bewiesen, dass die Erde eine Kugel und somit nicht flach ist. Und trotzdem ist f&#252;r mich auch heute noch die Welt eine Scheibe, wenn auch nicht so, wie man es erwarten w&#252;rde.</p><p>Eine der gro&#223;en Leidenschaften in meinem Leben ist die Musik. Schon fr&#252;h in meiner Jugend entwickelte ich einen Musikgeschmack, der eher fernab vom Mainstream lag. Und so h&#246;rte ich mit vierzehn neben Hamburger Hip-Hop von Legenden wie Samy Deluxe und Eins Zwo auch schon Blues-Legenden wie Howlin&#8217; Wolf oder K&#246;nige aus Motown wie Marvin Gaye. Ich stellte mich also breit auf. Mit meiner Leidenschaft f&#252;r zeitlose, aber auch alte Musik war es eigentlich kein Wunder, dass ich irgendwann bei dem schwarzen Gold, also der Schallplatte, landen w&#252;rde. Der Weg dahin war allerdings ein langer.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic" width="1456" height="971" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:971,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:146550,&quot;alt&quot;:&quot;Nahaufnahme eines Plattenspielers: Der Tonarm mit schwarzem Tonkopf und rotem Nadeltr&#228;ger liegt auf einer sich drehenden Vinyl-Schallplatte. Warmes, goldoranges Licht spiegelt sich in den Rillen der Platte. Dunkler Hintergrund.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/heic&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://dasangebrocheneleben.substack.com/i/191048780?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Nahaufnahme eines Plattenspielers: Der Tonarm mit schwarzem Tonkopf und rotem Nadeltr&#228;ger liegt auf einer sich drehenden Vinyl-Schallplatte. Warmes, goldoranges Licht spiegelt sich in den Rillen der Platte. Dunkler Hintergrund." title="Nahaufnahme eines Plattenspielers: Der Tonarm mit schwarzem Tonkopf und rotem Nadeltr&#228;ger liegt auf einer sich drehenden Vinyl-Schallplatte. Warmes, goldoranges Licht spiegelt sich in den Rillen der Platte. Dunkler Hintergrund." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yxMf!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0acd7950-6f64-4f01-acc9-0b0e033dfa57_1536x1024.heic 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Meine Eltern h&#246;rten viel Radio. Immer wenn der Fernseher nicht lief, war irgendwo Radio zu h&#246;ren. In der K&#252;che, im Badezimmer mit dem Licht gekoppelt oder im Arbeitsschuppen hinten im Garten. &#220;berall war ein Radio verf&#252;gbar. Insofern waren wir immer sehr am radiof&#228;higen Mainstream dran. Einen Plattenspieler und Schallplatten gab es zwar, dass der lief, daran kann ich mich eher nicht erinnern. Er war eher eng und unbenutzbar im HiFi-Turm verbaut. Erste Ber&#252;hrungen mit Schallplatten gab es da eher bei Opa, als ich noch jung war. Opa h&#246;rte allerdings keine Musik mit mir, sondern M&#228;rchenschallplatten. In meinen Erinnerungen dazu, ist einfach alles warm: die Vanillemilch, die ich trank, die Lila-Rot-Wei&#223; gemusterte alte Zottelwolldecke, die Stimmen, die von einem leisen Knistern begleitet das M&#228;rchen vom Fr&#246;schk&#246;nig erz&#228;hlten, in dem sich der Heinrich drei eiserne B&#228;nder ums Herz legen lie&#223;.</p><p>Musikalisch bildete Opa mich zum Gl&#252;ck nicht. In der &#214;ffentlichkeit h&#246;rte Opa n&#228;mlich gerne Marschmusik und Seemannslieder von Freddy Quinn. Erst nach seinem Tod fand ich, sehr versteckt, eine Schallplatte mit versauten St. Pauli Schlagern. Der Vorvorl&#228;ufer vom Ballermann, wenn man so will.</p><p>Meine Leidenschaft f&#252;r in meiner Generation und im jungen Alter eher selten geliebte Musik verdanke ich zweierlei. Zum einen den Film Blues Brothers, den ich heute immer noch gerne schaue. Obwohl er v&#246;llig &#252;berdreht ist, ist er gleichzeitig eine wundervolle Hommage an die Musik allgemein und den Chicago Soul im Besonderen. Ich h&#246;rte die Blues Brothers rauf und runter und war wirklich ersch&#252;ttert, als mein Musiklehrer mich dar&#252;ber aufkl&#228;rte, dass die &#8222;Blues Brothers&#8220; alles nur bei Sam &amp; Dave abgekupfert hatten. Das Internet war zu dem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen und Wikipedia sollte erst gut ein bis zwei Jahre nach dieser Erkenntnis gegr&#252;ndet werden. Obwohl wir uns heute fragen m&#252;ssen, ob es sich hierbei um kulturelle Aneignung handelt, bin ich doch irgendwie froh, dass die beiden Saturday Night Live Komiker Dan Aykroyd und John Belushi mit ihren Blues Brothers die Musik einem breiteren (wei&#223;en) Publikum und damit auch mir zug&#228;nglich gemacht haben.</p><p>Der zweite gro&#223;e Einfluss war mein Onkel. Er war Musiker, zumindest privat und mit Leidenschaft. Noch heute sitzt er in seiner Kammer und komponiert an seinem Computer Musik in den unterschiedlichsten Musikrichtungen. Damals war er Schlagzeuger in der Band &#8222;The Craete&#8220;, die zu meinem gro&#223;en Leidwesen nur ein Album mit sechs Titeln herausgebracht hat. Sieben, wenn man die l&#228;ngere Instrumentalversion von &#8222;S.K.A.&#8220; mitz&#228;hlt. Wer Lust hat, mal hineinzuh&#246;ren: Immerhin zwei Titel finden sich bei Spotify. Ich kann noch heute jeden Titel der Band mitsingen und bekomme G&#228;nsehaut, wenn die ersten Riffs von &#8222;Limona Blues&#8220; anlaufen. Leider trennte sich die Band, bevor ich in das richtige Konzertalter kam. Das einzige Konzert der Band, bei dem ich jemals dabei war, war in einem kleinen Laden in Hamburg-Bramfeld, in dem heute ein Elektro-Installateur, statt einer Kneipe beheimatet ist. Allerdings bekam ich aufgrund eines M&#228;dchens wenig vom Konzert selbst mit, doch das ist eine andere Geschichte. Was ich erinnere ist, dass der Laden &#252;bervoll war und man in meiner Familie noch Wochen, nein Monate sp&#228;ter davon sprach. Und das nicht nur, weil die Hamburger Mundharmonika-Legende Claus &#8220;Dixi&#8221; Diercks sich die Ehre gab.</p><iframe class="spotify-wrap" data-attrs="{&quot;image&quot;:&quot;https://i.scdn.co/image/ab67616d0000b27322376d31abe493d2868fe136&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Rear View Mirror&quot;,&quot;subtitle&quot;:&quot;The Craete&quot;,&quot;description&quot;:&quot;&quot;,&quot;url&quot;:&quot;https://open.spotify.com/track/2NuZV2pIgElCFSVnL2QPqG&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;noScroll&quot;:false}" src="https://open.spotify.com/embed/track/2NuZV2pIgElCFSVnL2QPqG" frameborder="0" gesture="media" allowfullscreen="true" allow="encrypted-media" data-component-name="Spotify2ToDOM"></iframe><p>Mein Onkel half meinem Musikgeschmack jedoch nicht nur mit seiner Band auf die Spr&#252;nge. Immer wieder warf er mir Brocken guter Musik vor die F&#252;&#223;e. Vor allem in der Zeit, als ich einen Stock &#252;ber ihm wohnte, machte er mich an den unregelm&#228;&#223;ig stattfindenden gemeinsamen Abenden auf Interpreten und Musikstile aufmerksam. Immer wieder kam ich so an Alben und Interpreten, die auch f&#252;r erfahrene Genreh&#246;rer schwer mitzubekommen waren. Neben der Erinnerung an Bloody Marys hat sich ganz viel Musik f&#252;r immer in mein Unterbewusstsein geschrieben.</p><p>Ein weiterer Musikfilm, der mich pr&#228;gte, war die Verfilmung des Nick Hornby Romans &#8222;High Fidelity&#8220;, den ich auch heute noch ungebrochen als einen meiner Top 5 Lieblingsfilme ansehen w&#252;rde. Auch weil er sich &#252;ber die Jahre emotional zus&#228;tzlich aufgeladen hat. So hat mir meine Partnerin zu meinem ersten Geburtstag, an dem wir zusammen waren, eine DVD dieses Films geschenkt und ihn mit mir zusammen angesehen. Einfach nur, weil sie wusste, wie sehr ich den Film mag. Obwohl ich ihn bereits auf Blu-ray besa&#223;, steht er jetzt zus&#228;tzlich als DVD in unserem Regal, weil ich immer, wenn ich die H&#252;lle dort stehen sehe, an diesen ersten Geburtstag mit ihr denken muss. Falls du ihn nicht gesehen oder gelesen hast: In &#8222;High Fidelity&#8220; besitzt die Hauptfigur Rob einen Plattenladen und hat zus&#228;tzlich zwei Vollnerds als Angestellte. Er versucht alles in seine pers&#246;nlichen Top 5 Listen zu stecken und die Trennung von seiner Langzeitfreundin Laura zu verarbeiten. Nat&#252;rlich gibt es auch in diesem Medium hier eine Top Five der schlimmsten Beziehungsenden. Musik und unerf&#252;llte Liebe, klar, dass mein jugendliches Ich auf diesen Film ansprang. Ich kann mich nicht erinnern, wie oft ich diesen Soundtrack auf dem Ohr hatte und damit meinen Liebeskummer ertr&#228;nkte. Musik ist Balsam und Brandbeschleuniger zugleich.</p><p>Meine Eltern wuchsen mit Musik aus dem Radio oder der Hitparade im Fernsehen auf. Schallplatten waren teures Gut. Anfang der 1970er kostete ein normales Album 18 Mark, was inflationsbereinigt heute etwa 36 EUR w&#228;ren, ein Preis, den wir mittlerweile wieder erreicht haben. Zu dieser Zeit waren Musikerzeugnisse allerdings noch preisgebunden, so wie wir es heute noch von B&#252;chern kennen. Wie die Preisentwicklung danach genau verlief, wei&#223; ich nicht. Es hie&#223; jedoch, dass sich viele Menschen Musik nicht leisten konnten und daher insbesondere die Musik aus Radio oder Fernsehen auf Kassetten aufnahmen. Gleiches galt nat&#252;rlich f&#252;r ganze Alben, falls denn mal jemand eines hatte. Die ersten Raubkopien waren geboren.</p><p>Als ich in meine Musikzeit kam, war es mit der Schallplatte schon so ziemlich vorbei im Mainstream. Anfang der 1980er Jahre wurde die Musik-CD eingef&#252;hrt, welche die Produktion billiger machte und weniger fehleranf&#228;llig. Insgesamt war zumindest theoretisch die CD der Musikkassette und der Schallplatte deutlich &#252;berlegen. Sie konnte nicht nur exakter die Musik reproduzieren, sondern fasste auch noch ganze 74 Minuten Musik. Die Legende f&#252;r den Grund dieser willk&#252;rlichen Spieldauer werde ich an dieser Stelle nicht noch mal aufw&#228;rmen. Die Musik wurde somit das erste Mal digital und als Nebeneffekt konnte man Titel nun auch direkt anw&#228;hlen. Und ich mochte diese silbrigen Scheiben. Seit ich den ersten &#8222;Die Schl&#252;mpfe&#8220;-Sampler &#8222;Tekkno ist cool&#8220; in die Hand bekam, wollte ich mehr. Zum Gl&#252;ck hat sich mein Musikgeschmack deutlich entwickelt, aber hey, ich war neun, was war bei dir los, als du neun warst?</p><p>Schon bald darauf, meine ich mich zu erinnern, Mixtapes f&#252;r meinen Walkman auf der Anlage meines Vaters aufgenommen zu haben. Der hatte seinerzeit eine HiFi-Anlage aus mehreren Bausteinen, wie es sie fr&#252;her noch deutlich mehr in Haushalten gab. Heute ist das eine Sache, die man eher noch bei Enthusiasten findet. Das Beste damals an dem Grundig-Ger&#228;t waren f&#252;r mich die ausschlagenden Lichtbalken, welche anzeigten, wie laut die aufgenommene bzw. abgespielte Musik war. Stundenlang konnte ich wie hypnotisiert davor sitzen.</p><p>Richtig wild wurde es erst mit dem mp3-Format und den ersten Tauschb&#246;rsen wie Napster. Es waren die Wild-West-Zeiten des Internets. W&#228;hrend einige Freunde schon ISDN hatten, hing ich noch bei dem deutlich langsameren 56k-Modem, mit einem Einw&#228;hlger&#228;usch, das man nicht vergisst. F&#252;r ein Lied ben&#246;tigte man ungef&#228;hr doppelt so lange zum Laden, wie es danach anzuh&#246;ren. Erst mit Einf&#252;hrung von DSL tat es nicht mehr ganz so weh, wenn man einem Fake aufgesessen war und statt Britney Spears die Wildecker Herzbuben h&#246;ren musste.</p><p>Nat&#252;rlich war das Herunterladen illegal, zum Gl&#252;ck erhielt ich selbst nie ein Abmahnschreiben. Trotzdem sp&#252;rte ich f&#252;r mich die zunehmende Entwertung der Musik durch das &#220;berangebot. Ich hatte Gigabytes an Musik auf meinen Festplatten, gef&#252;hlt mehr, als ich in einem Leben sinnvoll h&#246;ren konnte.</p><p>Heute erledigt Spotify das alles ger&#228;uschlos, ohne Abmahnung, daf&#252;r mit einer Vielfalt, die mich offen gesagt immer noch erschl&#228;gt. Bei neueren K&#252;nstlern finde ich St&#252;cke, die mir gefallen, die Titel kann ich mir jedoch nur selten merken. Bei meinen CDs war das damals anders - da war ich allerdings auch zwanzig Jahre j&#252;nger. Vielleicht lag es auch am Mangel oder an der Tatsache, dass ich das Cover physisch anfassen konnte.</p><p>F&#252;r mich und scheinbar auch viele andere Menschen begann zu etwa diesem Zeitpunkt das zweite Zeitalter des schwarzen Goldes. W&#228;hrend 2006 in der &#196;ra vor Spotify und in dem abklingenden Zeitalter des Online-Tausches in Deutschland nur noch 300.000 Schallplatten verkauft wurden, sind es 2021 schon wieder mehrere Millionen gewesen. Der Verkauf von CDs und MP3-Downloads ging in der gleichen Zeit zur&#252;ck. Es gibt also eine gro&#223;e Gruppe, die mit Streaming gl&#252;cklich ist und eine kleine Gruppe, die sich f&#252;r einige Alben offensichtlich physische Medien w&#252;nscht. Und das sind nicht alles Nostalgiker, die in den 70er Jahren Schallplatten hatten. Ich selbst wie viele der heutigen K&#228;ufer war damals noch gar nicht geboren. Doch hat sie etwas an sich, die Schallplatte, das kein anderes Medium mitliefern kann.</p><p>Die Coverbilder wirken auf einundrei&#223;igeinhalb Quadratzentimetern deutlich sch&#246;ner als auf den kleinen CDs, die nicht einmal ein Viertel dieser Fl&#228;che bieten. Eine Schallplatte aufzulegen bedeutet auch immer eine sehr bewusste Entscheidung. Ich hebe den Deckel des Plattenspielers, ziehe das Vinyl mit dem Sleeve aus dem Cover. Das Vinyl entnehme ich vorsichtig, drehe es auf die richtige Seite, gehe mit der Carbonb&#252;rste &#252;ber die Schallplatte, w&#228;hrend sie die ersten Drehungen macht, um sie von dem losen Staub zu befreien. Wenn noch nicht geschehen, schalte ich Vorstufe und Verst&#228;rker ein, bewege langsam den Arm mit der Nadel &#252;ber die Einlaufrille und bet&#228;tige den Hebel damit der Arm sich bed&#228;chtig senkt bevor die Nadel ger&#228;uschvoll in die Rille gezogen wird und die Musik beginnt sich im Raum auszubreiten. Keine CD gibt mir die W&#228;rme in der Musik, die mir eine Schallplatte bietet. Nichts f&#252;hlt sich f&#252;r mich so echt an.</p><p>Wobei dies in sich schon verr&#252;ckt ist, gibt die CD die Instrumente doch detailgetreuer wieder. Die W&#228;rme und der Sound von Vinyl ensteht durch die Art wie die Musik in die Rille gebracht wird. Denn die Nadel tastet nicht einfach die Schallwellen ab, sondern bestimmte Muster die &#252;ber eine RIAA-Kurve verzerrt sind. Dieses Verfahren gibt der Musik die W&#228;rme, die ich mir w&#252;nsche, die ich mit ihr verbinde. Wenn Marc Coen auf einer 180 Gramm Schallplatte &#8222;Walking in Memphis&#8220; anstimmt, bringt diese Dynamik und W&#228;rme G&#228;nsehaut auf meine Arme. Ich sinke auf meinem Sessel ein und schlie&#223;e die Augen. Ich h&#246;re der Musik bewusst zu.</p><p>Durch das Ritual des Plattenauflegens h&#246;re ich weniger nebenbei Musik, ich h&#246;re bewusster. Im Gegensatz zu der CD die einfach durchl&#228;uft und dann von vorn starten kann, muss ich die Schallplatte nach 20 bis 25 Minuten umdrehen. Einen Shufflemodus gibt es nicht. Noch so etwas, das durch MP3 und Spotify verloren ging: Ein Album wird nur noch selten in seiner Gesamtheit in der vom K&#252;nstler erdachten Reihenfolge geh&#246;rt. Es ist kein Gesamtwerk mehr sondern h&#228;ufig nur noch eine Sammlung von Singles. Pink Floyd oder die sp&#228;teren The Who Alben h&#228;tten so gar nicht funktioniert, ein Album erz&#228;hlte eine Geschichte aus Songs. Ich kann mich einfach einsinken lassen in die musikalische Erz&#228;hlung.</p><p>Meinen ersten eigenen Plattenspieler holte ich mit einem Freund aus Hannover. Es war ein Thorens TD 320 mit dunkler Mahagoni-Zarge und eigentlich allem, was Plattenspieler f&#252;r mich ausstrahlen sollten. Wir machten einen Tagesausflug, um das von einem H&#228;ndler aufbereitete Ger&#228;t abzuholen. Erst sp&#228;ter bemerkte ich, dass der H&#228;ndler mit allen Tricks gearbeitet hatte um das Ger&#228;t aufzuarbeiten ohne es richtig aufzuarbeiten. So wurde das Holz nur mit einer Paste nachgef&#228;rbt, die sich wieder abrieb wenn man nur Staub wischte. Trotzdem legte er den Grundstein f&#252;r meine neue Leidenschaft. Befeuert wurde dies von einem Freund der Familie, der mir zuerst einige seiner Platten vermachte. Zu allem Gl&#252;ck auch noch genau aus der musikalischen &#196;ra die ich so liebte. Und so fanden auf einmal viele gehegte und gepflegte Erstauflagen von den Eagles oder Barclay James Harvest den Weg in meinen Besitz. Das sch&#246;nste war, als er bemerkte wie sehr ich mich &#252;ber diese Platten freute und wie oft sie bei mir liefen, beschloss eben dieser Freund mir auch seinen Plattenspieler und seine restlichen Platten zu vermachen. Und so fand ein Transrotor Classic seinen Weg zu mir. Ein Designst&#252;ck aus den neunziger Jahren, welches nahezu vollst&#228;ndig aus Acryl besteht, unter dem Plattenteller h&#228;ngen f&#252;nf polierte und verchromte Gewichte, die sich hypnotisch drehen. Ich war pl&#246;tzlich an meinem Ende von High End angekommen.</p><p>Bei aller Faszination: Schallplatten sind auch ein relativ zartes Gut. Sie k&#246;nnen Kratzer bekommen, leichte Besch&#228;digungen. Manchmal kommen sie sogar schon knisternd auf die Welt. Auch wenn ich sp&#228;ter einen Fehler auf eine Schallplatte mache, bin ich besonders traurig. Ich kann jeden Fehler, den eine Schallplatte in ihrer Zeit bei mir erlitten hat benennen, sie ist bei mir, mit mir gealtert. Ganz romantisch sieht es die Radio-Legende John Peel.</p><blockquote><p>Somebody was trying to tell me that CDs are better than vinyl because they don&#8217;t have any surface noise. I said, &#8222;listen, Mate, Life has Surface Noise.&#8221;</p><p>- John Peel</p></blockquote><p>Die Welt ist nicht perfekt, sie ist laut und hektisch und kann erdr&#252;ckend sein mit ihrem &#220;berangebot, und sie ist auch mal defekt. Viele von den Schallplatten, die ich besitze, sind &#228;lter, oft haben sie schon ein ganzes Leben hinter sich und sind nicht mehr perfekt, doch jedes Mal wenn ich eine von ihnen auflege, ist mir klar, dass ich ein Objekt Geschichte vor mir habe. Die Bad Company Platte aus den 70ern hat jetzt 50 Jahre &#252;berlebt, um bei mir zu landen. Durch wie viele H&#228;nde mag die Schallplatte, die mir ein musikverr&#252;ckter Grieche aus Japan importiert hat, schon gegangen sein? Und jetzt liegt sie in meinen H&#228;nden, ich lege sie auf den Plattenteller und genie&#223;e die Zeit. Ich dr&#252;cke dadurch einmal kurz die Stop-Taste des Lebens und beginne eine kleine Auszeit, in dem ich diese Scheibe auf 33 1/3 Umdrehungen pro Minute beschleunige und eine kleine Nadel zum Schwingen bringe.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Dir hat dieses Essay gefallen? Dann abonniere jetzt, um zuk&#252;nftige Essays per E-Mail in deinem Postfach zu erhalten und sie zu lesen, wann du es willst.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Das letzte Mal]]></title><description><![CDATA[Warum ich das letzte Glas Whisky monatelang in der Flasche lasse &#8211; und was das &#252;ber das Leben sagt.]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/das-letzte-mal</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/das-letzte-mal</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Wed, 11 Mar 2026 06:10:01 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Hermann Hesse wusste zu allem etwas zu sagen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne &#8211; das kennt fast jeder. Aber warum haben wir keine Augen f&#252;r das letzte Mal? Warum hat das letzte Mal eigentlich keinen Zauber f&#252;r uns?</p><p>Wer wei&#223; noch, wann er oder sie zum letzten Mal etwas getan hat? Wann ist man das letzte Mal vom Beckenrand gesprungen und hat eine Arschbombe gemacht? Wann hat man das letzte Mal mit Freunden auf einer Parkbank gesessen, jemand r&#252;lpste und jeder rief schnell &#8222;Schulz!&#8220;, um keine an die Stirn geklatscht zu bekommen? Wann waren diese vielen letzten Male, die eigentlich ebenso besonders waren, wie die unz&#228;hligen ersten Male, die wir in unserem Leben hatten, die wir jedoch so achtlos vorbeiziehen lie&#223;en, abgelenkt von irgendeinem ersten Mal, einem neuen Kick, den es um jede Ecke gab?</p><p>Wann habe ich das letzte Mal eine Serie als Wiederholung geschaut, einfach weil ich sie mag, anstelle einer dieser neuen, die ich aus einer Flut neuer Serien ausgew&#228;hlt habe? Wann wurde das Angebot wichtiger als der Genuss?</p><p>An einige letzte Male kann ich mich erinnern. Das letzte Mal, dass ich als Sch&#252;ler vor meiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann auf der Tankstelle jobbte und Nachtschicht hatte. Es waren Sommerferien und irgendwie eine magische Nacht, mit einer ganz besonderen Stimmung. Viele Enden in meinem Leben waren jedoch auch direkt mit einem Neuanfang verbunden. Der letzte Tag der Ausbildung mit der Abschlusspr&#252;fung und dem direkten &#220;bergang in das Berufsleben.</p><p>Immer schwingt ein wenig Wehmut mit, wenn ich &#252;ber letzte Male nachdenke. Dabei sehne ich gar nicht so sehr die Vergangenheit zur&#252;ck, vielmehr frage ich mich: warum habe ich es nicht mehr genossen? H&#228;tte ich es mehr genossen, wenn ich gewusst h&#228;tte, dass es das letzte Mal war?</p><p>Ein Arbeitskollege meiner Partnerin liebt Russland, war jedoch das letzte Mal vor Corona in diesem Land. Nat&#252;rlich ist das Geschmacksache, f&#252;r die Problemstellung jedoch v&#246;llig unerheblich. Nach der Corona-Situation kam der Angriffskrieg auf die Ukraine, womit es f&#252;r diesen Arbeitskollegen nicht mehr verantwortbar war, in das Land zu reisen. Die Liebe rei&#223;t jedoch nicht ab. H&#228;tte er seine letzte Reise mehr genossen, wenn er gewusst h&#228;tte, dass es die letzte ist? Oder h&#228;tte sich permanent dieser Gedanke wie ein Schatten &#252;ber diese Reise und seine Erlebnisse dort gelegt?</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic" width="1344" height="756" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/d0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:756,&quot;width&quot;:1344,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:119824,&quot;alt&quot;:&quot;Nahaufnahme des unteren Teils einer fast leeren Whiskyflasche auf einem rustikalen Holztisch. Der bernsteinfarbene Rest der Fl&#252;ssigkeit leuchtet warm im Gegenlicht. Dunkler Hintergrund, dramatische Stimmungsbeleuchtung.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/heic&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://dasangebrocheneleben.substack.com/i/190393465?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Nahaufnahme des unteren Teils einer fast leeren Whiskyflasche auf einem rustikalen Holztisch. Der bernsteinfarbene Rest der Fl&#252;ssigkeit leuchtet warm im Gegenlicht. Dunkler Hintergrund, dramatische Stimmungsbeleuchtung." title="Nahaufnahme des unteren Teils einer fast leeren Whiskyflasche auf einem rustikalen Holztisch. Der bernsteinfarbene Rest der Fl&#252;ssigkeit leuchtet warm im Gegenlicht. Dunkler Hintergrund, dramatische Stimmungsbeleuchtung." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Xos_!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd0083fef-41c4-487e-85cd-c0e2ca511a35_1344x756.heic 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Ich genie&#223;e, &#252;ber einen wirklich langen Zeitraum, immer mal wieder ein Glas aus einer guten Flasche schottischen Whisky. Wenn ich zum Ende dieser Flasche komme, merke ich immer, dass die Abst&#228;nde, in denen ich mir ein Glas aus ebendieser Flasche genehmige, umso gr&#246;&#223;er werden, je mehr mir der Geschmack zusagt. Bis ich es am Ende auf die Spitze treibe und das letzte Glas mehrere Monate in der Flasche aufbewahre. Nur weil ich nicht m&#246;chte, dass sie leer wird. Dabei g&#228;be es doch eine neue Flasche und damit auch neuen Geschmack zu entdecken, allerdings will ich auch nicht, dass die Erfahrung mit ihr endet. Wie man manchmal nicht wollte, dass Abende mit den besten Freunden enden. Diese Art Abende, in denen man alkoholgeschw&#228;ngert beschlie&#223;t: Wir sollten unsere eigene Bar gr&#252;nden, denn ihr seid die tollsten Menschen der Welt.</p><p>Warum h&#228;ngen wir so sehr an der Vergangenheit? Obwohl die Menschheit, ja eigentlich jeder einzelne Mensch dazu verdammt ist, st&#228;ndig nach vorn zu schreiten. Mit der Entdeckung der Zeit wurde nur greifbar, was wir schon immer wussten. Jeder Moment ist einzigartig und wird mit dem Erleben unwiederbringlich zur Vergangenheit. Unsere Augen sehen immer nur das Jetzt, eine Liveaufnahme mit der minimalen Verz&#246;gerung der Lichtgeschwindigkeit. Wenn also unsere k&#246;rperlichen Wahrnehmungen auf den Moment ausgerichtet sind, warum h&#228;ngen wir so sehr an dem, was gewesen ist?</p><p>Zum einen sicherlich, weil unser Gehirn darauf ausgelegt ist, zu lernen. Pr&#228;historisch war es wichtig zu wissen, wer die tollsten Menschen der Welt sind, da diese einem halfen. Der gro&#223;artige Geschmack des Whiskys war nicht der des Whiskys, sondern von Essen, das uns gut ern&#228;hrte. Leckere Beeren, von denen uns nicht schlecht wurde, halfen uns in der Zukunft, uns wieder f&#252;r das bek&#246;mmliche Lebensmittel zu entscheiden.</p><p>Wieder mal hat unsere Gesellschaft unsere Evolution &#252;berholt. Was bleibt, ist das in uns veranlagte Verlangen nach neuen Erfahrungen, das wir zur Perversion treiben, wenn wir alle 30 Sekunden ein neues Video auf Social-Media-Plattformen loslaufen lassen. Dabei k&#246;nnten wir etwas viel Befriedigenderes erleben, wenn wir uns selbst nur ein wenig fokussieren.</p><p>Im Zen-Buddhismus strebt man danach, alles so wahrzunehmen, als w&#252;rde es gerade in diesem Moment zum ersten Mal passieren. Der Zen-Meister und Lehrer Shunryu Suzuki ging in die Vereinigten Staaten von Amerika und beschrieb es seinen Sch&#252;lern damit, dass der Zen-Geist ein Anf&#228;nger-Geist ist. Zu oft lassen wir uns von den Erfahrungen oder unserer Expertenrolle blenden.</p><p>Warum haben wir das letzte Mal, als wir etwas taten, dieses nicht mehr genossen? Weil wir es so oft taten, dass wir es nicht mehr mit einer gewissen Achtsamkeit vor der Sache getan haben. Das ist auf der einen Seite ein &#252;berlebenswichtiger Prozess, damit unser Gehirn nicht vor unwichtigen Erinnerungen &#252;berl&#228;uft. Jeder kennt das: Habe ich die T&#252;r abgeschlossen? Wir haben sie so oft abgeschlossen, dass wir es wie automatisch machen und unser Gehirn sich nicht mit der Erinnerung daran aufh&#228;lt. So ist es auch mit anderen Dingen, die wir &#246;fter tun. Auf der anderen Seite sorgt es daf&#252;r, dass wir auch andere Dinge aus unserem Erleben filtern.</p><p>Was w&#228;re also das Rezept, um die Magie der letzten Male heraufzubeschw&#246;ren?</p><p>Dinge so bewusst angehen, als w&#252;rden wir sie zum ersten Mal tun. Nicht drei Dinge nebenher erledigen. Unsere Erfahrungen nicht beiseitelegen &#8211; aber uns mehr in den Moment versetzen.</p><p>Anf&#228;nge und Enden gleichwertig betrachten. Wie Yin und Yang. In jedem Anfang ein Ende erkennen, in jedem Ende den n&#228;chsten Anfang finden.</p><p>Jedes Mal k&#246;nnte das letzte sein. Das ist kein trauriger Gedanke &#8211; in diesem K&#246;nnte, in dieser Verg&#228;nglichkeit, in der Zerbrechlichkeit des Lebens liegt genau die Magie, die das Allt&#228;gliche zum Besonderen macht.</p><p>Vielleicht w&#228;re das ein Weg zu einem gl&#252;cklicheren Leben.</p><p></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Dir hat dieses Essay gefallen? Dann abonniere jetzt, um zuk&#252;nftige Essays per E-Mail in deinem Postfach zu erhalten und sie zu lesen, wann du es willst. </p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[... und was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Leben?]]></title><description><![CDATA[&#220;ber die Fragen der Lebensmitte &#8211; und warum ein Nobody eigentlich ein Everybody ist.]]></description><link>https://www.dasangebrocheneleben.de/p/und-was-machen-wir-jetzt-mit-dem</link><guid isPermaLink="false">https://www.dasangebrocheneleben.de/p/und-was-machen-wir-jetzt-mit-dem</guid><dc:creator><![CDATA[Kay Puppa]]></dc:creator><pubDate>Sat, 07 Mar 2026 15:11:43 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!0qlg!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7c79cbab-b9a5-4fc5-a691-f0661c1d5f71_256x256.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Es ist Sonntagmorgen, ich sitze an meinem Schreibtisch neben der Heizung. Typisch Hamburg: Der Oktober sieht bereits etwas grau aus, drau&#223;en ist es k&#252;hl und leicht windig. Wie im Leben wechseln sich an diesem Morgen Regenschauer und warme, goldene Sonnenstrahlen kontinuierlich ab.</p><p>In dem Moment, als ich diese Worte schreibe, ist es nun gut eineinhalb Jahre her, seit ich dieses Projekt gestartet habe, von dem du jetzt den ersten Teil liest. Einige Zeit nach meinem 39. Geburtstag schrieb ich den ersten Text. Ich hatte das Gef&#252;hl, an einem Punkt angekommen zu sein, an dem ich zwar viele Antworten gefunden hatte &#8211; aber auch verstand, dass die Fragen wohl nie aufh&#246;ren w&#252;rden. N&#228;chstes Jahr werde ich zwanzig Jahre in meinem Beruf arbeiten und allein mit den Gedanken hierzu lie&#223;e sich ein Buch f&#252;llen. Ich habe die Phase des Kindseins, des Teenagers, des jungen Twens hinter mir gelassen und trage sie doch alle immer noch in mir. Es ist noch nicht so weit, dass ich einer der heute sogenannten Best Ager bin und ich bin noch sehr weit weg davon, grau und altersweise zu sein.</p><p>Gerade jetzt komme ich in der Mitte des Lebens an. Zwischen etwa 40 und 55 Jahren erleben die meisten Menschen ihre Midlife-Crisis - und ich beginne zu ahnen, warum. Dabei wird es meinem Gef&#252;hl nach selten darum gehen, seine Familie zu verlassen, um eine zwanzig Jahre j&#252;ngere Frau zu daten. Jeder Mensch stellt sich andere und doch dieselben Fragen.</p><p>Warum wirkten die Menschen, die Mitte drei&#223;ig waren, als ich Anfang zwanzig war, so souver&#228;n? Ich hingegen sitze hier und denke: Ich habe kaum etwas im Griff. Die ersten Altersleiden erscheinen, vielleicht aufgrund meines &#220;bergewichts, ein wenig fr&#252;her, doch unabh&#228;ngig davon frage ich mich:</p><p>Was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Leben?</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg" width="259" height="334.19354838709677" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:false,&quot;imageSize&quot;:&quot;normal&quot;,&quot;height&quot;:1600,&quot;width&quot;:1240,&quot;resizeWidth&quot;:259,&quot;bytes&quot;:337134,&quot;alt&quot;:&quot;Gr&#252;ner M&#252;lleimer&nbsp; im Freien, beklebt mit mehreren Stickern. Oben ein wei&#223;er Sticker mit einer illustrierten Figur aus Fr&#252;chten und Brot, beschriftet mit &#8222;Mascha Mind\&quot;. In der Mitte ein gelber runder Sticker mit schwarzer Handschrift: &#8222;&#8230;und was machen wir jetzt mit dem angebrochen Leben?\&quot; Darunter ein kleiner gelber Button mit einer Cartoon-Maus. Im Hintergrund gr&#252;nes Geb&#252;sch.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://dasangebrocheneleben.substack.com/i/190122178?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd2e2c575-0e3e-4f7f-ac0c-b3eed6181ac1_1240x1600.heic&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:&quot;center&quot;,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="Gr&#252;ner M&#252;lleimer&nbsp; im Freien, beklebt mit mehreren Stickern. Oben ein wei&#223;er Sticker mit einer illustrierten Figur aus Fr&#252;chten und Brot, beschriftet mit &#8222;Mascha Mind&quot;. In der Mitte ein gelber runder Sticker mit schwarzer Handschrift: &#8222;&#8230;und was machen wir jetzt mit dem angebrochen Leben?&quot; Darunter ein kleiner gelber Button mit einer Cartoon-Maus. Im Hintergrund gr&#252;nes Geb&#252;sch." title="Gr&#252;ner M&#252;lleimer&nbsp; im Freien, beklebt mit mehreren Stickern. Oben ein wei&#223;er Sticker mit einer illustrierten Figur aus Fr&#252;chten und Brot, beschriftet mit &#8222;Mascha Mind&quot;. In der Mitte ein gelber runder Sticker mit schwarzer Handschrift: &#8222;&#8230;und was machen wir jetzt mit dem angebrochen Leben?&quot; Darunter ein kleiner gelber Button mit einer Cartoon-Maus. Im Hintergrund gr&#252;nes Geb&#252;sch." srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!F-LR!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F053459d1-707d-4a63-bf9e-1d8b8c35832e_1240x1600.jpeg 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Eine Lebensfrage gestellt von einem Aufkleber, den meine Partnerin auf einem Bild im Internet gesehen hat. Das Bild zeigt einen gr&#252;nen M&#252;lleimer im Park, an dem ebendieser Aufkleber befestigt ist. Ich stelle fest, ich liebe die Aufkleberkultur, in der Menschen selbst Aufkleber gestalten und damit humorvoll, ironisch oder ernst die T&#246;ne spielen. Gro&#223;e Kunst, die wir im t&#228;glichen Vorbeigehen &#252;bersehen k&#246;nnten, wie das, was uns im Leben wichtig ist. Jeden Tag laufen wir daran vorbei und sehen es vielleicht nicht mehr, weil es mit der Umgebung verschmolzen oder es uns noch nie bewusst aufgefallen ist.</p><p>Dieser Aufkleber wurde von einem Menschen gestaltet und dann vielleicht bewusst oder unbewusst auf einem M&#252;lleimer angebracht. Ist die Antwort auf die Frage, sollen wir das angebrochene Leben wegwerfen und ein neues anfangen? &#214;kologisch w&#228;re das sicher nicht sinnvoll, ich schmei&#223;e auch nicht den halben Liter Milch weg, nur weil ich noch nicht wei&#223;, was ich damit noch kochen k&#246;nnte.</p><p>Eine andere m&#246;gliche Lesart dieser Frage ist auch: Soll es das jetzt sein? Sieht mein Leben jetzt jeden Tag so aus?</p><p>Was also machen wir jetzt mit dem angebrochenen Leben? Wie finden wir das heraus? Und warum soll es einem helfen, die Gedanken dieses Nobodys zu lesen, der nichts Herausragendes geleistet und keine &#246;ffentliche Anerkennung f&#252;r irgendwas bekommen hat? Der ist ja nicht mal Influencer.</p><p>Nun, zun&#228;chst mal habe ich, genauso wie du, Herausragendes geleistet. Wie bei vielen Menschen ist die Messlatte immer anders, und in beruflichen Dingen, die lange mein pers&#246;nlicher Ma&#223;stab f&#252;r Lebensleistung waren, habe ich wirklich herausragendes geleistet.</p><p>Ein anderer wichtiger Punkt f&#252;r mich ist jedoch, dass der Nobody im Grunde ein Everybody ist. Klar sind wir alle individuelle Gestalten, unsere Lebenslinien verlaufen h&#246;chst unterschiedlich und komplex, doch sind wir uns alle auch &#228;hnlicher, als wir denken. Das lehrt uns die Wissenschaft, aber leider auch unser Konsum und unsere Wirtschaft.</p><p>Warum also nicht mal die Erfahrungen eines anderen Menschen lesen, der nicht &#252;ber seine Grenze hinausgehen musste, um den Everest zu besteigen? Der nicht in ein unbekanntes Amerika aufgebrochen ist und auf sich allein gestellt als Siedler durch das Land an die Westk&#252;ste gezogen ist. Der nicht Bundeskanzler oder CEO war, kein Schauspieler, der den Oscar gewonnen hat, kein Philosoph, der Deutschland w&#246;chentlich im Podcast die Welt erkl&#228;rt.</p><p>Wir Menschen sind die Summe unserer Erfahrungen. Nahezu jede Erfahrung ist einzigartig. Wir alle sehen denselben Hamburger Michel &#8211; aber wir sehen ihn unterschiedlich. Unsere Wahrnehmung ist individuell, gefiltert durch die Brille unseres Lebens.</p><p>Eine weitere F&#228;higkeit macht uns Menschen besonders. Die Empathie. Wir k&#246;nnen uns in andere Menschen hineinversetzen, mit ihnen mitf&#252;hlen und dadurch lernen und von ihren Erfahrungen profitieren.</p><p>Die Frage, wohin es geht, was man mit dem angebrochenen Leben anfangen will, f&#252;hrt zu der Frage, wer ich bin und damit in der Konsequenz zu der Frage, wer ich war. Welchen Weg bin ich hierher gegangen? Welche Erfahrungen pr&#228;gen meine Entscheidungen und mein Handeln? Will ich diesen Weg weiter gehen oder einen neuen beschreiten?</p><p>Nur eine Sache ist sicher: Ich kann nicht zur&#252;ck. Was war, bleibt Teil meiner Geschichte.</p><p>Das alles macht meine Texte h&#246;chst subjektiv, in meinen Augen auch einzigartig. Ich glaube an die Kraft der Diversit&#228;t und gerade darum glaube ich daran, dass meine Gedanken und Erfahrungen in Teilen auch f&#252;r dich, liebe lesende Person, hilfreich sein k&#246;nnen. Und wenn nur um dich zu fragen, wie du eigentlich zu den Themen stehst, welche Erfahrungen du gemacht hast, die dich dahin gebracht haben, wo du jetzt bist. Wir alle k&#246;nnen voneinander lernen. Nur eines steht f&#252;r die Zukunft fest, sie ist der Weg, den wir noch nicht gegangen sind.</p><p>Ich hoffe, dass dich meine Gedanken und Erfahrungen weiterbringen oder zumindest w&#228;hrend der Lekt&#252;re unterhalten. Ich gehe jetzt etwas machen mit meinem angebrochenen Leben.</p><p></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.dasangebrocheneleben.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Danke f&#252;rs Lesen von &#8222;Das angebrochene Leben&#8220;! Abonnieren kostenlos, um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item></channel></rss>